Arbeit
Für Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteiger ist es angesichts der Corona-Krise besonders schwierig, einen Arbeitsplatz zu finden. Der Direktor des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung in Nürnberg, Bernd Fitzenberger, erklärt, warum das so ist und wie junge Leute mit der Situation umgehen sollten.
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Berufseinsteiger haben nach Einschätzung des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) wegen der Corona-Krise besonders schlechte Chancen, eine Stelle zu finden.

"Die Jobangebote für Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteiger sind drastisch zurückgegangen und damit auch die Zahl der Neueinstellungen", sagte IAB-Direktor Bernd Fitzenberger dem Evangelischen Pressedienst (epd) in Nürnberg.

Der Direktor der Forschungseinrichtung der Bundesagentur für Arbeit sprach angesichts der aktuellen Situation von einer "Einstellungskrise". Jährlich gibt es laut IAB bis zu 900.000 Berufseinsteiger.

"Einstellungskrise" für Berufseinsteiger

Wie stark die Zahl der für Berufseinsteiger ausgeschriebenen Stellen zurückgegangen ist, erhebt das IAB nicht. Die Zahl der Stellenangebote sei insgesamt zwischen April und Juni 2020 um 500.000 Stellen auf rund 890.000 Angebote zurückgegangen.

Das entspreche einem Rückgang von 36 Prozent im Vergleich zum entsprechenden Vorjahresquartal. "Das ist ein Rückgang, wie wir ihn seit der Wirtschafts- und Finanzkrise 2008/2009 nicht gesehen haben", sagte Fitzenberger. Bis September habe sich die Zahl zwar leicht erholt, mit 930.000 offenen Stellen sei sie aber um 31 Prozent (430.000 Stellen) niedriger als zum Vorjahreszeitpunkt.

Fitzenberger: Einstellungskrise zur zusätzlichen Qualifizierung nutzen

In vielen Betrieben sei die Nachfrage nach Produkten infolge der Corona-Beschränkungen gesunken, erklärte der IAB-Direktor. Um den Auftragsrückgang abzufedern, hätten die Unternehmen zunächst die Einstellungen von neuem Personal reduziert.

"Bevor sie jemanden entlassen, fahren sie die Einstellungen zurück", sagte er. Gleichzeitig gebe es infolge der Unsicherheit auf dem Arbeitsmarkt weniger Arbeitnehmer, die ihre Stellen wechselten, um etwa ihre Karriere voranzutreiben.

Das führe wiederum zu weniger Einstiegsmöglichkeiten für neue Bewerber, fügte der 57-Jährige hinzu, der an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg als Professor für Quantitative Arbeitsökonomik lehrt.

Fitzenberger rät jungen Erwachsenen, die nach ihrem Berufsabschluss aktuell keinen Job finden, ihre Qualifizierung voranzutreiben.

"Um sich für den Moment, wenn die Einstellungskrise beendet ist und Firmen wieder Personal einstellen, in eine gute Position zu bringen, ist Qualifizierung entscheidend."

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Die Corona-Krise setzt den Arbeitsmarkt massiv unter Druck. Die Indikatoren des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung der Bundesagentur für Arbeit (IAB) in Nürnberg zeigen deutlich nach unten - und das schon vor den einschneidenden Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie, wie das Institut in Nürnberg mitteilt.

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