Tilmann Haberer saß nach einer Krebsdiagnose "dem Tod auf der Schippe". Er wunderte sich, dass er nicht zusammenbrach – und wollte ergründen, was ihm geholfen hatte, zuversichtlich zu bleiben.

Herausgekommen ist dieses Buch, eine ebenso seelsorglich geerdete wie intellektuell anregende Meditation über die Widerstandskraft der menschlichen Seele. "Die Kraft des Trotzdem. Wie man weitermacht, auch wenn’s schwierig wird" trifft einen Nerv der Gegenwart: die Suche nach tragfähiger Hoffnung in einer Zeit, die von Krisen, Verunsicherung und Erschöpfung geprägt ist.

Hoffnung denken – zwischen Frankl, Nawalny und Christus

Haberer schöpft aus eigener Krisenerfahrung, er war aber auch lange Jahre Seelsorger, unter anderem als Ansprechpartner in der ökumenischen Kriseninterventionsstelle "Münchner Insel" im Stachus-Untergeschoss. In dieser doppelten Erfahrung liegt die besondere Glaubwürdigkeit dieses Buchs.

Wie kann man weitermachen, auch wenn viele Gründe dagegensprechen? In dieser Hinsicht steht Tilmann Haberer in einer Linie mit Denkern wie Viktor Frankl, dessen Logotherapie ebenfalls die Sinnsuche unter extremen Bedingungen betont, oder auch mit der moralischen Standhaftigkeit eines Alexei Nawalny, auf den Haberer ausdrücklich Bezug nimmt.

Haberers ganz eigener Ansatz liegt jedoch im Verweis auf den Christus in uns, den "heruntergekommenen Gott", der mitgeht, der in allen Lagen des Lebens begleitet, tröstet, ermutigt und der Urgrund aller Zuversicht ist.

Die Stärken des Buchs liegen in seiner klugen Verbindung unterschiedlicher Perspektiven. Theologische Reflexionen über Hoffnung und Vertrauen stehen gleichberechtigt neben psychologischen Einsichten zu Resilienz und philosophischen Überlegungen zur Lebenskunst. Haberer gelingt dabei eine bemerkenswerte Balance: Er bleibt verständlich, ohne zu vereinfachen, und tiefgründig, ohne schwer zu wirken.

Theologie der Nähe: Gott im Fragmentarischen

Zum erfahrbaren Bild von Christus kommt ein unaufgeregter Gottesbezug. Gott erscheint als Gegenüber, als tragender Grund, der auch im Fragmentarischen und Brüchigen nahe bleibt. Diese lebensnahe Theologie macht das Buch auch für Leserinnen und Leser anschlussfähig, die sich mit klassischer Frömmigkeit schwertun.

"Die Kraft des Trotzdem" will eingeübt werden. Zahlreiche praktische Impulse – von Dankbarkeitsübungen über Achtsamkeit bis hin zu Elementen aus dem Focusing – laden dazu ein, die eigenen Denk- und Wahrnehmungsmuster zu überprüfen. Diese Übungen wirken nie beliebig, sondern sind organisch in die Argumentation eingebettet.

Gerade hier eröffnet Haberers Buch konkrete Wege, wie Zuversicht wachsen kann. Wer sich darauf einlässt, findet eine verlässliche Begleitung durch schwierige Zeiten. 

Tilmann Haberer: Die Kraft des Trotzdem. Wie man weitermacht, auch wenn’s schwierig wird. adeo Verlag, Asslar 2025, 236 Seiten, 20 Euro.

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