Werner Tiki Küstenmacher hat mit "Tiki" einen ungewöhnlichen Namen. Er erhielt ihn wegen der "dunklen Dinge", die sich in seiner Familie ereignet hatten, erzählt Küstenmacher im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). "Nach den finsteren Kriegsjahren wollte meine Mutter einen Sonnenschein", sagt Küstenmacher. Der Name "Tiki" erschien ihr ideal. Der Sage nach segelte Kon-Tiki, der Sonnengott der Inka, einst westwärts übers Meer nach Polynesien.
Inzwischen ist Küstenmacher 73 Jahre alt. Er veröffentlichte am 16. März seine Lebenserinnerungen. Das Buch trägt den Titel "Einfach Tiki: Mein Leben in Worten und Strichen" und erschien beim Herder Verlag (Freiburg).
Vom Bestseller "Simplify your life" zur persönlichen Lebensbilanz
Berühmt wurde Küstenmacher 2001 mit dem Ratgeber-Buch "Simplify your life", das er mit Lothar Seiwert veröffentlichte. Weltweit kauften es mehr als vier Millionen Menschen. Insgesamt veröffentlichte Küstenmacher, der auch als evangelischer Theologe, Karikaturist und Redner arbeitete, über hundert Bücher. In seinem neuesten Werk widmet sich der dreifache Vater seinem Leben. Er erzählt von seiner Begeisterung für Medien - Radio, Bücher, Zeichnungen, Computer oder das Fernsehen. Er schreibt aber auch über die Geschichte seiner Familie und seine Rolle darin.
So berichtet er zunächst von den Jahren vor seiner Geburt: Anfang 1945 starb seine Schwester Ilse als Säugling. Nach dem Krieg vergewaltigte ein Russe seine Mutter. Sie wurde schwanger und ging zu einer Engelmacherin. Danach brachte sie in einem Straßengraben ein totes Kind auf die Welt.
"Wie unendlich einsam muss meine Mutter da gewesen sein", fragt sich Küstenmacher im Buch.
Sein Vater kam schwer krank aus der Kriegsgefangenschaft zurück. Für ihn sei das "Russenkind" eine katastrophale Kränkung gewesen.
Der Name "Tiki": Auftrag, Last und innerer Antrieb
Für die Familie stand fest: Das nächste Kind musste ein "Sonnenbringer" werden. Küstenmacher schreibt, dass der Standesbeamte es zwar ablehnte, den Namen "Tiki" als Vornamen einzutragen.
"Aber in meiner Familie hieß ich immer 'Tiki'", so Küstenmacher. Der Name sei zugleich Last und Inspiration.
Denn er brachte eine "unvorstellbare Aufgabe" mit sich: "Selbst zu strahlen und andere zum Strahlen zu bringen", erklärt Küstenmacher. Ohne dass es ihm jemand sagen musste, habe er die mit dem Namen verbundene Aufgabe übernommen. Als Kind habe er Albträume gehabt, in denen er riesige Aufgaben abarbeiten musste.
Aber der Name "Tiki" verkörpert auch für ihn die Sonne: "Irgendwo tief in mir verband mich mein Name mit einem anderen Wort, das nach Wärme, Wasser und Freiheit klang: Südsee", schreibt Küstenmacher, der in Gröbenzell bei München lebt. Uns so trage der Name "Tiki" ihn auch, erklärt er. Seine Grundenergie "das Leben leichter zu machen" habe ihn zu den vielfältigen Tätigkeiten in seinem Leben gebracht, schreibt Küstenmacher.
Lebensfreude vermitteln: Glaube, Kreativität und der Drang zur Leichtigkeit
Wenn er zurückschaue, sei der Drang zu Freude und Optimismus stets groß gewesen: So zeichnete er als Karikaturist Cartoons. Als Pfarrer verbreitete er eine frohe Botschaft. Und als Schriftsteller war sein größter Erfolg ein Ratgeber, wie das Leben einfacher wird. Küstenmacher resümiert in seinem Buch, dass es ein gutes Lebensziel sei, ein guter Vorfahre zu sein. "Meine Mutter etwa war eine wunderbare Vorfahrin", erklärt er im Gespräch. "Sie hat mir vermittelt, dass schwere Dinge passieren." Aber man müsse nicht daran zerbrechen. "Es gibt Möglichkeiten, damit umzugehen", betont Küstenmacher.