Deutscher Kita-Preis
Im Garten steht das Schneckenhotel, im Gruppenraum der Dino-Park: Die Kleinen in der Kindertagesstätte Weisendorf lernen spielend. Die Einrichtung ist gut vernetzt.
Kita Weisendorf Spielraum

Mitte Dezember entscheidet sich, ob die Kindertageseinrichtung in Weisendorf (Landkreis Erlangen-Höchstadt) unter die ersten Zehn kommt. Die evangelische Kindertagesstätte gehört zu den 25 für den Deutschen Kita-Preis 2021 nominierten Kitas.

Die Auszeichnung wird vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung vergeben. Leiterin Astrid Ochs weiß, warum ihre Kita in dem Markt 20 Kilometer westlich von Erlangen preiswürdig ist.

Neulich hatten ein paar Kinder im Garten eine Schneckenfamilie gefunden. Aus Eiern waren eben Babys geschlüpft. "Sie wollten den Kleinen beim Wachsen zusehen und den Großen helfen, die besten Bedingungen für ihren Nachwuchs bieten.

Wir haben ein Schneckenhotel gebaut, uns über das richtige Futter informiert und gesammelt und die Familie hochgepäppelt, bis sie schließlich freigelassen wurden", erklärt Astrid Ochs.

1200 Kitas haben sich beworben

Das Projekt entstand ganz spontan, aus den Reihen der Kinder heraus, deren Ideen von den Erzieherinnen aufgegriffen und in den Wochenplan einfach integriert wurden. Auch Eltern halfen mit. "Vielleicht ist diese Haltung den Kindern gegenüber und unsere Herangehensweise ein Grund, wieso wir von der Jury in die nächste Runde gerufen wurden", meint Ochs.

Kita Weisendorf Kinder

Über 1200 Kitas und lokale Bündnisse hatten sich deutschlandweit beworben. Astrid Ochs erinnert sich noch genau an den Tag, als die Unterlagen auf ihrem Schreibtisch lagen. Als Chefin von 15 Fachkräften, die für rund 90 Mädchen und Jungen zwischen einem und sechs Jahre in fünf Gruppen und zwei Krippen zuständig ist, hat sie ohnehin genügend Büroarbeit am Hals. "Ich hab's dann trotzdem ausgefüllt. Und jetzt freue ich mich natürlich. Weitergekommen zu sein, das ist schon alleine eine Auszeichnung", sagt die 39-Jährige.

Wenn die Leiterin über die vielen Treppen in dem verwinkelten Gebäude läuft, bräuchte sie manchmal einen Schrittzähler. Da kommen täglich einige Kilometer zusammen in dem Anfang der 1930er-Jahre von einem Gemeindeverein gebauten Haus, das lange eine Diakoniestation beherbergte.

Exkursion in den Wald oder zur Blühwiese

Noch weiter ausbreiten könne sich die Kita nach einigen Umbauarbeiten jetzt aber nicht mehr. Es wäre auch schade um die Außenanlagen, in denen die Kinder ihre eigenen Gärten angelegt oder auch ein Hochbeet gebaut haben. Diesmal mit dem örtlichen Gartenbauverein.

"Wir arbeiten viel mit den Eltern, aber auch mit den örtlichen Vereinen zusammen. Die enge Verbindung in die Gemeinde war uns von Anfang an wichtig", erklärt Ochs. Draußen dürfen Kinder auch mal auf die Bäume klettern, ohne dass Erzieherin Kathrin Kletz gleich mit dem erhobenen Zeigefinger da steht. "Die Natur ist zum Begreifen und Erfahren da", sagt sie. Wichtig sei es aber vor allem zu vermitteln, dass man mit Pflanzen und Tieren sorgsam umgeht. Hier komme der religiöse Ansatz der Kita besonders zum Tragen.

Und deswegen geht es auch immer wieder mal auf Exkursion in den Wald oder zur Blühwiese, die im vergangenen Jahr von den Kindern angelegt wurde. Drinnen liest Kollegin Elfriede Rüger gerade auf dem Sofa einer Gruppe Mädchen aus einem Buch vor, während ein paar Jungs in der Bauecke stolz noch an den Feinheiten ihres "Jurassic Park" aus Bauklötzen basteln, der bereits von einigen Dinos bevölkert wird. Nebenan sitzt gerade noch eine Gruppe Kinder bei der Brotzeiten am Tisch.

Kita Weisendorf: "Wir sind ein gutes Team"

Trotz der vielen "Baustellen" an einem ganz normalen Kindergarten-Tag strahlen Kinder und Erzieherinnen Ruhe aus. "Wir sind ein gutes Team", meint Astrid Ochs, und bezieht ausdrücklich Kinder, Angehörige aber auch die Vertreter der kirchlichen wie politischen Gemeinde mit ein. Dieses "Wir"-Gefühl fehlte ein bisschen während des Corona-Lockdowns. Um zu zeigen, dass man noch da ist, wurden in dieser Zeit auch mal die Familien zu Hause an der Tür besucht. Und als es dann im Juli wieder losging, waren die Beziehungen gut gepflegt worden.

"Unsere Kita ist mehr als eine Aufbewahrungsstätte für den Nachwuchs", bekräftigt Astrid Ochs und zeigt auf das doppeldeutige Motto, das dick auf der Fassade des Hauses geschrieben steht: "Klein rein - groß rauskommen."

Die 25 Kitas der zweiten Runde müssen nun weitere Unterlagen einreichen, in denen sie ihre Stärken präsentieren, Mitte Dezember werden die zehn Finalisten pro Kategorie bekannt gegeben. Die insgesamt zwanzig Finalisten werden Anfang nächsten Jahres von einer Experten-Delegation besucht. Anschließend bestimmt eine unabhängige Fachjury, wer mit dem Deutschen Kita-Preis ausgezeichnet wird.

Mit der "Bildungs- und Präventionskette Erlangen" gibt es in der Region noch eine Kandidatin für den Kita-Preis. Sie tritt in der Kategorie "Lokales Bündnis für frühe Bildung des Jahres" an.

Kita Weisendorf

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