14.11.2019
Personen in der Bibel

Ungleiche Schwestern: Maria und Marta in der Bibel

Was häufig vergessen wird: Auch Frauen gehörten zum engsten Kreis um Jesus. Bei den Schwestern Maria und Marta war er offensichtlich häufiger zu Besuch. Die beiden gingen allerdings ganz unterschiedlich auf ihn zu.
Bibel Brille

Laut Johannesevangelium waren Maria und Marta Schwestern des Lazarus aus Betanien, einem Dorf in der Nähe Jerusalems. Die drei waren eng mit Jesus und den anderen Jüngern befreundet, zogen allerdings nicht mit ihnen umher, sondern unterstützten sie durch ihre Gastfreundschaft.

Besonders Marta scheint sich sehr bemüht zu haben, Jesus angemessen zu bewirten. Der Evangelist Lukas jedenfalls berichtet: "Marta machte sich viel zu schaffen, ihm zu dienen" ( Lukas 10, 40), als Jesus mal wieder in ihrem Haus zu Gast war. Maria dagegen "setzte sich dem Herrn zu Füßen und hörte seiner Rede zu" ( Lukas 10, 39).

Marta konnte das scheinbar gar nicht nachvollziehen. "Herr, fragst du nicht danach, dass mich meine Schwester lässt allein dienen?", beklagte sie sich bei Jesus und forderte: "Sag ihr doch, dass sie mir helfen soll!" ( Lukas 10, 40)     

Jesus allerdings nahm Maria in Schutz und antwortete Marta mit liebevollem Tadel: "Marta, Marta, du hast viel Sorge und Mühe. Eins aber ist Not. Maria hat das gute Teil erwählt; das soll nicht von ihr genommen werden." ( Lukas 10, 41 f.)

Bibelforscher vermuten, dass die Charaktere der beiden Schwestern auch beispielhaft für unterschiedliche Arten stehen, sich Jesus und seinen Lehren zuzuwenden.

Da gibt es auch heute noch diejenigen, die in der Gemeinde alle möglichen Aufgaben übernehmen und wie Marta quasi dienend tätig sind; andere wiederum beschäftigen sich lieber still und nachdenklich mit der Frage, was Christsein bedeuten könnte und wie die alten Überlieferungen zu verstehen sind. Wie Paulus schon feststellte ( Römer 12, 4 ff.), sind es gerade solch unterschiedliche Charaktere, die das gemeinsame Glaubensleben bereichern.

Als Jesus und die Jünger in Betanien eintrafen, war Lazarus schon vier Tage lang tot und bereits begraben worden. Maria und Marta trauerten mit vielen Verwandten und Bekannten um den Verstorbenen.

Und so tadelt Jesus auch weniger Martas Verhalten. Er weist sie vielmehr darauf hin, dass Marias passives Zuhören ebenfalls wichtig und zu respektieren ist. Und er gibt Marta zu bedenken, dass auch sie sich nicht sorgen und dadurch vom Wesentlichen ablenken lassen solle.

Lazarus im Johannes Evangelium

Von einer recht seltsamen Begebenheit berichtet der Evangelist Johannes. Eines Tages sei Lazarus schwer krank geworden, erzählt er. Voller Sorge schickten Maria und Marta Boten zu Jesus, die ihn um Hilfe bitten sollten. Seltsamerweise hatte es Jesus aber gar nicht eilig, seinem Freund beizustehen. "Diese Krankheit ist nicht zum Tode, sondern zur Verherrlichung Gottes, damit der Sohn Gottes dadurch verherrlicht werde" ( Johannes 11, 4) antwortete er vielmehr und machte sich erst zwei Tage später auf den Weg nach Betanien.

Jesus wusste, dass Lazarus inzwischen gestorben war, und erzählte seinen Jüngern, der Freund sei bereits eingeschlafen. Die verstanden zunächst nicht, was Jesus meinte. Da wurde er deutlicher: "Lazarus ist gestorben", stellte er fest und fügte sogar noch hinzu: "Ich bin froh um euretwillen, dass ich nicht da gewesen bin, damit ihr glaubt." ( Johannes 11, 15)

Wieder war es Marta, die zuerst die Initiative ergriff und Jesus entgegeneilte, als sie erfuhr dass er endlich eingetroffen war. "Herr, wärst du hier gewesen, mein Bruder wäre nicht gestorben"( Johannes 11, 21), klagt sie. Doch als Jesus ihr verspricht, dass Lazarus auferstehen werde, und sie fragt, ob sie das glaube, antwortet sie mit einem der eindringlichsten Glaubensbekenntnisse des Neuen Testaments: "Ja, Herr, ich glaube, dass du der Christus bist, der Sohn Gottes, der in die Welt gekommen ist." ( Johannes 11, 27). Inzwischen waren auch Maria und die restlichen Trauergäste Jesus entgegengeeilt.

Als Jesus die große Trauer der Menschen sah, "ergrimmte er im Geist und wurde sehr betrübt" (Johannes 11, 33), musste aber auch selbst mit den Tränen kämpfen. Gemeinsam machten sie sich auf zum Grab.

Dort forderte Jesus die Umstehenden auf, das Grab zu öffnen. Nun kamen Marta doch leichte Zweifel: "Herr, er stinkt schon; denn er liegt seit vier Tagen" ( Johannes 11, 39), warf sie ein. Schließlich öffnete man das Grab, und Jesus rief: "Lazarus, komm heraus!" ( Johannes 11, 43)

Dann folgt eine Szene wie aus einem schlechten Gruselfilm: "Der Verstorbene kam heraus, gebunden mit Grabtüchern an Füßen und Händen, und sein Gesicht war verhüllt mit einem Schweißtuch." ( Johannes 11, 44) Man befreite Lazarus von diesen Tüchern, und Maria und Marta hatten ihren Bruder lebendig wieder zurück.

Weitere Begegnungen zwischen Jesus und den Schwestern Marta und Maria

Dieses Wunder habe den Glauben der Anwesenden bestärkt, fügt der Evangelist Johannes noch hinzu. Das Johannesevangelium erzählt von noch einer weiteren Begegnung Jesu mit den beiden Schwestern. Wieder waren er und seine Jünger bei Maria und Marta zu Gast und wurden dort wie immer von Marta fürsorglich bewirtet. Diesmal allerdings hörte Maria Jesus nicht nur zu, sondern griff plötzlich zu einem kostbaren Duftöl, goss es über Jesu Füße und trocknete sie mit ihrem Haar. Das "ganze Haus wurde erfüllt vom Duft des Öls" ( Johannes 12, 3).

Das konnte Judas überhaupt nicht verstehen. Was für eine Verschwendung! Man hätte das Öl doch besser verkaufen und die Einnahmen daraus den Armen geben können, beklagte er sich. Doch auch diesmal nahm Jesus Maria in Schutz, erklärte, er verstehe die Salbung als einen Akt der Liebe angesichts seines bevorstehenden Todes, und erwiderte: "Lass sie in Frieden! Arme habt ihr allezeit bei euch; mich aber habt ihr nicht allezeit." ( Johannes 11, 7 f.)

Maria und Maria Magdalena

Diese Szene führte später zu einiger Verwirrung über die verschiedenen Marias, von denen das Neue Testament erzählt: Der Evangelist Lukas berichtet, eine namenlose Sünderin habe die Salbung vorgenommen ( Lukas 7, 37-50). Weil Maria Magdalena schon früh zu Unrecht mit dieser Sünderin identifiziert wurde, verwechselte man auch Martas Schwester Maria oft mit Maria Magdalena.

Die Geschichte der zwei ungleichen Schwestern zeigt, wie unterschiedlich man auch in der Nachfolge Jesu sein kann und darf. Auch wenn Marta durch den Tadel Jesu zunächst zurückgesetzt erscheinen mag, erkennt man bei näherem Hinsehen: Jesus erkennt Glauben und Handeln beider Schwestern gleichermaßen als wertvoll an. Wichtig dabei ist zum einen der Glaube, der laut Johannesevangelium selbst halb verweste Tote wieder zum Leben erweckt. Zum anderen aber auch, dass man sich selbst und andere nicht verbiegt, sondern (an)erkennt, was für verschiedene Menschen gerade wesentlich ist. Eine Lektion, die es auch heute noch zu lernen lohnt.

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