Fast 40 Prozent der jungen Erwachsenen in Deutschland erleben ein geringes psychisches Wohlbefinden – das zeigt eine aktuelle Studie des Robert Koch-Instituts. Besonders in der Jugendarbeit sind junge Ehrenamtliche häufig erste Ansprechpersonen bei seelischen Krisen.
Doch viele von ihnen fühlen sich auf diese Situationen nicht ausreichend vorbereitet.
Ein neues Ausbildungsformat soll hier Abhilfe schaffen. Vom 25. bis 27. Juli 2025 findet in Nürnberg erstmals eine spezielle Schulung für Ehrenamtliche in der evangelischen Jugendarbeit statt. Ziel ist es, Jugendleiterinnen und Jugendleiter zu Anleiter*innen für sogenannte "HSN-Kurse" auszubilden – "Helfen in Seelischer Not".
In dem dreitägigen Seminar lernen die Teilnehmenden einfache, aber wirksame Reaktionsstrategien auf seelische Notlagen: hinschauen, sprechen, netzwerken. Das Wissen sollen sie anschließend in ihren Gemeinden und Jugendgruppen weitervermitteln.
EJB: Kaum eine Freizeit ohne Jugendliche mit Problemen
"Es vergeht kaum eine Freizeit, in der nicht Jugendliche mit Redebedarf oder Problemen auf uns zukommen", sagt Annabel Baumgardt, stellvertretende Vorsitzende der Evangelischen Jugend in Bayern (EJB) laut einer Mitteilung.
Sie nimmt selbst an der Ausbildung teil. Situationen wie die eines Mädchens mit suizidalen Gedanken hätten sie an ihre Grenzen gebracht. Der Kurs vermittle Handlungssicherheit, ohne zu überfordern.
Entwickelt wurde das HSN-Programm an der Universität Regensburg in Kooperation mit dem Bezirksklinikum Regensburg und dem Studienzentrum für evangelische Jugendarbeit Josefstal. Die zweistündigen HSN-Ersthelfer*innen-Kurse richten sich an alle Menschen – ohne Vorwissen. Inzwischen haben bayernweit über 2.000 Personen daran teilgenommen, 27 wurden bislang als Anleiter:innen ausgebildet.
Wissen, wo es gebraucht wird
"Wir bringen aktuelles Wissen aus Forschung und Klinik dorthin, wo es gebraucht wird – in Zeltlager, Jugendräume und Gemeinden", erklärt Prof. Dr. Berthold Langguth, Chefarzt am Bezirksklinikum Regensburg und Mitinitiator des Projekts.
Gefördert wird das Projekt unter anderem vom Bayerischen Staatsministerium für Gesundheit, Pflege und Prävention.