7.12.2018
Vorbildfunktion gefordert

Umweltschutz: Kirchen nutzen meist klimaschädliche Dienstautos

Die obersten Kirchenvertreter in Deutschland fahren nach Einschätzung der Deutschen Umwelthilfe (DUH) fast keine umwelt- und klimafreundlichen Dienstwagen. Wie aus dem aktuellen Dienstwagencheck hervorgeht, steigen nur zwei von 47 hohen kirchlichen Vertretern für ihren Job in ein Auto, dessen realer CO2-Ausstoß den EU-Flottengrenzwert von 130 Gramm pro Kilometer einhält. Erstmals habe die DUH für die Umfrage den realen CO2-Ausstoß herangezogen - und nicht wie in den Vorjahren die Herstellerangaben.
Autoabgase verpesten die Luft.

"Gerade die Kirchen tragen eine gesellschaftliche Verantwortung zur Bewahrung der Schöpfung und sollten entsprechend auch bei der Wahl ihres Dienstwagens eine Vorbildfunktion ausüben", sagt die stellvertretende DUH-Bundesgeschäftsführerin Barbara Metz. Es sei "überaus erschreckend", dass viele Kirchenvertreter "noch immer auf Klimakiller" setzten. Zudem sei die Hälfte der Befragen mit einem Diesel-Fahrzeug unterwegs. Die DUH ruft die kirchlichen Würdenträger auf, "sich nicht länger von den offiziellen Herstellerangaben blenden zu lassen und stattdessen bei der Wahl ihres Dienstwagens auf saubere, spritsparende, emissionsarme und nicht gesundheitsschädliche Antriebsarten zu setzen".

Für ihre neue Bewertung hat die DUH eigenen Angaben zufolge die von der als unabhängig geltenden Organisation ICCT (International Council of Clean Transportation) ermittelten realen CO2-Emissionen der betreffenden Fahrzeuge genutzt. Die in den USA ansässige wissenschaftliche Vereinigung hatte 2015 unter anderem eine Schlüsselrolle bei der Aufdeckung des VW-Abgasskandals gespielt.

Erdgasantrieb belegt den ersten Platz

Die vier besten Plätze in der Kategorie "Kirchenoberhäupter" werden laut Deutscher Umwelthilfe von Fahrzeugen mit Erdgasantrieb belegt. Der VW Golf Variant mit Erdgasbetrieb des Hamburger Erzbischofs Heße führe mit einem realen CO2-Ausstoß von 123 Gramm pro Kilometer das Ranking an. An zweiter Stelle stehe Landessuperintendent Arends mit einem Audi A3 Sportback g-tron und einem realen CO2-Ausstoß von 130 Gramm. Es folgten Bischof Gregor Maria Hanke vom Bistum Eichstätt mit einem Audi A4 Avant 2.0 mit einem realen CO2-Ausstoß von 140 Gramm und die Präsidentin der Bremischen Evangelischen Kirche, Edda Bosse, mit einem VW Caddy mit einem realen CO2-Ausstoß von 149 Gramm pro Kilometer.

Hanke ist damit von allen Bischöfen in Bayern am umweltfreundlichsten unterwegs, gefolgt vom Passauer Bischof Stefan Oster auf Rang 5 bei den Kirchenoberhäuptern. Er hat einen VW Passat Variant GTE als Dienstwagen, der über einen Benzin- und Elektromotor verfügt und einen realen CO2-Ausstoß von 164 Gramm pro Kilometer, gefolgt vom evangelischen Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm. Er hat einen BMW 740Le Performance als Dienstwagen, der mit seinem Benzin- und Elektromotor laut DU einen realen CO2-Ausstoß von 185 Gramm hat.

Schlusslicht bleiben klimaschädliche Dieselfahrzeuge

Schlusslicht in der diesjährigen Bewertung der Kirchenoberhäupter sei bei Benzinern der Dienstwagen, deren BMW 740Le xDrive iPerformance einen realen CO2-Ausstoß von 238 Gramm aufweise. Den klimaschädlichsten Diesel fährt der hannoversche Landesbischof Ralf Meister. Sein Audi Q7 3.0 Diesel Plug-In-Hybrid kommt laut DUH auf einen realen CO2-Ausstoß von 225 Gramm.

Lobend äußerte sich die DUH über kirchliche Hilfswerke. So nutzten Caritas-Präsident Peter Neher, der Präsident des Malteser Hilfsdienstes, Georg Khevenhüller, der Präsident der Johanniter-Unfall-Hilfe, Frank-Jürgen Weise, sowie Misereor-Vorstandsvorsitzender Monsignore Pirmin Spiegel gar keine Dienstwagen. Die Präsidentin des Evangelischen Werks für Diakonie und Entwicklung, Cornelia Füllkrug-Weitzel, liege mit einem VW Passat GTE 1.4 TSI Plug-In Hybrid mit einem realen CO2-Ausstoß von 164 Gramm pro Kilometer über den EU-Grenzwerten, aber zugleich im vorderen Feld der Kirchenvertreter.

Zum siebten Mal hatte die Umweltorganisation die Dienstwagen deutscher Kirchenvertreter bewertet. Analysiert wurden die Fahrzeuge von 27 katholischen Bistümern und 20 evangelischen Landeskirchen sowie fünf kirchlichen Hilfsorganisationen.

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