28.11.2019
Personen der Bibel

Rebekka aus der Bibel nahm ihr Schicksal in die Hand

Die Bibel erzählt nur bruchstückhaft über Rebekkas Leben. Doch was von ihr überliefert ist, zeigt eine selbstbewusste Frau, die ihre Ziele kennt und nicht davor zurückschreckt, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen.
Tora Altes Testament Hebräisch

Wie findet man den richtigen Partner fürs Leben? Mit Romantik und Liebe auf den ersten Blick hatte die Entscheidung zu biblischer Zeit nur selten zu tun - auch für Rebekka nicht. Denn als über ihre Hochzeit mit Isaak verhandelt wurde, kannte sie ihren künftigen Ehemann noch nicht einmal.

Rebekka war die Tochter des vermögenden Hirten Betuel, eines Neffen Abrahams. Sie wohnte in Abrahams alter Heimat Haran. Es heißt, sie sei "sehr schön" (1. Mose 24, 16) gewesen. Eines Tages machte sie sich auf, um Wasser zu holen. Plötzlich stand ein Fremder vor ihr und bat um einen Schluck. Bereitwillig ließ sie ihn trinken und schöpfte auch Wasser für seine Kamele. Da reichte ihr der Mann wertvolle Schmuckstücke und bat darum, im Haus ihrer Familie übernachten zu dürfen.

Ob Rebekka schon ahnte, dass sich ihr Leben nun ändern sollte? Schnell lief sie zu ihrer Mutter und erzählte ihr, was geschehen war. Der Mann stellte sich Betuel und Rebekkas Bruder Laben als Knecht Abrahams vor und erzählte, er habe den Auftrag, für Abrahams Sohn Isaak eine Frau zu finden. Gott habe ihm ein Zeichen gegeben, dass Rebekka die Richtige sein könnte.

Umzug nach Kanaan       

Schnell wurden die Männer sich einig - schließlich zahlte Abrahams Knecht auch einen ordentlichen Brautpreis. Rebekkas Familie wollte den Abschied gerne einige Tage hinauszögern, doch der Knecht drängte zum Aufbruch. Ganz gegen die Sitten wurde nun auch Rebekka gefragt, ob sie gleich mit dem Fremden losziehen wolle.

Die Aussicht, von nun an mit einem fremden Mann weit entfernt der Heimat leben zu müssen, scheint sie nicht geängstigt zu haben. Ohne zu zögern willigte sie ein und zog mit Abrahams Knecht nach Kanaan. Dort erst lernte sie Isaak kennen, dem sie offensichtlich gleich gefiel. Denn "er gewann sie lieb" (1. Mose 24, 67), und sie konnte ihn über den Tod seiner Mutter Sara hinwegtrösten.

Dennoch dauerte es noch 20 Jahre, bis Rebekka schwanger wurde. Wie so viele bedeutende Frauen Israels war auch sie zunächst unfruchtbar. Erst nachdem Isaak Gott um Nachwuchs gebeten hatte, wurde ihr Wunsch erfüllt. Sie sollte Zwillinge bekommen. Doch auch während der Schwangerschaft hatte sie es nicht leicht: Die ungleichen Brüden "stießen sich" schon im Mutterleib "miteinander". "Wenn mir's so gehen soll, warum bin ich schwanger geworden?" (1. Mose 25, 22), klagte Rebekka und bat Gott um eine Erklärung. "Zwei Völker sind in deinem Leib", verkündete der ihr, "und ein Volk wird dem anderen überlegen sein, und der Ältere wird dem Jüngeren dienen." (1. Mose 25, 23)

Esau und Jakob

Endlich war es so weit. Zuerst wurde Esau geboren. "Rötlich" soll er gewesen sein und "ganz rau wie ein Fell." (1. Mose 25, 25) Sein Bruder Jakob folgte. Fest hielt er die Ferse seines Bruders umklammert.

Die Kinder wuchsen heran und entwickelten bald ganz unterschiedliche Interessen. Esau war strak und behaart, liebte die Jagd und wurde zum Lieblingssohn Isaaks, der das Wildfleisch, das Esau ihm brachte, gerne aß.

Rebekka dagegen mochte den ruhigen Jakob lieber, der sich am liebsten bei ihr im heimischen Zelt aufhielt.

Als Isaak alt und blind geworden war, rief Rebekka Jakob zu sich. "Ich habe deinen Vater mit Esau reden hören: Mach mir ein Essen, dass ich esse und dich segne, ehe ich sterbe" (1. Mose 27, 7), erzählte sie ihm und bat ihn, zwei junge Ziegenböcke aus der Herde zu holen. Ich werde deinem Vater ein gutes Essen zubereiten, erklärte sie und forderte Jakob auf, Esaus Kleidung anzuziehen und sich das Fell der Ziegenböcke um die Hände zu binden. Dann schickte sie Jakob mit dem von ihr gekochten Fleisch zum Vater, damit er statt des Älteren den Erstgeburtssegen erhielt.

Erstgeburtssegen

Der Plan ging auf. Zwar zweifelte Isaak zunächst, doch als er das Ziegenfell an Jakobs Händen spürte, spendete Isaak ihm den Segen. Der Ältere wird dem Jüngeren unterlegen sein, hatte Gott Rebekka vorausgesagt. Nun hatte sie dafür gesorgt, dass diese Verheißung in Erfüllung ging. Als Esau erfuhr, was geschehen war, geriet er in Wut und plante, seinen Bruder umzubringen, sobald der Vater gestorben wäre.

Wieder griff Rebekka ein, um Jakob zu schützen. Sie riet ihrem Lieblingssohn, zu ihrem Bruder Laben nach Haran zu ziehen und sich dort vor Esau zu verstecken, bis sich dessen Zorn eines Tages legte.

Ob Rebekka die Versöhnung der Brüder viele Jahre später noch miterlebte, verrät die Bibel nicht. Später erfährt der Leser, dass Rebekka zusammen mit Isaak in der einst von Abraham gekauften Höhle Machpela begraben wurde.

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