"Die Franziskanerkirche ist für viele Rothenburgerinnen und Rothenburger die 'Kirche des Herzens'", sagt Pfarrerin Dorothea Bezzel. Früher sei sie die Kirche des Kindergottesdienstes gewesen, "alle Bänke waren gefüllt". Heute wird sie vor allem für Taufen, Trauungen, Andachten und Konzerte genutzt – und nun bewusst wieder stärker zugänglich gemacht. Dieses Schmuckstück soll gesehen, erlebt, genutzt werden.
Sanierung der Franziskanerkirche: Wie ein mittelalterliches Bauwerk stabilisiert wurde
Dass die Kirche heute überhaupt noch steht, ist keine Selbstverständlichkeit. Die dreischiffige Basilika, deren Bau im 14. Jahrhundert abgeschlossen wurde, hatte von Anfang an ein Problem: ein statisches. Die Westgiebelwand stand auf einer lediglich 45 Zentimeter starken Lehmschicht, erst darunter folgt tragfähiger Untergrund. Über die Jahrhunderte führte das zu Rissen, Verschiebungen – und schließlich zu einer gefährlichen Schieflage. "Im Grunde genommen handelt es sich um einen Baufehler, der von Anfang an vorhanden gewesen ist", erklärt Willi Pfitzinger, Kirchenvorstandsmitglied und im Bauausschuss. Die Wand "verkippte" um bis zu 30 Zentimeter nach außen, mit ihr die Stützen im Inneren.
In einer mehrjährigen Sanierung, die von 2021 bis 2023 umgesetzt wurde, wurde die Kirche stabilisiert. Das Fundament an der Westseite wurde freigelegt und verfestigt. Vor allem aber griff man tief in die Konstruktion ein: "Das Aufregendste – und nicht Sichtbare – war, dass die Kirche in den Obergaden von Westen her ‚durchbohrt‘ und Zuganker eingeführt wurden, die den Schub von Westen nach Osten aufhalten sollen", ergänzt Bauausschuss-Mitglied Gustaf Wetzel. Diese Stahlanker verlaufen unsichtbar im Mauerwerk, halten die Kräfte zusammen, die das Gebäude auseinanderzudrücken drohten.
Bautechnik im Fokus: Zuganker sichern die Franziskanerkirche nachhaltig
Was nach massiven Eingriffen klingt, ist im Ergebnis kaum zu sehen. Tatsächlich galt bei allen Maßnahmen das Prinzip größtmöglicher Zurückhaltung. Die Eingriffe sollten minimal bleiben, der historische Bestand bewahrt werden. Selbst bei der Innenrenovierung wurde behutsam vorgegangen: reinigen statt übermalen, sichern statt ersetzen.
Und doch hat die Kirche gewonnen – an Stabilität und an Ausstrahlung. Die Innensanierung ließ den Raum heller, ruhiger, gefasster erscheinen. Alte Risse verschwanden unter Kalklasuren, Holzarbeiten wurden aufgearbeitet, die Ausstattung gesichert. "Die Kirche hat dadurch an Schönheit gewonnen", sagt Bezzel.
Rund 1,34 Millionen Euro kostete das Gesamtprojekt. Neben kirchlichen Mitteln flossen Fördergelder, unter anderem aus staatlichen Töpfen. Für eine Kirche ohne eigene Gemeinde im klassischen Sinne ist das eine erhebliche Investition. Aber die Franziskanerkirche ist mehr als ein Bauwerk. Sie erzählt von der Geschichte eines Ordens, der im späten 13. Jahrhundert nach Rothenburg kam. Die Franziskaner suchten die Nähe zum Wasser, zur Tauber, und errichteten hier ihr Kloster. Ihre Kirche, schlicht und funktional gedacht, entwickelte sich über die Jahrhunderte zu einem Raum voller Kunst und Erinnerung.
Zu den herausragenden Ausstattungsstücken zählt der Riemenschneider-Altar, dessen fein geschnitzte Figuren zu den bedeutendsten Werken der Region gehören. Ebenso bemerkenswert sind die modernen Fenster des Künstlers Johannes Schreiter. "Wenn die Sonne morgens genau über die Achse einfällt, ist das wirklich beeindruckend", beschreibt Pfitzinger den Moment, in dem das Licht die Farben zum Leuchten bringt.
In einer mehrjährigen Sanierung, die von 2021 bis 2023 umgesetzt wurde, wurde die Kirche stabilisiert. Das Fundament an der Westseite wurde freigelegt und verfestigt. Vor allem aber griff man tief in die Konstruktion ein: "Das Aufregendste – und nicht Sichtbare – war, dass die Kirche in den Obergaden von Westen her ‚durchbohrt‘ und Zuganker eingeführt wurden, die den Schub von Westen nach Osten aufhalten sollen", ergänzt Bauausschuss-Mitglied Gustaf Wetzel. Diese Stahlanker verlaufen unsichtbar im Mauerwerk, halten die Kräfte zusammen, die das Gebäude auseinanderzudrücken drohten.
Was nach massiven Eingriffen klingt, ist im Ergebnis kaum zu sehen. Tatsächlich galt bei allen Maßnahmen das Prinzip größtmöglicher Zurückhaltung. Die Eingriffe sollten minimal bleiben, der historische Bestand bewahrt werden. Selbst bei der Innenrenovierung wurde behutsam vorgegangen: reinigen statt übermalen, sichern statt ersetzen.
Und doch hat die Kirche gewonnen – an Stabilität und an Ausstrahlung. Die Innensanierung ließ den Raum heller, ruhiger, gefasster erscheinen. Alte Risse verschwanden unter Kalklasuren, Holzarbeiten wurden aufgearbeitet, die Ausstattung gesichert. "Die Kirche hat dadurch an Schönheit gewonnen", sagt Bezzel.
Rund 1,34 Millionen Euro kostete das Gesamtprojekt. Neben kirchlichen Mitteln flossen Fördergelder, unter anderem aus staatlichen Töpfen. Für eine Kirche ohne eigene Gemeinde im klassischen Sinne ist das eine erhebliche Investition. Aber die Franziskanerkirche ist mehr als ein Bauwerk. Sie erzählt von der Geschichte eines Ordens, der im späten 13. Jahrhundert nach Rothenburg kam. Die Franziskaner suchten die Nähe zum Wasser, zur Tauber, und errichteten hier ihr Kloster. Ihre Kirche, schlicht und funktional gedacht, entwickelte sich über die Jahrhunderte zu einem Raum voller Kunst und Erinnerung.
Kunst und Architektur vereint: Riemenschneider-Altar und moderne Glasfenster im Kirchenraum
Zu den herausragenden Ausstattungsstücken zählt der Riemenschneider-Altar, dessen fein geschnitzte Figuren zu den bedeutendsten Werken der Region gehören. Ebenso bemerkenswert sind die modernen Fenster des Künstlers Johannes Schreiter. "Wenn die Sonne morgens genau über die Achse einfällt, ist das wirklich beeindruckend", beschreibt Pfitzinger den Moment, in dem das Licht die Farben zum Leuchten bringt.
Diese Verbindung von mittelalterlicher Architektur, barocker und frühneuzeitlicher Ausstattung sowie moderner Kunst macht den besonderen Reiz des Raumes aus. Hinzu kommt der Lettner – eine selten gewordene Chorschranke, die den Kirchenraum gliedert und ein Stück liturgischer Geschichte bewahrt.
Geschichte der Franziskanerkirche: Vom Klosterbau zur kulturellen Sehenswürdigkeit
Trotz all dieser Qualitäten lag die Kirche lange im Schatten der berühmten Jakobskirche. Kein regelmäßiger Sonntagsgottesdienst, begrenzte Öffnungszeiten, wenig Sichtbarkeit. "Sobald etwas nur fünf Meter vom Zentrum entfernt ist, wird es nicht mehr wahrgenommen", heißt es aus der Gemeinde selbstkritisch. Dabei liegt die Franziskanerkirche nur wenige Schritte abseits der Hauptwege.
Genau hier setzt das neue Konzept an. Mit festen Öffnungszeiten und ehrenamtlichen Kirchenöffnern soll die Schwelle gesenkt werden. Besucher können eintreten, verweilen, die Atmosphäre auf sich wirken lassen. Die Einträge im Gästebuch zeigen bereits jetzt, dass das Angebot angenommen wird: Touristen ebenso wie Einheimische nutzen die Gelegenheit, entdecken den Raum neu oder erinnern sich an frühere Zeiten.
Auch kulturell bleibt die Kirche lebendig. Konzerte, insbesondere von internationalen Chören, finden hier regelmäßig statt. Die Akustik gilt als ausgezeichnet, der Raum als konzentriert und zugleich offen. In der Adventszeit kommen Andachten hinzu, im Sommer musikalische Formate. Die Franziskanerkirche wird so zu dem, was sie immer war: ein Ort der Begegnung.