Wenn Volker Klemm über seine neue Aufgabe spricht, dann blitzt in seinen Worten beides auf: Bodenhaftung und Aufbruch. "Ich wäre nicht überall hingegangen, nur um Dekan zu werden. Es muss einfach passen." Dass es passt und er ab Oktober nach Schwabach kommt, ist für ihn ein Stück Fügung.

Die Vita des 51-Jährigen kennzeichnet eine ungewöhnliche Verknüpfung einer vielseitigen Lebens- und Berufserfahrung aus – eine Melange aus Sozialpädagogik, Theologie und einer zutiefst gelebten Form der christlich geprägten Meditation.

Geboren wurde Klemm in Rottweil im Schwarzwald. Sein Vater war in der Computerindustrie tätig, die Familie zog später nach Oberbayern. "Ich bin eigentlich ein Stück weit ausgewandert", sagt er rückblickend. Musik spielte lange eine zentrale Rolle in seinem Leben – er sang im Landesjugendchor und spielte Cello im Orchester. Nach Zivildienst und ersten sozialpädagogischen Erfahrungen zog es ihn ins Studium. In Benediktbeuern entdeckte er, dass sich Theologie und Sozialpädagogik verbinden lassen: "Da habe ich gemerkt, das ist eigentlich genau mein Weg."

Das Theologie-Studium zog ihn nach Neuendettelsau, wo er vorerst weiterhin bei der Diakonie arbeitete. Weiter ging es über Leipzig, Berlin und Erlangen dann ins Vikariat an die Erlöserkirche Bayreuth. Im Anschluss war er Pfarrer im Dekanat Rügheim und im Prodekanat Nürnberg-Ost, dort seit 2019 stellvertretender Dekan.

Klemm beschreibt sich selbst als "immer auch Sozialpädagoge". Was das für ihn bedeutet, fasst er so: "Ein Sozialpädagoge sieht Potenziale, nicht Defizite. Er begleitet Veränderungen. Ein Theologe predigt, verkündet, seelsorgt. Zusammen ergibt das für mich eine Haltung: nicht dogmatisch von oben, sondern gemeinsam mit den Menschen." Früh habe er gelernt, dass kirchliches Leben weniger von Strukturen lebt, sondern von Beziehungen. "Die Leute kümmern sich nicht darum, wie das Ding oben drüber heißt. Sie leben ihre Kirchlichkeit vor Ort", erzählt er. Gerade diese Erdung im Alltag, die Nähe zu den Menschen, sei für ihn unverzichtbar.

Für Klemm sind biblische Texte nicht primär starre "Glaubenswahrheiten", sondern "Lebenswahrheiten, die man erleben kann". Seine Erkenntnis: "Mensch, was ich erfahren habe in meiner in meinem Alltag, das steht ja in der Bibel drin letztendlich". Dieser umgekehrte Zugang – vom Leben zur Bibel – macht seinen Glauben lebendig und authentisch.

Ein neuer Blick auf Meditation

Eine weitere Säule seines Selbstverständnisses ist die christlich geprägte Meditation. Der entscheidende Impuls kam 2016, als Klemm sich eine berufliche Auszeit auf dem Schwanberg nahm, die ihn nachhaltig veränderte. "Da habe ich den Sonnengruß kennengelernt – als christliches Gebet. Seitdem ist er für mich tägliches Brot geworden."

Es folgte eine Ausbildung zum christlichen Meditationsanleiter. "Das war eine meiner intensivsten und schönsten Erfahrungen überhaupt", erinnert sich Klemm. Besonders beeindruckte ihn, wie Bibelworte durch meditative Praxis "in den Leib kommen": "Plötzlich ist es nicht mehr abstrakt, sondern spürbar. Da habe ich Theologie noch einmal ganz neu verstanden." Meditation sei für ihn eine "alltagsbegleitende" Praxis, die hilft, sich im "Hier und jetzt" zu verorten und nicht in der Vergangenheit oder Zukunft zu verlieren. Er sieht darin ein großes Bedürfnis der Menschen, gerade auch jener, die sonst keinen Zugang zur Kirche finden.

Seit 2018 bietet er regelmäßig Meditationsangebote an. Für Schwabach hat er diesen Faden nicht losgelassen: "Ich glaube, die Menschen sehnen sich nach Oasen in dieser überladenen Zeit. Orte, an denen weniger mehr ist."

Es hat einfach "gepasst"

Dass Klemm sich für Schwabach bewarb, war kein Zufall. Zum einen spielen familiäre Gründe eine Rolle: Seine Frau, ebenfalls Theologin, arbeitet als Dozentin an der Fachakademie für Sozialpädagogik der Rummelsberger, die 11 und 13 Jahre alten Töchter Rebecca und Marieke sind in der Region verwurzelt. Zum anderen hat ihn die Stadt selbst überzeugt: "Auch die Doppelnutzung des Gemeindegartens, die architektonischen Akzente in der Kirche haben mich angesprochen. Und es ist gut, mit einem frischen Blick von außen zu kommen. Man bringt neue Impulse mit, aber lernt auch selbst dazu."

Volker Klemm tritt sein Amt als Dekan mit einer klaren Vision an: Menschen mit einem offenen, zugewandten Geist zu begegnen, Veränderungen als Chance zu begreifen und Räume für tiefe spirituelle Erfahrungen zu öffnen. Schwabach darf sich auf einen Dekan freuen, der mit Weitsicht, Bodenständigkeit und einem tiefen Gottvertrauen neue Wege gehen wird.

Der Gottesdienst findet am 5. Oktober um 16 Uhr in der Stadtkirche statt. Schwabach ist eines von aktuell zehn Dekanaten des Kirchenkreises Nürnberg. Zum Dekanat gehören momentan 26 Kirchengemeinden mit ungefähr 50.000 evangelischen Christinnen und Christen.