Leitende Geistliche aus Süddeutschland haben zum ersten Advent die Entwicklungen der Corona-Pandemie in ihren Predigten thematisiert. Der katholische Rottenburg-Stuttgarter Bischof Gebhard Fürst warf Ungeimpften am Samstagabend in Ludwigsburg vor, Kindern eine "unbeschwerte Kindheit" zu rauben. Der bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm sagte, gerade angesichts der Pandemie brauche man die Hoffnungsworte der Adventszeit.

Predigt von Heinrich Bedford-Strohm am ersten Adventssonntag

Bedford-Strohm sagte in seiner Predigt am ersten Adventssonntag in der Nürnberger Lorenzkirche: "Siehe, es kommt die Zeit, da wird diese Pandemie endlich überwunden sein." Die Menschen hätten viel Geduld aufbringen müssen bis zu diesem "zweiten Pandemieadvent". Bereits 2020 habe man auf etliches Liebgewonnene verzichten müssen. Es sei schwer zu ertragen, "dass dieses permanente Achtgeben, die Masken, die Abstände, die Absagen jetzt schon wieder ins Zentrum rücken"."

Mit dem ersten Advent beginne die Zeit, auf die "Hoffnungsbotschaft des Advents" zu hören, die von Gottes heilendem Wirken handle, sagte Landesbischof Bedford-Strohm: "Heute beginnt die Zeit, in der die Mitmenschlichkeit stärker ist als alle Frustration, aller Streit, alle Unbarmherzigkeit miteinander". Man sollte "barmherziger gegenüber der Fehlbarkeit der Politik", gegenüber den Geflüchteten an der polnisch-belarussischen Grenze oder gegenüber sich selbst sein, wenn man Fehler gemacht habe.

Kritik an Ungeimpften in Predigt von Bischof Gebhard Fürst

Der katholische Rottenburg-Stuttgarter Bischof Gebhard Fürst kritisierte Ungeimpfte in seiner Predigt zum ersten Advent am Samstagabend scharf. Menschen, die eine Corona-Impfung verweigerten, nähmen eben nicht nur für sich selbst in Kauf, zu erkranken, sagte er in der evangelischen Stadtkirche Ludwigsburg bei einem ökumenischen Gottesdienst mit dem württembergischen Landesbischof Frank Otfried July. "Den eigentlichen Schaden fügen sie damit den Schwächsten zu", sagte Fürst.

Zu den mehr als 100.000 Corona-Toten kämen noch all jene hinzu, die nicht adäquat behandelt werden konnten, weil das Gesundheitssystem überlastet ist. Das medizinische und Pflegepersonal könne nicht mehr, etliche Menschen stünden vor dem wirtschaftlichen Ruin. "Unvernünftige und Uneinsichtige" raubten Kindern eine unbeschwerte Kindheit und älteren Menschen "die letzten Jahre". Christen könnten nicht tatenlos zu sehen: "Querdenkern kann unser 'Hosanna' nicht gelten."

Weitere Adventsaktionen im evangelischen Raum

Der württembergische Landesbischof July erinnerte daran, dass die Adventszeit Öffnung bedeute - man öffne im Advent die Türen für den Weg zum Christfest, man öffne neue Perspektiven und zünde Lichter an. Dies sei "gerade in diesen Zeiten", in denen viele äußere Türen nun wieder geschlossen würden und für zahlreiche Menschen die Perspektiven wieder enger und bedrohlicher würden, eine "Wegweisung", sagte July. Der Advent 2021 sei eine Zeit der neuen Orientierung auf Christus.

Bayerns Diakonie-Präsident Michael Bammessel lenkte den Blick am Sonntag bei der offiziellen bayerischen Eröffnung der 63. Spendenaktion von "Brot für die Welt" auf den globalen Süden. Die Menschen in Deutschland hätten zurecht Angst vor einer Überlastung des Gesundheitssystems, sagte Bammessel in der Traunsteiner Auferstehungskirche. In Kenia aber gebe es beispielsweise pro 150.000 Einwohnern gerade einmal eine Krankenschwester.