Augsburg (epd). Die kirchlichen Wohlfahrtsverbände Diakonie und Caritas wollen am 26. September mit einem "Augsburger Thesenanschlag" ein Zeichen setzen gegen Kürzungen im Sozialbereich. Die neuen "Augsburger Thesen" beruhten auf sozialpolitischen Forderungen, die in einem mehr als einjährigen Prozess entstanden seien, sagte der Augsburger Diözesan-Caritasdirektor Markus Müller dem Evangelischen Pressedienst (epd). Im Mittelpunkt stehe dabei die Frage, wie gesellschaftlicher Zusammenhalt auch künftig gesichert werden könne.

Die fünf Thesen selbst sollen erst am 26. September öffentlich bekanntgeben werden. Erarbeitet wurden sie zusammen mit Caritas-Tochtergesellschaften, Fachverbänden und Mitgliedern sowie der Diakonie Augsburg. Man wolle mit ihnen zeigen, welche Rahmenbedingungen für einen zukunftsfähigen Sozialstaat und den gesellschaftlichen Zusammenhalt nötig seien, sagte Müller. Von Sparmaßnahmen betroffen seien viele Bereiche sozialer Arbeit: Jugendhilfe, Behindertenhilfe, Pflege, Alleinerziehende, Migration und Integration. Die Folgen beträfen nicht nur Träger und Einrichtungen, sondern vor allem die Menschen, die auf Unterstützung angewiesen sind.

Diakonie warnt vor Abwärtsspirale bei Löhnen

Angesichts der angekündigten Einsparungen im Gesundheitsbereich, bei der Pflege, in der Jugendhilfe und Eingliederungshilfe seien die Sorgen groß, sagte auch der Theologische Vorstand des Diakonischen Werkes Augsburg, Fritz Graßmann, dem Evangelischen Pressedienst (epd). Es dürfe beispielsweise keine Kürzungen geben, die die Gültigkeit der verhandelten Tarife unterlaufen. "Wir wollen bei den Löhnen im Sozialbereich keine Spirale nach unten. Dies wäre gerade auch angesichts des Fachkräftemangels ein fatales Signal."

Zentrales Thema für die kirchlichen Wohlfahrtsverbände ist bei den Spardebatten das Thema "Armut". Denn die Schere zwischen Arm und Reich öffne sich weiter, sagte Müller. "Armut nimmt zu und verfestigt sich insbesondere bei älteren Menschen, Alleinerziehenden und Frauen. Gleichzeitig erleben wir in unseren Einrichtungen und Diensten, dass die aktuellen Kürzungsdebatten Ängste und Verunsicherung verstärken und Populisten in die Hände spielen." Der ökumenische Schulterschluss von Caritas und Diakonie sei daher wichtig: Wenn die Finanzierung sozialer Infrastruktur bröckele, betreffe das nicht einzelne Organisationen, sondern das soziale Netz insgesamt.

Auch Bischöfe Meier und Stiegler wirken beim Thesenanschlag mit

Bei dem öffentlichkeitswirksamen "Thesenanschlag" am kommenden Samstag (18.45 Uhr) vor der evangelischen Annakirche in der Augsburger Fußgängerzone wolle man den Forderungen Sichtbarkeit verleihen, sagten Graßmann und Müller. Beim Thesenanschlag sind neben den Leitungen von Diakonie und Caritas auch der Augsburger Diözesanbischof Bertram Meier und der Regionalbischof für Schwaben-Altbayern, Klaus Stiegler, dabei.