Die Pfarrei St. Sebald in Nürnberg führt für die touristische Besichtigung der Sebalduskirche ab dem 17. Mai einen "Beitrag zur offenen Kirche St. Sebald" ein - also eine Gebühr. Damit reagiere die Gemeinde auf dauerhaft hohe Besuchszahlen, steigende Bau- und Unterhaltskosten und sinkende Zuschüsse, teilte Sebalds Pfarrer Martin Brons am Donnerstag mit.
Tourist:innen sollen in Zukunft 5 Euro pro Besuch zahlen, ermäßigt ist das Kirchenticket für 2,50 Euro zu haben. Auch eine Jahreskarte wird für 15 Euro erhältlich sein, während Kinder grundsätzlich nichts zahlen. Für Gemeindeglieder, Ehrenamtliche und Mitglieder von Chören und Vereinen der Pfarrei bleibe die Kirchennutzung frei, hieß es.
Im vergangenen Jahr besuchten St. Sebald mit seiner zentralen Lage unterhalb der Nürnberger Kaiserburg erstmals mehr als 500.000 Menschen. Die Kirche sei "seit knapp 800 Jahren ein geistlicher Raum", erklärte Brons.
"Und er bleibt zum Gebet frei zugänglich. Der Beitrag richtet sich an diejenigen, die die Kirche vor allem als kulturellen und historischen Ort besuchen und sich an ihrem Erhalt beteiligen möchten."
Der Beitrag liege im Vergleich zu vielen europäischen Innenstadtkirchen auf moderatem Niveau, so die Mitteilung weiter.
Dekan Körnlein: Finanzmittel fehlen
"Es ist ganz einfach: Früher gab es genügend Kirchensteuerzahler, daher konnten die Kirchen auch erhalten werden. Inzwischen fehlen die Finanzmittel", sagte Jürgen Körnlein, der als Stadtdekan für ganz Nürnberg zuständig ist. Auch St. Lorenz prüfe derzeit, ob Eintrittsgelder eingeführt werden sollen.
Letztendlich müsse jede Kirchengemeinde selbst entscheiden, wie sie mit der Frage des Eintritts umgehe, sagte Körnlein. Er sehe das Konzept aber nur dort als sinnvoll an, wo ein hohes touristisches Aufkommen herrscht.
"Wenn eine Kirche 10.000 Besucher im Jahr hat, wird sich niemand an den Eingang stellen und Eintritt verlangen."
"Wir hatten über viele Jahre gehofft, dass wir mit der freiwilligen Spende hinkommen, aber wir müssen mehr Einnahmen generieren, um die Kirche zu erhalten", sagte Körnlein. Mehrere Millionen Euro müssten in den kommenden Jahren in Sanierungsmaßnahmen investiert werden. Von der evangelischen Landeskirche bekämen die prestigeträchtigen Innenstadtkirchen zwar finanzielle Unterstützung, die belaufe sich bei St. Sebald aber nur auf 50.000 Euro im Jahr, bei St. Lorenz aufgrund der niedrigeren Zahl an Kirchengliedern sei es noch weniger. Allein der laufende Unterhalt liege pro Kirche bei mehr als 300.000 Euro pro Jahr.
International ist Eintrittsgeld üblich
St. Sebald geht mit dem Eintrittsgeld einen Schritt, den bisher noch sehr wenige Kirchen in Bayern gewagt haben. Nur in vereinzelten evangelischen Kirchen, wie in der Jakobskirche in Rothenburg ob der Tauber, muss ein Ticket gekauft werden. Die katholischen Kirchen, auch der Dom in München, sind kostenlos. Dass das so bleiben soll, hat Kardinal Reinhard Marx, Erzbischof von München und Freising, erst im März bei einer Tagung der bayerischen Bischöfe betont.
Dekan Körnlein glaubt dennoch, dass es für den Schritt Verständnis geben wird. "Jeder sieht ja, was an Baumaßnahmen da ist." Die Sebalduskirche bleibe für alle weiterhin offen und für das Gebet gebührenfrei.
"International ist es außerdem gängig, dass man für manche Kirchen Eintritt zahlen muss."
Das Jahresticket für 15 Euro sei gerade für Nürnbergerinnen und Nürnberger außerdem eine tolle Möglichkeit, die Kirche zu unterstützen. "Auch die katholische Kirche in Nürnberg wird sicher mit großem Interesse verfolgen, wie die Resonanz sein wird", vermutet Körnlein. "Es ist ein Pilotprojekt. Wir müssen schauen, wie es ankommt."
Sebalduskirche Nürnberg
Die Sebalduskirche in Nürnberg ist neben der Lorenzkirche die ältere der beiden großen Kirchen in der Stadt. Sie entstand im 13. Jahrhundert über dem Grab des Heiligen Sebaldus, der wahrscheinlich zu Beginn des 11. Jahrhunderts in Nürnberg gelebt und gewirkt hat. Er wurde zum Schutzpatron der Stadt Nürnberg. Seit 1525 ist die Kirche evangelisch. Sie gilt als die Nürnberger "Ratskirche" und liegt in unmittelbarer Nachbarschaft zum Rathaus.
Herausragendes Kunstwerk in der Hallenkirche ist das Sebaldusgrab von Peter Vischer (um 1455 bis 1529). Der Bronzeguss gilt als bedeutendes Renaissancekunstwerk und ist der Reliquienschrein des heiligen Sebaldus. In der Kirche befinden sich auch mehrere Werke des Holzschnitzkünstlers Veit Stoß (um 1447 bis 1533), zum Beispiel eine Figur des Apostels Andreas und eine Kreuzigungsgruppe. Zahlreiche Epitaphien der Nürnberger Patrizierfamilien zieren den Kirchenraum. Auch zu sehen ist das Gemälde des segnenden Christus in einer Gedächtnistafel im Ostchor: Das Bild ist wohl eine zeitgenössische Kopie von Albrecht Dürers "Segnendem Christus", das im Metropolitan Museum in New York hängt.
Kunstwerke überlebten die Luftangriffe
Auch einige der farbenprächtigen, größtenteils im Original erhaltenen Bleiglasfenster im Hallenchor wurden nach Entwürfen Dürers und Hans Süß' von Kulmbach gefertigt. Dazu gehört im Hauptchor auch das Kaiserfenster, gestiftet 1514 von Kaiser Maximilian I. In und an der Sebalduskirche finden sich judendiffamierende Darstellungen. Eine der Darstellungen befindet sich an einem äußeren Stützpfeiler. Dort werden Juden zusammen mit einem Schwein dargestellt.
Bei den Luftangriffen auf Nürnberg im Zweiten Weltkrieg wurden das Dach und die Gewölbe der Sebalduskirche weitgehend zerstört. Die Kunstwerke waren aber zuvor ausgelagert worden. Heute besuchen die Kirche rund eine halbe Million Menschen im Jahr.