1. Mai 2021
BLM-Präsident Siegfried Schneider

Geschäfte mit Gewissen - Ein neuer "Ethik-Kompass" will bayerische Start-ups auf den richtigen Weg führen

Nachhaltigkeit, Jugendschutz, Datensicherheit: Schon bei der Gründung eines Unternehmens sollten sich Start-ups nach Ansicht der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM) gut überlegen, für welche Werte sie stehen wollen. BLM-Präsident Siegfried Schneider im Interview.
Siegfried Schneider
Siegfried Schneider, Präsident der Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM).

Von der Hochschule der Medien Stuttgart hat die Bayerischen Landeszentrale für neue Medien (BLM) einen "Ethik-Kompass" für Start-ups entwickeln lassen, den sie in München präsentiert. BLM-Präsident Siegfried Schneider sprach im Vorfeld mit dem Sonntagsblatt über das Projekt.

Er ist sicher: Nur wer auch auf ethische Standards setzt, wird langfristig Erfolg haben.

Herr Schneider, welchen Weg zeigt ihr Ethik-Kompass Unternehmensgründern auf?

Schneider: Ethik ist nicht nur für nachhaltige Unternehmen, sondern auch für Start-ups von Beginn an wichtig. Bei jeder guten Geschäftsidee sollte es nicht allein um Technik und Organisation gehen. Im Sinne von uns allen müssen auch Werte eine Rolle spielen. Der "Start-up with Ethics-Compass" hilft, sich durch ethische Fragestellungen zu navigieren und so den richtigen Kurs für ihre Geschäftsidee zu finden. Das Ziel gibt er dabei nicht vor - das müssen die Gründerinnen und Gründer selbst bestimmen.

Was sind typische ethische Herausforderungen bei der Unternehmensgründung?

Schneider: Ethische Fragen können sich beispielsweise mit Nachhaltigkeit, Umweltschutz, Recycling, Entsorgung, Umgang mit Ressourcen, Kinder- und Jugendschutz, Datensparsamkeit oder Herstellungs- und Handelsbedingungen befassen. Jedes Start-up sollte sich schon bei der Gründung fragen: Für welche Werte stehe ich? Denn ethisches Bewusstsein wird in Zukunft den Unterschied machen.

In Zeiten von Digitalisierung und Globalisierung werden Vertrauen und Werteorientierung immer wichtiger - auf Seite der Nutzerinnen und Nutzer, der Unternehmen und häufig auch der Investorinnen und Investoren. Ethische Überlegungen helfen, das Geschäftsmodell eines Unternehmens zu schärfen und Netzwerke auszubauen. Sie eröffnen Handlungsoptionen und tragen zur Marktfähigkeit eines Start-ups bei. Ich bin sicher: Nur wer auch auf ethische Standards setzt, wird auf dem Markt langfristig Erfolg haben.

Wie ist es aktuell um die Werteorientierung von Start-ups in Bayern bestellt?

Schneider: Gründerinnen und Gründer in Bayern beschäftigen sich bereits mit ethischen Fragestellungen. Vor allem Nachhaltigkeit, Umweltschutz und Datensparsamkeit, Jugend- und Nutzerschutz, aber auch die Frage nach den "richtigen" Investorinnen und Investoren sind Themen bei der Gründung eines modernen Unternehmens. Doch eine praxistaugliche Schritt-für-Schritt-Anleitung gab es bisher auf dem deutschen Markt noch nicht. Unser Ethik-Kompass füllt diese Lücke.

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