Vom 22. bis 26. März trifft sich die neugewählte Landessynode zu ihrer konstituierenden Sitzung in Bayreuth. Im Mittelpunkt steht die Wahl des Präsidiums und die Frage, wer auf Präsidentin Annekathrin Preidel folgt, die zwölf Jahre an der Spitze der Synode stand. Sie und die zwei Vizepräsidenten Walter Schnell und Hans Stiegler haben sich nach langjähriger Zugehörigkeit nicht mehr um einen Platz in der Synode beworben. Damit steht fest: Das dreiköpfige Präsidium wird aus neuen Personen bestehen. Kathrin Neeb, die Theologische Referentin der Landessynode, erzählt im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd), wie die konstituierende Sitzung abläuft und welches Thema ihrer Meinung nach die Synode in den kommenden sechs Jahren inhaltlich prägen wird.

Frau Neeb, Ende März steht eine besondere Synodentagung an, nämlich die konstituierende Sitzung nach den Wahlen im Dezember. Wie läuft die Sitzung denn genau ab?

Kathrin Neeb: Im Mittelpunkt stehen die Wahl des Präsidiums, des Landessynodalausschusses und die Bildung der verschiedenen Ausschüsse. Eröffnet wird der erste Sitzungstag vom ältesten und dem jüngsten Synodenmitglied - sie sitzen als Alterspräsident und als Schriftführer auf dem Podium. Laut aktuellem Stand wäre Isolde Ulbig aus Kirchdorf am Inn mit ihren 69 Jahren Alterspräsidentin, der 21-jährige Kulmbacher Student Luca-Fynn Schieblich wäre Schriftführer. Das Besondere diesmal: Beide sind neu in der Synode. Bislang waren der Alterspräsident oder die Alterspräsidentin eigentlich immer wiedergewählte Synodale.

Welche Aufgaben haben die beiden?

Die Alterspräsidentin eröffnet die Synodaltagung. Außerdem wird unter ihrem Vorsitz geprüft, ob das Ergebnis der Landessynodalwahl vom Dezember 2025 rechtmäßig ist. Die Frist zur Anfechtung ist in diesen Tagen abgelaufen, und uns hat keine Wahlanfechtung erreicht. Die Hauptaufgabe der Alterspräsidenten ist dann, die Wahl des Synodenpräsidenten oder der Synodenpräsidentin zu leiten. Sobald diese Person gewählt und im Amt ist, ist die Arbeit der Alterspräsidentin beendet. Das Amt des vorläufigen Schriftführers endet, wenn das Präsidium vollständig ist.

Präsident oder Präsidentin soll Person der Einheit sein

Diese Wahl ist sicherlich einer der Höhepunkte der Tagung. Ein Präsident oder eine Präsidentin ist ja für sechs Jahre das Gesicht der Synode. Wie wird diese Person denn genau gewählt?

Die Bewerberinnen und Bewerber stellen sich der Synode vor. Eine öffentliche Aussprache mit Argumenten für oder gegen die Kandidierenden gibt es aber nicht. Die Beratungen über die Personen oder die Befragung einzelner Kandidatinnen und Kandidaten finden in nicht-öffentlichen Sitzungen statt. Öffentliche kontroverse Debatten über die Personen soll es nicht geben, weil der Präsident oder die Präsidentin als Person der Einheit für die gesamte Synode stehen soll. Die Synode ist kein politisches Parlament, wie zum Beispiel der bayerische Landtag, der sich aus konkurrierenden Parteien zusammensetzt und in dem die Regierung und die Opposition sich mal mehr, mal weniger beharken. Das gibt es in der Synode nicht. Präsident oder Präsident wird, wer die absolute Mehrheit der Stimmen erreicht.

Seit 2002 standen ununterbrochen nicht-ordinierte Frauen an der Spitze der Synode: Heidi Schülke (2002-2008), Dorothea Deneke-Stoll (2008-2014) und Annekathrin Preidel (2014-2026). Ist "weiblich und weltlich" fürs Präsidentenamt inzwischen eine Art ungeschriebenes Gesetz - als Gegenpol zum Landesbischof?

Die Geschäftsordnung der bayerischen Landessynode und die Kirchenverfassung sehen das an keiner Stelle vor. Alle Synodenmitglieder sind wählbar. Aber ja, es hat sich ein gewisser Trend abgezeichnet: In den vergangenen vier Wahlperioden standen immer Frauen, die keine Theologinnen waren, an der Spitze. Aber im Prinzip ist der Wahlausgang völlig offen.

Alle Synodenmitglieder haben das aktive und das passive Wahlrecht

Zum Präsidium gehören außerdem die zwei Vizepräsidenten, zum erweiterten Präsidium zählen auch die zwei Schriftführer. Wie werden die gewählt?

Diese Wahlen leitet der frischgewählte Synodenpräsident oder die frischgewählte Synodenpräsidentin. So füllt sich dann nach und nach das Podium. Auch hier darf jedes Synodenmitglied wählen und sich aufstellen lassen. Und auch die beiden Vizepräsidentinnen beziehungsweise -präsidenten brauchen dabei die absolute Mehrheit der Stimmen.

Dann fehlt noch der Landessynodalausschuss. Was macht der eigentlich genau?

Der Landessynodalausschuss (LSA) ist eines der vier kirchenleitenden Organe neben Landesbischof, Landeskirchenrat und Synode. Er führt die Geschäfte der Synode zwischen den Tagungen fort. So wird sichergestellt, dass die synodalen kirchenleitenden Organe immer handlungsfähig bleiben, auch zwischen Synodenwahl und konstituierender Sitzung. Der LSA führt die Geschäfte der Synode so lange fort, bis sich die neue Synode konstituiert hat. Wie wichtig das ist, hat sich nach der Landessynodalwahl 2019 gezeigt, als die konstituierende Sitzung im März 2020 wegen der Corona-Pandemie nicht stattfinden konnte. Der Landessynodalausschuss musste die Geschäfte dann ein dreiviertel Jahr weiterführen, bis sich die Synode endlich konstituieren konnte.

Und wer sitzt alles im LSA?

Neeb: Das dreiköpfige Präsidium ist automatisch Teil des LSA. Mit diesen drei Personen sind es insgesamt neun nicht-ordinierte Synodale und sechs ordinierte. Sie werden en bloc gewählt, aufgeteilt nach ordiniert und nicht-ordiniert. Auch sie müssen mit absoluter Mehrheit gewählt werden.

War es dann auch der LSA, der sichergestellt hat, dass die neuen Synodalen gut ins Arbeiten kommen?

Ja, Anfang Februar gab es ein ausführliches Onboarding für die Synodalen in der Evangelischen Akademie Tutzing, wo neben dem LSA auch Mitglieder des Landeskirchenrats dabei waren. Da ging es darum, den Synodalen die aktuelle Situation der Landeskirche vorzustellen und unter welchen Rahmenbedingungen Entscheidungen getroffen werden. Und natürlich konnten sich die Synodalen untereinander kennenlernen und sich darüber austauschen, wie sich die Synode organisiert, welche Ausschüsse es gibt, welche Ämter für einen interessant sein könnten.

Verankerung in den Regionen ist Riesenchance für die Synode

Dominierendes Thema derzeit ist der Sparkurs der bayerischen Landeskirche: Sie rechnet bis 2035 mit deutlich weniger finanziellen und personellen Ressourcen. Diese Debatte, wie Kirche mit weniger Mitgliedern, weniger Pfarrpersonen und weniger Kirchensteuern in Zukunft aussehen könnte, dürfte doch auch diese Landessynode prägen, oder?

 Ich glaube auch, dass der Sparkurs ein Hauptthema für die sechsjährige Wahlperiode sein wird. Also konkret die Frage, wie Kirche trotz weniger Ressourcen gut ihren Auftrag erfüllen und den Menschen weiterhin das Evangelium nahebringen kann. Dafür ist die Synode ein wichtiges Organ, denn sie setzt sich aus 108 Mitgliedern aus ganz Bayern zusammen. Die Vernetzung und Verankerung in den Regionen ist die Riesenchance der Synode, weil das kein anderes kirchenleitendes Gremium in dieser Form hat. Der Landeskirchenrat beispielsweise hat ja naturgemäß eine andere Perspektive als die Synode. Die besten Entscheidungen wurden in meinen Augen übrigens immer genau dann gefällt, wenn die unterschiedlichen Perspektiven zusammengeführt wurden.

Sie sind Theologische Referentin der Synode. Sind auf Sie vor der konstituierenden Sitzung noch besondere Aufgaben zugekommen?

Ich bin keine kirchenleitende Akteurin, ich bin in erster Linie im Gremienmanagement verankert. Eine noch größere Rolle als sonst spielt jetzt der Wissenstransfer in die neue Synode hinein. Wir im Synodalbüro, das von Marc Meyer geleitet wird, sind wie ein Archiv für die neue Synode. Und wir stellen natürlich das Handwerkszeug bereit und informieren die Synodalen, zum Beispiel darüber, wie sie an ihre Informationen kommen oder mit welcher Software sie arbeiten und wie sie funktioniert.

Arbeitet die Synode bei ihrer konstituierenden Sitzung eigentlich auch inhaltlich, oder ist sie voll und ganz mit Wahlen und Arbeitsauftakt beschäftigt?

Die inhaltliche Arbeit ist reduzierter als sonst. Die Wahlen nehmen schon sehr viel Raum in Anspruch. Diesmal gibt es nur drei Eingaben und Anträge und eine Vorlage des Landeskirchenrats. Das ist sonst schon deutlich mehr.