Neun junge Ehrenamtliche der evangelischen Jugend haben sich am vergangenen Wochenende in Nürnberg zu Anleiter:innen für psychische Erste-Hilfe-Kurse ausbilden lassen.

Das Projekt "Helfen in Seelischer Not" (HSN) vermittelt ihnen Sicherheit im Umgang mit seelischen Krisen – und befähigt sie, dieses Wissen in ihren Dekanaten weiterzugeben.

Wie kann ich helfen, ohne mich zu überfordern?

Mit dieser zentralen Frage begannen neun junge Erwachsene zwischen 17 und 30 Jahren aus evangelischen Gemeinden in ganz Bayern ihr dreitägiges Seminar im Caritas-Pirckheimer-Haus Nürnberg.

Zum Auftakt ihrer HSN-Ausbildung durchliefen sie zunächst selbst den zweistündigen HSN-Ersthelfer:innen-Kurs, den sie künftig eigenständig leiten werden. Anhand konkreter Beispiele aus ihrer Jugendarbeit erlernten sie die zentrale Handlungskette des HSN-Konzepts: Hinschauen – Sprechen – Netzwerken.

Diese klare Struktur ermöglicht es, Anzeichen seelischer Not zu erkennen, empathisch zu reagieren und passende Unterstützung zu vermitteln – ohne dabei die eigenen Grenzen zu überschreiten.

Einfache Strategien für schwere Situationen

Mehrere Menschen sitzen im Kreis in einem Schulungsraum
Im Ersthelfer:innen Kurs lernen die, welches Zubehör in einen seelischen Erste-Hilfe-Koffer gehört.

"Dank der klaren Struktur und der praktischen Merkhilfen fühle ich mich jetzt deutlich kompetenter im Umgang mit seelischer Not", berichtet Benno Dauer aus dem Dekanat Weilheim.

"Wenn ich mich an die Handlungskette halte, kann ich nichts falsch machen. Ich helfe allein dadurch, dass ich präsent bin", ergänzt Annabel Baumgardt, stellvertretende Vorsitzende der Evangelischen Jugend in Bayern.

Im weiteren Verlauf des Wochenendes erfuhren die Teilnehmenden, wie sie die Inhalte des Ersthelfer:innen-Kurses selbst vermitteln, Gruppendynamiken gestalten und mit belastenden Situationen umgehen können. Neben methodischen Impulsen standen praktische Rollenspiele sowie die richtige Kommunikation und Haltung als Anleiter:in im Mittelpunkt.

"Ich nehme sehr viel mit – für meine Arbeit mit Jugendlichen, aber auch für den Umgang mit psychischen Notlagen in meinem privaten Umfeld", resümiert Vanessa Rödel aus dem Dekanat Selb am Abschlusstag.

Ehrenamtliche werden zu Multiplikator:innen

Das Präsenzseminar markierte den Auftakt der vierteiligen HSN-Ausbildung: Es folgen vertiefende Selbstlerneinheiten über die HSN-Lernplattform, Hospitationen sowie erste eigene, vom HSN-Team begleitete Kursdurchführungen. Ein Abschlusstreffen zur gemeinsamen Reflexion rundet die Ausbildung ab. Danach können die qualifizierten Ehrenamtlichen eigenständig Ersthelfer:innen-Kurse anbieten.

"Die Teilnehmenden waren unglaublich engagiert. Man spürte förmlich, wie relevant das Thema für sie ist. Sie entwickelten bereits zahlreiche Ideen, wo sie ihr Wissen einbringen können – von Konfi-Kursen über Jugendgruppen bis zur Schulsozialarbeit", berichtet Isabelle Rausch, Sozialarbeiterin und HSN-Fortbildungsreferentin im Studienzentrum Josefstal.

Eine Frau sitzt vor einem Bildschirm
Isabelle Rausch fasst die zentralen HSN-Botschaften zu seelischer Erste Hilfe zusammen.

HSN vermittelt: Die stabile Seitenlage für die Seele

"Helfen in Seelischer Not" ist ein gemeinsames Projekt der Universität Regensburg, des medbo Bezirksklinikums und des Studienzentrums für evangelische Jugendarbeit Josefstal. Das ambitionierte Ziel: Seelische Erste Hilfe soll so selbstverständlich werden wie das Wissen um die stabile Seitenlage – und zwar in der gesamten Bevölkerung.

Die Nürnberger Ausbildung war die erste, die sich gezielt an Ehrenamtliche in der evangelischen Jugendarbeit richtete. Eine Wiederholung ist für den 25. bis 27. September 2026 in Augsburg geplant. Die nächste offene Ausbildungsrunde für alle Interessierten findet vom 17. bis 19. September 2025 in Pullach bei München statt.

Weitere Informationen findet ihr hier.

(Lena Erhard, Studienzentrum Josefstal)