Es war eigentlich kein schöner Tag. Es war mein erster Unterrichtsbesuch im Religionsunterricht und im anschließenden Fachgespräch stellte sich heraus, dass es in meinem Unterricht doch noch einige wesentliche Baustellen gab.

Zwischen Selbstzweifel und dem Wunsch, es besser zu machen

Der von der Fachbegleitung nett gemeinte Satz "Ich gebe Ihnen rechtzeitig Bescheid, falls ich eine Gefahr sehe, dass Sie die Lehrprobe nicht bestehen." habe ich in diesem Kontext irgendwie in den falschen Hals bekommen. So war ich nicht nur im Unterrichtsnachgespräch, sondern auch den ganzen Nachmittag und fast den ganzen Abend sehr betroffen.

Zu Hause angekommen, setzte ich mich gleich hin, um das gesamte Feedback in die nächste Unterrichtsstunde, die erst in der folgenden Woche anstand, einzuarbeiten. Das war natürlich kein sehr fröhliches Unterfangen, wenn man vor allem die eigenen Defizite im Blick hat.

So mischten sich verschiedene Gefühle in mir: Traurigkeit, Frustration, Enttäuschung – und wahrscheinlich noch einige mehr.

Ein Anruf, der den Tag in eine neue Richtung lenkt

Während ich also dort saß und nicht sonderlich fröhlich war, kam ein Anruf herein. Am Telefon war die Mesnerin meiner Vikariatsgemeinde. Sie fragte, wo ich denn bliebe, denn es sei doch die Weihnachtsfeier der Hauptamtlichen. Ich hatte meine Teilnahme eigentlich abgesagt, da sich der Berg der Aufgaben für den Religionsunterricht vor mir auftürmte. Die Mesnerin rief im Auftrag meiner Mentorin, der Pfarrerin meiner Vikariatsgemeinde, an.

Ich sagte ihr, dass ich abgesagt hätte und nicht kommen könne, da ich so viel für die Schule tun müsse. Doch dann überzeugten mich beide am Telefon, doch zur Weihnachtsfeier zu kommen. Sie meinten, dass es mir gerade an diesem Tag besonders guttun würde, ein wenig Ablenkung zu bekommen.

Und sie hatten recht. Es war eine sehr schöne Weihnachtsfeier.

Ich habe mich sehr gut unterhalten, sehr gut gegessen und die Feier hat mir einfach gutgetan. Dabei durfte ich wieder einmal spüren, dass ich mein Vikariat genau in der richtigen Gemeinde machen darf – in einer Gemeinde, in der sich so liebe Menschen wie die Mesnerin und meine Mentorin um mich kümmern, gerade an einem Tag, an dem es mir nicht so gut geht.