5.05.2019
Biker & Spiritualität

Motorrad-Pfarrer auf Tour von Flensburg an die Alpen

Zum vereinbarten Treffen kommen Frank Witzel und Frank Möwes standesgemäß mit dem Motorrad - Biker-Kluft inklusive. Wer sie so mit Lederjacke, Helm und Motorradstiefeln sieht, sollte nicht meinen, dass sie beide evangelische Pfarrer sind. Wobei das für sie keineswegs ein Widerspruch ist: Biker und Pfarrer zugleich sein.
Biker Motorrad Pfarrer

Witzel und Möwes sind Sprecher der Arbeitsgemeinschaft "Motorrad-Evangelisch" in der bayerischen evangelischen Landeskirche. In ihren Regionen - dem Kleinwalsertal in den Allgäuer Alpen und dem niederbayerischen Mainburg - organisieren sie regelmäßig Motorrad-Gottesdienste und Ausfahrten für Biker, sogenannte "Spirit-Touren". Ab dem 18. Mai gehen sie auf eine besondere Tour: die "Spirit-Tour-XXL". Zwei Wochen lang fahren sie zusammen mit zehn anderen Bikern von Flensburg aus insgesamt rund 2.500 Kilometer quer durch Deutschland bis nach Mainburg und ins Kleinwalsertal. Die Tour führt sie dabei unter anderem über Hamburg, Hannover, Frankfurt, Coburg, Stuttgart, Augsburg, München und Kempten.

Zwölf Apostel seien da "unterwegs im Namen des Herrn", meint Frank Witzel, der die Idee zu der Tour zusammen mit dem Hamburger Pastor Holger Janke entwickelt hat. Auch der ist mit dabei. Zwischen der Nordsee und den Alpen wolle man "Biker und Interessierte" treffen, "um mit ihnen die Freude am Motorradfahren und die Impulse des Glaubens zu teilen", meint Witzel. Zu Motorrad-Gottesdiensten und gemeinsamen Ausfahrten kämen in der Regel Menschen, die man sonst nicht in der Kirche treffe: "Da kommen ganz unterschiedliche Milieus zusammen", sagt der Pfarrer. Das wolle man ins Bewusstsein der Öffentlichkeit rücken. Und Frank Möwes ergänzt:

"Wir wollen deutlich machen, dass auch das eine Form von Kirche ist: eine Gemeinschaft auf Zeit."

Unterwegs wollen die elf Motorrad-Apostel und eine Apostelin auf jeder Etappe andere Biker treffen, um mit ihnen gemeinsam Touren zu machen, Gottesdienste oder Andachten zu feiern. In den verschiedenen Regionen würden jeweils Veranstaltungen für Motorradfreunde organisiert, berichtet Frank Witzel. Jeder der möchte, könne dazu kommen und sich anschließen. "Motorradfahrer lieben ihre Freiheit und Individualität", erläutert der Pfarrer: "Sie legen aber auch viel Wert auf Gemeinschaft." Diese "versöhnte Verschiedenheit" sei eine wichtige Botschaft der Biker-Apostel, erklärt Witzel: "Die Tour soll ein Zeichen setzen, für Offenheit und Toleranz, für eine Freiheit, die Menschen über soziale, religiöse und nationale Grenzen hinweg verbindet." 

Gleichzeitig wolle man die kirchliche Biker-Szene stärker miteinander vernetzen. Es gebe in vielen Regionen Deutschlands kirchliche Mitarbeiter, die Motorrad-Veranstaltungen organisierten. "Vielfach wissen diese aber nichts voneinander", sagt Frank Möwes. Hilfreich bei der Vernetzung könnte sein, dass einer der Schirmherren der Biker-Tour Heinrich Bedford-Strohm ist, der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland. Der sei in jungen Jahren selbst ein bekennender Biker gewesen, berichten die beiden Pfarrer. Bei einer Ausfahrt am 1. Juni von München aus werde Bedford-Strohm daher auch selbst aufs Motorrad steigen und mitfahren - genauso wie Bayerns Innenminister Joachim Herrmann.

An diesem ersten Juni-Wochenende endet dann auch die Tour der zwölf Motorrad-Apostel. Zusammen mit anderen Bikern fährt ein Teil von ihnen von München nach Mainburg. Der Rest knattert nach Hirschegg im Kleinwalsertal. Dort gibt es zum Abschluss ein Rockkonzert. Programmatischer Titel:

"With a little help from my friends."

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