Zur Passions- oder Fastenzeit gehört für viele Christinnen und Christen auch der Verzicht - beispielsweise auf bestimmte Genussmittel oder auch auf soziale Medien. Oder aber man versucht, Dinge bewusster wahrzunehmen. Die Fastenaktion der Evangelischen Kirche seit Aschermittwoch steht in diesem Jahr unter dem Motto "Leuchten! Sieben Wochen ohne Verzagtheit!".
Und worauf verzichten dieses Jahr der bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm und die vier Kandidierenden fürs Bischofsamt?
Landesbischof Bedford-Strohm sagte dem Sonntagsblatt, für ihn sei die Fastenzeit keine Zeit, "in der ich eine bestimmte Speise oder ein Getränk konsequent weglasse".
Er versuche eher noch mehr als sonst "mit allem bewusster und maßvoller umzugehen".
Für ihn sei das Motto der Fastenaktion ein guter Anlass, als eigentlich "von Natur aus zuversichtlicher Mensch" angesichts aller Katastrophen weltweit nicht mutlos zu werden. Er wolle sich dabei etwa von Trost spendenden biblischen Texten inspirieren lassen.
Lubomierski: Nichts Süßes, kein Alkohol
Die Landshuter Dekanin Nina Lubomierski, die sich am 27. März für das Amt der Landesbischöfin zur Wahl stellt, will in der Passionszeit auf Süßigkeiten und Alkohol verzichten:
"Der Riegel Schokolade zum Kaffee nach dem Essen - der fehlt mir schon sehr."
Dennoch stehe für sie in der Passionszeit "nicht die Härte des Verzichts im Vordergrund, sondern die Erfahrung: ein anderes, ein weniger volles, ein innerlicheres Leben ist möglich". Sie versuche, dass sich ihr Alltag in der Passionszeit von anderen Zeiten im Kirchenjahr unterscheidet.
Kopp: Zeit der Achtsamkeit
Der Münchner Regionalbischof Christian Kopp, auch Teil des Kandidaten-Quartetts, verzichtet zusammen mit seiner Frau seit Jahren auf Süßigkeiten und Alkohol in der Passionszeit. Auch sonst seien sie mit beidem sehr maßvoll, erläuterte Kopp.
"Aber manchmal kann so ein feines Stück Käsekuchen schon die Laune heben."
Nun müsse es eben sieben Wochen "anders gehen". Diese Zeit sei für ihn "eine Zeit der Achtsamkeit" oder auch ein "Wahrnehmungsunterricht". Das erste Schoko-Stück zu Ostern sei jedes Mal eine "sinnliche Explosion".
Hoerschelmann: Einkehr und Umkehr
Die Direktorin von Mission EineWelt, Gabriele Hoerschelmann, ist die zweite Kandidatin im Bunde: Für sie geht es nach evangelischem Verständnis in der Fastenzeit
"weniger darum, das Heil im Verzicht auf Fleisch oder anderen Genüssen zu finden".
Es gehe eher um Einkehr und Umkehr. Sie nutze dazu die App zur Fastenaktion der Evangelischen Kirche. Auch beteilige sie sich dieses Jahr wie schon seit 2020 - wieder an der Aktion "Eine Woche ohne Plastik" von Mission EineWelt. "Am Anfang fand ich es gar nicht so einfach", betonte sie.
Schlicker: Verzicht anfangs kein Problem
Der vierte Kandidierende, der Windsbacher Dekan Klaus Schlicker, verzichtet gemeinsam mit seiner Familie schon seit vielen Jahren auf Süßes und Alkohol in der Passionszeit. Dies lasse ihn die sieben Wochen bis zum Osterfest bewusster erleben:
"Ich denke auf diese Weise viel mehr an den schweren Weg, den Jesus Christus für uns gegangen ist".
Der Verzicht sei anfangs kein Problem, "schwieriger wird es dann erst kurz vor Ostern." Ihn mache der Verzicht "wacher, konzentrierter, fokussierter auf das, was jetzt wesentlich ist"; sagte er.
Kandidierenden liegen voll im Trend
Die Kandidierenden liegen damit übrigens voll im Trend: Laut einer bundesweiten Umfrage der Krankenkasse DAK wollen in diesem Jahr 63 Prozent der mehr als 1.000 Befragten in der siebenwöchigen Fastenzeit gezielt auf Genussmittel oder Konsumgüter zu verzichten.
Im Jahr 2012 lag der Anteil noch bei rund der Hälfte der Befragten. Die mit Abstand meisten Menschen wollen auf Alkohol, Süßigkeiten und Fleisch verzichten. Bei den Menschen in Bayern und Baden-Württemberg ist Fasten der Umfrage zufolge besonders beliebt.