23.12.2020
Politik und Glaube

Der evangelische Synodale und CSU-Generalsekretär Markus Blume über Politik in unsicheren Zeiten

Markus Blume ist Generalsekretär der CSU und Mitglied der bayerischen Landessynode. Im Gespräch mit dem Sonntagsblatt mahnt er zur Demut in der gegenwärtigen Krise.

Herr Blume, mit der Dauer der Corona-Pandemie scheint die politische Polarisierung zuzunehmen.

Blume: Ich finde, dass unsere Gesellschaft die Pandemie bisher sehr gut bewältigt hat. Wir bewegen uns in Zeiten ohne historisches Vorbild in der jüngeren Geschichte.

Ich erlebe eher ein neues Zusammenstehen, das spiegelt sich auch in den Umfragen wider: Über 80 Prozent der Bevölkerung unterstützen den Kurs der Staatsregierung und halten die Maßnahmen für angemessen oder wünschen sich vielleicht sogar mehr. Das ist in einer Demokratie schon eine sehr große Mehrheit.

Und was ist mit den restlichen 20 Prozent?

Blume: Es gibt natürlich Menschen, die in diesen Zeiten existenziell getroffen sind, die bedürfen unserer Hilfe. Dass sie eine andere Meinung vertreten, ist legitim. Was nicht geht, ist die Gefährlichkeit der Pandemie zu leugnen. Da kann ich jedem nur zurufen, er möge einen Blick in unsere Krankenhäuser werfen und ihm wünschen, dass ihm solche Schicksale erspart bleiben.

In der Jahreslosung 2021 wird gemahnt: "Seid barmherzig." Muss man sich am Ende mehr verzeihen können?

Blume: Jeder von uns hatte für das Jahr 2020 andere Pläne und andere Hoffnungen. Durch Corona kam alles anders. Ich verstehe die ganze Enttäuschung. Ich habe Verständnis für Frust, denn Corona ist eine einzige Zumutung. Und gleichzeitig bitte ich alle um Vorsicht wie auch Nachsicht mit ihren Nächsten. Vorsicht, weil wir alle achtsam bleiben müssen. Der größte Akt von Barmherzigkeit und Nächstenliebe ist, jeden unnötigen Kontakt zu vermeiden. Und Nachsicht ist wichtig, weil in einer solchen Krise nichts planbar ist und natürlich auch Fehler gemacht werden können.

Der größte Fehler in dieser Krise wäre aber das Nichtstun.

Woran halten Sie sich fest in dieser Krise?

Blume: Die Krise lehrt uns alle eine neue Demut. Die Menschheit ist nicht allmächtig. Es gibt Prüfungen, die zunächst einmal größer sind als das, was wir verantworten können. Tröstlich ist, dass es noch nie in so kurzer Zeit eine solch globale Anstrengung gab, eine so gefährliche Krankheit wie Corona zu bekämpfen und einen Impfstoff in absoluter Rekordzeit zu entwickeln.

Das ist tatsächlich eine Pionierleistung. In diesen unsicheren Zeiten gibt uns der Glaube Kraft, Orientierung und Halt. Ein gesundes Maß an Gottvertrauen und praktizierte Nächstenliebe – diese Kombination ist der richtige Kompass, um durch diese Zeiten zu kommen.

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Sonntagsblatt