Der Text entstand im Rahmen des 205. Jugendpressekongresses in Berlin zum Thema "Nachhaltigkeit und Mobilität", unterstützt vom Bundesministerium für Verkehr.

An einer Mitfahrbank in Gnodstadt wartete jemand 45 Minuten auf eine Mitfahrgelegenheit. Rund 35 Autos fuhren vorbei. Angehalten hat niemand.

Die Idee hinter den Bänken, die vor rund sechs Jahren im Raum Marktbreit eingerichtet wurden, ist einfach: Wer mitgenommen werden möchte, setzt sich auf die Bank und signalisiert vorbeifahrenden Autofahrern, dass er eine Mitfahrgelegenheit sucht.

Nach Angaben von Jana Bernard, stellvertretende Hauptamtsleiterin der Verwaltungsgemeinschaft Marktbreit, gibt es mehrere Gründe dafür, dass die Bänke bislang nur wenig genutzt werden. Zum einen seien vielen Menschen die Mitfahrbänke und ihre Funktionsweise gar nicht bekannt. Zum anderen spiele möglicherweise eine Hemmschwelle eine Rolle.

Die meisten Menschen haben eigenes Auto

Viele Menschen lernen schon früh, nicht zu Fremden ins Auto zu steigen und umgekehrt keine unbekannten Personen mitzunehmen. Genau darauf ist das Konzept der Mitfahrbank jedoch angewiesen. Eine ältere Anwohnerin aus Gnodstadt erzählte außerdem, dass sie in den rund sechs Jahren seit der Einrichtung der Mitfahrbank noch nie jemanden dort habe warten sehen. Ihrer Einschätzung nach besitzen die meisten Menschen vor Ort ohnehin ein eigenes Auto.

Doch wie sieht Mobilität auf dem Land sonst aus? Im Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim fährt in viele Dörfer kein Linienbus mehr.

"Manchmal fahre ich in Dörfer mit vier oder fünf Häusern. Orte, die fast von Gott verlassen sind." Wenn der 70-jährige Enzo Mingolla von seiner Arbeit erzählt, zeigt sich schnell, dass er den Landkreis Neustadt an der Aisch-Bad Windsheim bestens kennt. Seit vier Jahren fährt er für das NEA Mobil Menschen von Ort zu Ort.

Das NEA Mobil ist ein Rufbus-System. Fahrten können telefonisch oder per App gebucht werden. Anders als ein normaler Bus fährt das NEA Mobil nur dann, wenn es tatsächlich gebraucht wird. Mittlerweile ist das Angebot im gesamten Landkreis nutzbar.

Rufbus ist Teil des Alltags

Wer das Angebot nutzt? "Eigentlich jeder", sagt Mingolla. Senioren gehören ebenso dazu wie Familien, Jugendliche oder Menschen mit Behinderung. Auch Rollstuhlfahrer können befördert werden. Die Fahrzeuge sind entsprechend ausgestattet. Außerdem stehen Kindersitze und Babyschalen zur Verfügung.

Viele Fahrgäste sieht Mingolla regelmäßig. "Mittlerweile kenne ich die Stammkundschaft", erzählt er. Manche Menschen nutzen das Angebot mehrmals pro Woche. Gerade in kleineren Orten ist das NEA Mobil für viele längst Teil des Alltags geworden.

Er fährt nicht nur für das NEA Mobil, sondern nutzt es auch privat. Wenn sein eigenes Auto in die Werkstatt muss oder er selbst eine Fahrt benötigt, steigt er als Fahrgast ein. Nach eigener Aussage hat er das Angebot in den vergangenen Jahren bereits mehr als 20 Mal genutzt. Was ihm an seiner Arbeit am besten gefällt? Die Antwort kommt ohne langes Überlegen: "Der Umgang mit den Leuten."

Vor allem den Preis lobt Mingolla immer wieder. Wie groß der Unterschied sein kann, zeigt ein Beispiel: Für eine knapp 40 Kilometer lange Fahrt kostet das NEA Mobil 22,60 Euro. Für dieselbe Strecke würden bei einem Taxi nach einer Online-Berechnung etwa 97,20 Euro anfallen. Gerade für Menschen, die regelmäßig auf Fahrten angewiesen sind, kann das einen erheblichen Unterschied machen.

Auch das Angebot selbst hat sich weiterentwickelt. Heute können Fahrgäste Ziele im gesamten Landkreis erreichen. Für viele Menschen bedeutet das deutlich mehr Flexibilität im Alltag.

Generationenbus ist ehrenamtlich

Ein anderer Ansatz wird im Raum Seinsheim und Gnötzheim verfolgt. Dort sorgt der Generationenbus dafür, dass Menschen auch ohne eigenes Auto mobil bleiben. Das Angebot wird ehrenamtlich organisiert und von den Beteiligten gemeinschaftlich getragen. Mitglieder können die Fahrzeuge selbst nutzen. Eine Mitgliedschaft kostet 12 Euro pro Jahr. Hinzu kommen 35 Cent pro gefahrenem Kilometer sowie ein Euro pro Stunde Fahrzeugnutzung, maximal jedoch 16 Euro pro Tag. Zusätzlich gibt es montags, mittwochs und freitags feste Fahrten durch die Ortschaften rund um Marktbreit und Ochsenfurt. Für diese Fahrten fällt nur ein Euro pro Fahrt an. Die Fahrer übernehmen ihre Fahrten ehrenamtlich. Ob das Angebot auch in Zukunft Bestand haben wird? "Ja, ich bin überzeugt davon", sagt die zweite Vorsitzende des Generationenbusvereins. Allein letzte Woche seien drei neue Mitglieder hinzugekommen.

Rufbus, Mitfahrbank, Generationenbus: Drei Modelle mit denselben Problemen. Welches davon trägt, entscheiden am Ende nicht Konzepte, sondern Menschen, die einsteigen – oder eben nicht.

Nachwuchsjournalist aus Uffenheim

Lorenz Schmidt (17) besucht das Christian-von-Bomhard-Gymnasium in Uffenheim. Im Rahmen eines journalistischen Nachwuchswettbewerbs der young leaders GmbH verfasste er eine Reportage über Mobilität im ländlichen Raum. Der Beitrag entstand beim 205. Jugendpressekongress in Berlin zum Thema "Nachhaltigkeit und Mobilität", der vom Bundesministerium für Verkehr unterstützt wurde. Dort tauschten sich Nachwuchsjournalistinnen und -journalisten mit Fachleuten aus Wissenschaft, Wirtschaft, Politik und Gesellschaft aus und entwickelten eigene journalistische Projekte.