23.09.2019
Hauptversammlung in Nürnberg

Reformierter Bund: Kathrin Oxen als Leiterin eingeführt

Der Reformierte Bund geht mit einer Frau an der Spitze in die Zukunft: Die neue "Moderatorin" Kathrin Oxen mahnte bei der Hauptversammlung des Bundes von 1,5 Millionen evangelisch-reformierten Christen zu Engagement gegen Rechtsradikalismus. Auch der Klimaschutz spielte bei dem Treffen in Nürnberg eine Rolle.
Kathrin Oxen, Moderatorin des Reformierten Bundes
Kathrin Oxen, Moderatorin des Reformierten Bundes

Die Berliner Pfarrerin Kathrin Oxen steht als neue Moderatorin an der Spitze des Reformierten Bundes in Deutschland. Die 47-jährige Theologin ist am Samstag bei einem Gottesdienst in der Nürnberger Kirche St. Martha in das Repräsentantenamt für rund 1,5 Millionen evangelisch-reformierte Christen in ganz Deutschland eingeführt worden. Sie übernimmt den Vorsitz im Moderamen, dem Leitungsgremium des Reformierten Bundes, von Martin Engels.

Kathrin Oxen zur Moderatorin der Hauptversammlung des Reformierten Bundes gewählt

Auf ihrer Hauptversammlung in Nürnberg hatten die Teilnehmer am Freitagabend Oxen gewählt. Oxen hatte zwei Gegenkandidaten: Der Nürnberger Theologe Georg Rieger koordinierte in den vergangenen fünf Jahren den Wiederaufbau der durch einen Brand zerstörten Kirche St. Martha. Außerdem hatte sich Pfarrer Bernd Becker beworben, der Geschäftsführer des Evangelischen Presseverbandes für Westfalen und Lippe ist.

Im Abschlussgottesdienst der Hauptversammlung predigte der bayerische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm. Er rief die Christen dazu auf, für andere da zu sein. "Wir werden erst Kirche, wenn wir das tun." Bedford-Strohm, der auch EKD-Ratsvorsitzender ist, nannte als Beispiel die Beteiligung an der Seenotrettung. Er dankte außerdem den reformierten Kirchen für eine "Argumentationshilfe", die sie ihm in der Diskussion über den bayerischen Kreuzerlass gegeben hätten. Reformierte Gemeinden stellen in ihren Kirchen keine Kreuze auf und kennen das Bilderverbot. "Die Sichtbarkeit der Kreuze ist nämlich nicht direkt proportional zur Frömmigkeit", stellte Bedford-Strohm fest.

Oxen: Kirchliche Wirklichkeit im Osten besser wahrnehmen

Die neue Moderatorin des Reformierten Bundes, Oxen, hatte in ihrer Bewerbungsrede die Christen im Westen Deutschlands aufgefordert, die "kirchliche Wirklichkeit im Osten besser wahrzunehmen". Die 47-Jährige stellte sich als eine Predigerin vor, die politisch deutlich Position vor allem auch gegen Rechtsradikalismus beziehe. Die Theologin leitete von 2012 an das Zentrum für evangelische Gottesdienst- und Predigtkultur in Wittenberg, bevor sie im Dezember 2018 nach Berlin an die Gedächtnis-Kirche wechselte.

Der bisherige Moderator Martin Engels warnte in seinem Bericht zu Beginn der dreitägigen Versammlung am Beispiel des Streits über das Tragen von Kopftüchern vor der Wirkung der "Themensetzung aus dem äußeren rechten Rand". "Wir müssen aufpassen, dass die Saat der Zwietracht nicht bereits in unserer Wahrnehmung Wurzeln treibt", sagte er. Die Kirchengemeinden müssten einen wesentlichen Beitrag zur Stärkung der Demokratie leisten. In der Diskussion über den Klimaschutz lohne es sich, sich mit Fragen zu befassen, wie das Thema Klima mit den Folgen von Gerechtigkeit und Frieden verbunden sei.

Reformierte treten "Churches for Future" bei

Die Hauptversammlung beschloss am Samstag den Beitritt der Reformierten zum Bündnis "Churches for Future". Die rund 120 Teilnehmer der Hauptversammmlung waren außerdem unter den 8.000 Menschen bei der Klimakundgebung in Nürnberg am Freitag.

Die Kirche St, Martha, in der die Hauptversammlung stattfindet, war nach einem Brand 2014 erst im vergangenen Jahr wieder eröffnet worden. Die Kirche sei für sie Sinnbild für die Vision einer Kirche, "die für Menschen unserer Zeit ein Ort ist, an dem sie Antworten finden auf ihre existenziellen Fragen", sagte die Präsidentin der bayerischen Landessynode, Annekathrin Preidel, in einem Grußwort.

Dem als Verein organisierten Reformierten Bund gehören Einzelpersonen sowie die Evangelisch-reformierte Kirche mit Sitz in Leer und die Lippische Landeskirche an. Dazu kommen zahlreiche Kirchengemeinden vor allem aus den unierten Kirchen im Rheinland, in Westfalen, in Bremen und in Hessen-Nassau. 2005 verlegte der Reformierte Bund seinen Sitz nach Hannover. Dort befindet er sich seit 2014 mit der Weltgemeinschaft Reformierter Kirchen unter demselben Dach.

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