Als einer meiner ersten Themen im neuen Schuljahr steht bei mir die Bedeutung des Erntedankfestes auf dem Themenplan. Erntekörbe, Obst und Gemüse, geschmückte Kirchen und Danklieder gehören zum vertrauten Bild von Erntedank. 

Doch was bedeutet es eigentlich, dankbar zu sein? Und was bedeutet Erntedank für unsere Kinder heute?
Im bayerischen LehrplanPLUS wird Erntedank für den evangelischen Religionsunterricht mit den "Gaben des Lebens als Gaben Gottes" verbunden. 

Im Mittelpunkt stehen dabei Staunen und Dankbarkeit als Haltung. Gleichzeitig bestehen enge Verbindungen zum Lernbereich "Unsere Welt – Gottes Schöpfung", in dem es um die Schönheit der Welt, Schöpfung als Aufgabe sowie einen verantwortungsvollen Umgang mit Nahrungsmitteln und anderen Mitgeschöpfen geht.

Damit eröffnet Erntedank weit mehr als eine Unterrichtsstunde, in der verschiedene Obst- und Gemüsesorten benannt werden oder ein bunter Erntedankkorb ausgemalt wird.

Es geht um die großen Fragen dahinter: Was brauchen wir eigentlich zum Leben? Wofür können wir dankbar sein? Was können wir selbst geben?

Genau hier bietet das Bilderbuch "Frederick" von Leo Lionni (erschienen im Beltz&Gelberg Verlag) einen wunderbaren Zugang, das ich für den Religionsunterricht in der Grundschule empfehlen kann.

Während die anderen Feldmäuse fleißig Körner, Nüsse und Getreide für den Winter sammeln, sitzt die Maus Frederick scheinbar untätig da. Er sammelt stattdessen während des Sommers Sonnenstrahlen, Farben und Wörter. Zunächst wirkt Frederick wie jemand, der sich nicht an der gemeinsamen Arbeit beteiligt. Doch als der lange, kalte Winter kommt und die Vorräte langsam aufgebraucht sind, werden seine besonderen Gaben wichtig: Frederick schenkt den anderen Mäusen Wärme und Licht durch seine Worte, Bilder und Farben.

Die Geschichte von Frederick stellt damit eine spannende Frage: Was brauchen wir eigentlich zum Leben?
Natürlich brauchen Menschen Nahrung. Aber brauchen wir nicht auch Wärme, Gemeinschaft, Hoffnung, Freude und schöne Erinnerungen? Frederick macht deutlich: Jeder Mensch hat etwas zu geben – und nicht alle Gaben sind sofort sichtbar. Das lässt sich wunderbar mit Erntedank verbinden. Denn vielleicht besteht unsere "Ernte" nicht nur aus dem, was auf einem Feld wächst. Auch Freundschaft, Zeit, Hilfsbereitschaft und gute Worte können Gaben sein, für die wir dankbar sein können.

Bilderbuch im Religionsunterricht nutzen

Für die Umsetzung im Religionsunterricht würden sich folgende Schritte und Bausteine anbieten:

  • In der Mitte des Sitzkreises steht zum Einstieg ein leerer Erntekorb. Die Kinder überlegen: "Was müsste in diesem Korb liegen, damit es uns gut geht?, Was brauchen wir zum Leben?" 
  • Zunächst werden vermutlich Lebensmittel genannt: Brot, Wasser, Äpfel, usw. Gemeinsam kann die Perspektive aber anschließend erweitert werden: Familie, Freunde, Liebe, Zeit, Zuhause, usw. Anschließend wird die Geschichte von Frederick gelesen. 
  • In der folgenden Gesprächsrunde entdecken die Kinder: Frederick sammelt Dinge, die zunächst gar nicht wie "Vorräte" aussehen. 
  • Als Abschluss und Sicherung gestalten die Kinder einen persönlichen "Dankbarkeits-Erntekorb". Auf kleine Papierfrüchte schreiben oder malen sie Dinge, für die sie dankbar sind. So wird aus dem klassischen Erntekorb ein Symbol für die vielfältigen Gaben des Lebens.


Als Weiterführung kann der Gedanke des Teilens besprochen werden. Frederick behält seine besonderen Vorräte nicht für sich. Als die anderen Mäuse traurig und erschöpft sind, gibt er ihnen von dem, was er gesammelt hat. Die Kinder überlegen persönlich für sich: Was sind meine Gaben und was kann ich anderen schenken?

Das Bilderbuch Frederick zeigt auf besondere Weise, dass eine Ernte aus mehr bestehen kann als aus dem, was auf einem Feld wächst.

Mehr Einblicke und Tipps für den Religionsunterricht findet ihr auf dem Instagram-Kanal "frau_religionslehrerin"