Mehr Zuhören, mehr Miteinander, weniger Kirchturmdenken: Christian Kopp wirbt für einen Kulturwandel in der Kirche. In einer zunehmend verunsicherten Gesellschaft sieht er sie als Ort für Orientierung, Dialog und demokratische Verantwortung.
Mit einer "Jesusgeschichte" hat der bayerische Landesbischof Christian Kopp seinen Bericht vor der Landessynode eröffnet: die Begegnung Jesu mit der kanaanäischen Frau. Für ihn ist die Erzählung aus Matthäus 15 ein Schlüssel für das Selbstverständnis der Kirche.
Jesus als Meister der Kommunikation
Die Geschichte der fremden Frau, die sich gegen Widerstände Gehör verschafft und schließlich die Heilung ihrer Tochter erfährt, steht für Kopp exemplarisch für christliches Handeln. Jesus erscheine darin als "Meister der Kommunikation", so Kopp. Klar, zugewandt, ohne Umwege. Für ihn ist das Vorbild und Anspruch zugleich. Kirche müsse eine Sprache finden, die nicht um sich selbst kreist, sondern die Menschen in ihrer Not wahrnimmt.
"Ich wünsche mir eine Kirche der direkten und zugleich aufmerksamen Kommunikation", sagt er. Kopp knüpft damit an ein Leitmotiv seiner Amtszeit an: Kirche könne die Herausforderungen der Gegenwart nur gemeinsam bewältigen. Teamarbeit, regionale Zusammenarbeit und klare Schwerpunktsetzungen seien notwendig.
Der Landesbischof machte dabei auch deutlich, was Reformen nicht bedeuten: "Niemand will Kirchengemeinden abschaffen. Niemand will das kirchliche Leben vor Ort schwächen." Im Gegenteil gehe es darum, die kreativen Kräfte vor Ort zu stärken und Kooperationen auszubauen. Als Beispiel nannte Kopp die Wiedereinweihung der Uttinger Christuskirche am Ammersee, die nach einem Brand in einer Gemeinschaftsleistung neu aufgebaut wurde. Kopp bekannte sich dabei zur Gemeinde in der Region: "Der eigene Kirchturm gibt Halt, er weist zugleich in die Weite."
Zeit zwischen Freiheit und Überforderung
Zudem fordert er mehr Ehrlichkeit im Umgang mit Veränderungen. Die Kirche müsse lernen, Ressourcen zu bündeln, Angebote zu fokussieren und Verwaltungsstrukturen zu vereinfachen. "Es geht nicht mehr, dass in einer Region alles für alle zu allen Zeiten angeboten wird", mahnte der Bischof.
Unter dem Leitwort "Mit Gottes Hilfe gemeinsam in einer zerbrechlichen Welt" ging Kopp auch auf den gesellschaftlichen Kontext ein. Er griff dabei die Diagnose der Soziologin Eva Illouz auf, die von einer "explosiven Moderne" spricht: einer Zeit voller Spannungen zwischen Freiheit und Überforderung, Hoffnung und Enttäuschung.
In einer solchen Welt brauche es Orte der Orientierung. Orte, an denen Menschen miteinander sprechen können, ohne sich sofort zu bekämpfen. Für Kopp kann Kirche genau das sein – nicht weil sie einfache Antworten habe, sondern weil der christliche Glaube Freiheit ermögliche: die Freiheit, unvollkommen zu sein und Verantwortung zu übernehmen.
Kopp warb für eine Kirche, die partizipativ, transparent und zuhörend handelt. Symbolisch stellt er sich einen leeren Stuhl im Plenum der Landessynode vor – als Platzhalter für das Kirchenmitglied. Die leitende Frage müsse sein: "Was willst du, dass ich dir tue?