19.04.2020
Beschränkungen

Die Verlängerung der Corona-Restriktionen treibt kirchliche Tagungsstätten in der Krise

Nach der Verlängerung der Anti-Corona-Maßnahmen wird die Luft für christliche Jugendbildungsstätten im Freistaat zunehmend dünn.
Bildungs-und Erholungsstätte Langau

Auf der Pfadfinderburg Rieneck im Spessart würden inzwischen sogar bis Weihnachten Buchungen storniert, sagte Burgvogt Pit Kallmeyer. Ein Grund dafür seien die Weisungen der jeweiligen Kultusministerien, die wegen der Corona-Pandemie teilweise Schulfreizeiten bis Ende dieses Jahres bereits grundsätzlich untersagt hätten: "Wir gehen inzwischen davon aus, dass wir dieses Jahr nicht mehr öffnen dürfen."

Monatliche Kosten liefen weiter, die Einnahmen aber fielen komplett weg. Auch mögliche Überbrückungskredite seien keine Lösung. "Wenn wir bis zum Jahresende geschlossen und keine Einnahmen haben, laufen Kosten im sechsstelligen Bereich auf, die wir über Kredite finanzieren müssten - und dann irgendwann wieder zurückzahlen", erläuterte der Burgvogt.

Kosten kaum zu stemmen

Nach der notwendigen millionenschweren Sanierung sowie energetischer Sanierung der Burg sei das kaum zu stemmen: "Zumal viele Gäste, die nun stornieren, nicht mal Ausfallkosten zahlen wollen, die uns aber sehr helfen würden - wir sprechen da von Summen von 35 bis 70 Euro, je nachdem wie lange die Buchungsdauer war."

Ähnlich sieht die Situation beispielsweise auch im Freizeitzentrum Münchsteinach des Würzburger CVJM aus. Ein Rettungsschirm, der dem Zentrum wirklich nachhaltig helfen würde, müsste pro Monat einen fünfstelligen Betrag abdecken, um die laufenden Kosten aufzufangen, sagt Leiter Timo Hüttebräucker.

Wie lange Münchsteinach die Nicht-Belegung wegen der Corona-Pandemie finanziell aushalten kann, wagt er nicht zu prognostizieren. Klar aber sei: "Wir sind auf Unterstützung angewiesen und dies besser heute als morgen." Ob die Einrichtung überhaupt unter einen der Rettungsschirme passe, sei unklar.

Soforthilfe ein Signal

Die Bildungs- und Erholungsstätte Langau, die ein deutschlandweit einmaliges Freizeitangebot für Familien mit schwerbehinderten Kindern anbietet, kann zwar jetzt Soforthilfe beantragen. Doch dieser einmalige Zuschuss von 15.000 Euro sei angesichts von monatlichen Fixkosten von rund 30.000 Euro eher "ein symbolischer Betrag", sagte Geschäftführer Peter Barbian.

Das Signal, dass man "nicht im Stich gelassen" werde, sei allerdings auch wichtig. Ministerien würden sogar im Haus anrufen und sich nach der Lage erkundigen. Dies zeige, dass Langau "nicht nur ein Fördervorgang" ist, sondern dass die Arbeit geschätzt werde.

Die bayerische Staatsregierung hat am Donnerstag bekanntgegeben, dass die Ausgangsbeschränkungen wegen der Corona-Pandemie bis 3. Mai verlängert werden - gleichlautend zum Bund-Länder-Beschluss vom Mittwoch. Das betrifft auch Gastronomie und Beherbergungsbetriebe. Ob ab dem 4. Mai die Beherbergungsstätten wieder öffnen dürfen, ist unklar, aber eher unwahrscheinlich.

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