15.09.2020
Verständigung zwischen Muslimen und Christen

Über christliche Feste in Kitas informieren: Interreligiöser Gesprächskreis Weiden gestaltet Flyer in vier Sprachen

Der Interreligiöse Gesprächskreis Weiden hat ein neues Faltblatt vorgestellt: Es richtet sich an muslimische Eltern, deren Kinder in einer christlichen Kita betreut werden. Ein Projekt, das bayernweit Schule machen könnte.
Mitglieder des interreligiösen Gesprächskreises Weiden
Mitglieder des interreligiösen Gesprächskreises Weiden stellen ihr neues Faltblatt zur Verständigung von Muslimen und Christen in Kindertagesstätten vor.

Manchmal sind die Berührungsängste so groß, dass man reagieren muss, sagt der Sprecher des Interreligiösen Gesprächskreises in Weiden, der katholische Pfarrer Alfons Forster: "Wir wollen keine Distanzierung schaffen, sondern Distanz vermeiden."

Flyer über christliche Feste in mehreren Sprachen

Die Gruppe hat einen Flyer für christliche Kindergärten und Kindertagesstätten (Kita) aufgelegt, in der auch muslimische Kinder betreut werden. Die Broschüre, die es neben Deutsch auch in türkischer, russischer, arabischer und kurdischer Sprache gibt, thematisiert christliche Feste in Kitas.

Dem Gesprächskreis, der nach den Terroranschlägen vom 11. September im Jahr 2001 ins Leben gerufen wurde, gehören Vertreter der evangelischen und katholischen Kirche, der jüdischen Gemeinde und des deutschsprachigen Muslimenkreises an.

Bis zu seiner Versetzung nach Würzburg leitete ihn Dekan Wenrich Slenczka vom evangelischen Dekanatsbezirk Weiden. Er hatte das Projekt federführend entwick,elt. Für ihn rückte Religionspädagogin Susanne Götte nach.

"Wir haben hier oft das Problem, dass muslimische Kinder bei den Vorbereitungen christlicher Feste zwar dabei sind, aber bei der Durchführung nicht dabei sein dürfen", sagt Forster.

Es war die Kindergartenleiterin von Herz Jesu, Tanja Zwack, die den Ball vor 15 Monaten ins Rollen brachte. "In unserer Kindertagesstätte haben sich die Berührungsängste immer stärker herauskristallisiert", beschreibt sie ihre Beweggründe. "Das ging soweit, dass muslimische Familien Angst davor hatten, wir würden ihre Kinder heimlich taufen lassen. Diese Familien waren auch überzeugt davon, dass das Singen christlicher Lieder oder ein Kreuzzeichen zu machen ihrem Glauben widerspreche und etwas Schlechtes sei."

Wobei es für sie immer in Ordnung sei, wenn muslimische Kinder keine christliche Gebetshaltung annehmen. "Andererseits wünschen wir uns aber dann schon auch, dass diese Kinder an unseren christlichen Gepflogenheiten teilnehmen dürfen." Oft genug verlangten muslimische Eltern von den Erzieherinnen, dass die ihre Kinder aus dem Raum schicken sollten, sobald auf christliche Weise gebetet wurde.

"Das ist allein schon von der Personalausstattung her schwierig. Wir haben doch auch nichts dagegen, wenn muslimische Kinder ihre Gebetshaltung einnehmen. Wir singen hier türkische Lieder, sprechen über muslimische Feste und besuchen sogar eine Moschee."

Ihrer Kita liege daran, dass der christliche Glaube von muslimischen Eltern akzeptiert, respektiert und ein Stück weit auch mitgetragen werde.

Der Weidener Imam Maher Khedr stellt sich mit aller Deutlichkeit hinter die Kita-Leiterin: "Der Koran verlangt von uns sogar, dass wir uns nicht ausschließen dürfen. Es steht ganz klar im Text, dass es uns nicht verboten ist, zum Beispiel bei einem Martinszug oder beim evangelischen Buß- und Bettag mitzumachen. Im Gegenteil. Der Koran fordert uns auf, dass wir uns an den Bräuchen des Landes beteiligen, in dem wir leben." Religion und Hautfarbe sollten hierbei keine Rolle spielen. "Wir sind alles Menschen. Und wir sagen: Muslimische Kinder dürfen bei christlichen Festen mitmachen."

Die Erzieherinnen seien geschult, "die wissen genau, was sie tun müssen bei Ramadan, Opfer- oder Zuckerfest".

Geschult auch darin, was muslimische Kinder essen dürfen, Schweinefleisch sei natürlich tabu. "Wir wollen dazu beitragen, dass das Miteinander der Religionen gut gelingt", sagte Pfarrer Gerhard Pausch.

"Ich finde, es ist wichtig, dass mein Kind dieses multikulturelle Zusammenleben, diese Integration sieht und fühlt", betonte Mustafa Yildirim, der eine kleine Tochter im Kindergarten hat. Was er sich für sein Kind wünsche, sei eine friedliche Zukunft. Yildirim stammt aus der Türkei und lebt seit 25 Jahren in Deutschland.

Der Flyer wird ab Herbst in den Kitas des gesamten evangelischen Dekanatsbezirks Weiden eingesetzt. Das Faltblatt wurde über die "Familienakademie" (FAMAK) finanziert, die vom Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) gefördert wird. Projektleiter der Familienakademie ist Paul Zitzmann: "Unser Ziel ist, die Integration in Weiden zu verbessern."

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