5.09.2018
"Keiner glaubt mehr an Jungfrauengeburt und Sühnetod"

Ausstellung zeigt moderne Glaubensbekenntnisse

Statt in die Kirche gehen die Leute ins Yoga-Studio oder zum Zen-Meister, hat Pfarrer Andreas Ebert festgestellt. Wie Kirche anders über Gott reden kann, zeigt das Projekt Credo.
Pfarrer Andreas Ebert, scheidender Leiter des Spirituellen Zentrums St. Martin

Zwei Jahre lang hat das Spirituelle Zentrum St. Martin mit dem Projekt "Credo! Worauf ich stehe" Hunderte persönliche Glaubensbekenntnisse gesammelt. Eine Auswahl der poetischen Texte ist ab 25. April im Evangelischen Bildungswerk zu sehen.

Ausgangspunkt des Projekts sei die Beobachtung gewesen, dass das in Kirchen gebräuchliche "apostolische Glaubensbekenntnis" für Kirchenferne, aber auch für viele Kirchgänger nicht mehr zugänglich sei. "Mit Jungfrauengeburt und Sühnetod können die meisten Menschen heute nichts mehr anfangen", sagte Pfarrer Andreas Ebert. Gleichzeitig werde Kirche nicht als "spiritueller Player" wahrgenommen:

"Die Leute gehen mit ihren spirituellen Bedürfnissen eher ins Yoga-Studio oder zum Zen-Meister", so Ebert. Sie trauten der Institution Kirche nicht zu, ihnen auf dieser Ebene etwas bieten zu können. Deshalb müsse Kirche anfangen, in einer neuen, poetischeren Art von Gott zu reden. Theologen müssten zugleich "Mystagogen" sein, die den Menschen Wege zu ihrem persönlichen Glauben aufzeigen könnten.

Ebert verweist darauf, dass es schon immer alternative Glaubensbekenntnisse gegeben habe. Das älteste sei das "Wessobrunner Gebet", das um 800 n. Chr. verfasst wurde und den Schöpfer ins Zentrum rückt. Beim apostolischen Glaubensbekenntnis finde sich eine starke Betonung von Jesus – allerdings nur bezogen auf die Eckdaten seines Lebens. "Sein ganzes Leben und Wirken steckt in einem Komma: geboren von der Jungfrau Maria, Komma, gelitten unter Pontius Pilatus", erklärt der Leiter des Spirituellen Zentrums, der Ende September in den Ruhestand geht. Der Text spiegele den Geist seiner Entstehungszeit, in der es den Kirchenvätern vor allem darum gegangen war, "Pflöcke einzuschlagen gegen Häresie und andere Deutungen".

"Es gibt ein religiöses Grundgefühl aller Menschen"

Bilder und Konzepte von Gott sind für Ebert aber immer vorläufig und zeitbedingt. "Die Themen und Gottesbilder ändern sich, genauso wie das, was Menschen bewegt." Ziel des Credo-Projekts sei es deshalb gewesen, Menschen in ihrer spirituellen Kompetenz ernst zu nehmen. Herausgekommen sind dabei Texte, die zwischen Poesie, Mystik und manchmal auch Kitsch schwanken. Manche sind auch ein Bekenntnis des Unglaubens. "Eine einheitliche Linie gibt es nicht", sagt Ebert. Erkennbar sei aber die Suchbewegung vieler Menschen, in einer neuen Art von Gott zu reden. Religion sei nach dem Verständnis des Philosophen Friedrich Schleiermacher "eine eigene Provinz im Gemüte".

Andreas Ebert hat das beim Credo-Projekt so wahrgenommen: "Es gibt ein religiöses Grundgefühl aller Menschen: Sie suchen danach, was ewig ist, was die Welt zusammenhält." Bei reiner Innerlichkeit stehen zu bleiben sei aber falsch. "Zum Rhythmus des Glaubens gehört Innen und Außen", sagt Ebert. Deshalb habe das Spirituelle Zentrum St. Martin als Leitspruch auch: schweigen – reden – handeln.

Infos zum "Credo-Projekt"

Die Ausstellung "Credo! Worauf ich stehe" ist vom 26. April bis 22. Juni im Evangelischen Bildungswerk München (Herzog-Wilhelm-Straße 22) zu sehen. Öffnungszeiten: Mo-Mi + Fr: 9-14 Uhr, Do 12-16 Uhr oder nach Vereinbarung. Mehr Infos unter: www.credo-projekt.de .

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