30.06.2017
Ganzkörper-Flugsimulator »Birdly« Ulm

Ab 15. Juli 2017 steht die Hightech-Flugmaschine der Öffentlichkeit zur Verfügung. Ulm ist die erste Stadt in Deutschland, in der man einen solchen virtuellen Flug erleben kann.
Wasserspeier des Ulmer Münsters.
Das Ulmer Münster mit den Augen eines Vogels sehen: Der Flugsimulator »Birdly« macht das möglich. Der virtuelle Flug führt unter anderem zwischen den Türmen des Münsters hindurch – ähnlich wie hier auf den Bildern unserer Autorin. Sie hat die Höhen des Münsters allerdings zu Fuß erkundet.

Vielleicht hätte Albrecht Ludwig Berblinger, der Schneider von Ulm, seinen Flugapparat nie erfunden, hätte er nicht die Vögel am Münster beobachtet. Die Kirche lag seiner Werkstatt genau gegenüber. Die Vögel nutzten die Winde, die um das Gebäude wehten, für ihren Flug. Die Vogel-Figur auf dem Dach des Ulmer Münsters hingegen, die gern als Ulmer Spatz gedeutet wird, stellt in Wirklichkeit gar keinen Spatz dar. Der Vogel mit dem Ölzweig im Schnabel ist eine klein geratene Taube.

Das Ulmer Münster, die Vögel und das Fliegen – das ist eine lange Geschichte. Ab Mitte Juli erhält sie, durch Spenden finanziert, neuen Aufwind: Mit der in der Schweiz entwickelten Ganzkörper-Flugmaschine »Birdly« kann man ab 15. Juli eine Reise aus der Vogelperspektive über die Dächer von Ulm und Neu-Ulm machen. Im Mittelpunkt steht das Münster etwa zur Zeit um 1890, als der Münsterturm als höchster Kirchturm der Christenheit gerade vollendet wurde. Wer »Birdly« nutzt, wird sogar zwischen den Türmen des Münsters durchfliegen und sich zur Turmspitze emporschwingen können.

Ulms Dekan Ernst-Wilhelm Gohl durfte »Birdly« schon einmal ausprobieren. Er ist begeistert von dem Flugsimulator, von dem Exemplare bislang in Dubai und Singapur stehen – und demnächst in Ulm als erster deutscher Stadt. Dass das Münster dabei beim Virtual-Reality-Erlebnis im Mittelpunkt steht, versteht sich in der Münsterstadt von selbst.

Türme des Ulmer Münster.

»Birdly« sieht ein bisschen aus wie ein umgekehrter Zahnarztstuhl, in dem man auf dem Bauch liegt, berichtet Gohl. Gesteuert wird der Flug mit Händen und Armen. »Es bewirkt ein ganzheitliches Gefühl des Fliegens. Man begreift tatsächlich, wie sich Fliegen für einen Vogel anfühlen muss«, schwärmt er. Drei Minuten Flug seien richtig anstrengend: »Man konzentriert sich total auf die Motorik, aufs Steuern. Wie man die Flügel stellen muss.«

Kippen der Arme bedeutet, abwärts zu fliegen. Nach hinten gerichtete Arme bewirken einen steilen Flug nach oben, und ein Ventilator vor der 3-D-Brille simuliert den Wind. »Der Flug spricht verschiedene Sinne an«, erzählt Gohl, der das Münster auch beim jährlichen Münsterturmlauf gern auf ungewöhnliche Weise erlebt. »Und es macht richtig Spaß.«

Erarbeitet hat das Projekt die Berliner Interactive Media Foundation gemeinsam mit der Stadt und der Münstergemeinde. Es ist Teil der digitalen Stadtkampagne »Ulm Stories – Geschichten einer Stadt«, die die Stadtgeschichte mit neuesten Techniken zum Leben erwecken will. Für den »Birdly«-Flug stellte das Münster Pläne zur Verfügung, andere Dokumente für die Software kamen aus dem Stadtarchiv. »Die Aufmachung ist extrem professionell«, meint Ernst-Wilhelm Gohl.

Den Auftakt zur Stadtkampagne macht eine audiovisuelle Konzert-Performance, in der das Münster Projektionsfläche für die Zukunftsvisionen der Ulmer Bürger wird. Am Abend des 14. Juli 2017 gibt es ab 22 Uhr im Münster die 4000 Quadratmeter große Video- und Lichtinszenierung »Resonanzen«. Sie taucht die Kirche in einen einstündigen Farb- und Lichtrausch – zu einer Komposition für Elektronik, Percussion, Orgel und Sprecher.

Vogelflug übers Ulmer Münster

EINEN DREIMINÜTIGEN TESTFLUG über und um das Ulmer Münster kann man ab Samstag, 15. Juli 2017 in der Ulmer Kramgasse 3 machen. Um Wartezeiten zu vermeiden, sind die Flüge zum Preis von fünf Euro ab 1. Juli auf der Internetseite www.ulmstories.de buchbar.

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Sonntagsblatt