7. Juli 2020
Klimaschutz

Von "Grüner Gockel" bis "Ende Gelände": Zwölf Projekte für den Klimaschutz

Die Bewahrung der Schöpfung ist eines der Ziele vieler Glaubensgemeinschaften. Doch was wird konkret getan für den Klimaschutz? Sechs Beispiele für Kirche & Klimaschutz.
Kirche und Klimaschutz

Viele Glaubensgemeinschaften haben sich zum Ziel gesetzt, die Natur zu bewahren und zu schützen. Doch mehr denn je steht die globale Klimapolitik unter Druck. Wie kann der Klimaschutz vorangetrieben werden? Wir listen Projekte und Umweltbewegungen auf, die sich mit dem Thema beschäftigen.

Fridays For Future

Die Bewegung "Fridays For Future" fand ihren Anfang im August 2018, als sich die damals 15-jährige Greta Thunberg mit anderen jungen Aktivist*innen vor das schwedische Parlament setzte. Mit ihrem "Schulstreik fürs Klima" wollten sie gegen den fehlenden politischen Handlungswillen hinsichtlich der Klimakrise demonstrieren. Über die mediale Berichterstattung verbreitete sich diese Aktion um die ganze Welt. Bald demonstrierten Schüler*innen und Studierende in vielen Ländern jeden Freitag mit dem Ziel, die Regierungen zu nachhaltigem Klimaschutz zu bewegen. Laut eigenen Angaben gehören der Organisation rund 13 Millionen Menschen an, die in rund 7.500 Städten aktiv sind. Hauptziele sind die Umsetzung des Pariser Klimaabkommens (2015) sowie die Begrenzung der Erderwärmung auf 1,5 Grad Celsius.

fridaysforfuture.org

 

Parents For Future

Unter dem Titel "Parents For Future" haben sich Erwachsene zusammengeschlossen, die die Friday-For-Future-Bewegung unterstützen. Als ältere Generation sehen sie sich als Verursacher der Klimaerwärmung. Konsequenter Umweltschutz ist in ihren Augen die einzige Möglichkeit, den Planeten für die Generation ihrer Kinder zu erhalten. In Deutschland existieren rund 90 Ortsgruppen.

parentsforfuture.de

 

Christians For Future

"Christians for Future" ist ein ökumenischer Zusammenschluss von Christ*innen, die ihr Engagement für Klimaschutz aus dem biblischen Schöpfungsauftrag Gottes ableiten. Die Mitglieder sind in ihren jeweiligen Ortsgemeinden, dem Evangelischen Kirchentag oder dem interreligiösen Projekt "Brücke des Glaubens" aktiv und weisen dort auf die religiöse Notwendigkeit von Klimaschutz hin. Der Vereinigung zufolge sind 1.540 Einzelpersonen und verschiedene Gruppen in dem Bündnis aktiv.

christians4future.org

 

Extinction Rebellion

Die Bewegung der "Extinction Rebellion" (ER) entstand 2018 in Großbritannien. Mit Mitteln des zivilen Ungehorsams wollen die Aktivisten staatliche Maßnahmen gegen das Massenaussterben von Tieren und Pflanzen erreichen. 2019 blockierten Mitglieder der Sektion Deutschland mehrere zentrale Verkehrspunkte in Berlin. Bei der internationalen Automobil-Ausstellung (IAA) in Frankfurt unterstützten Ortsgruppen unter dem Slogan "Sand im Getriebe" die Blockade zum Messegelände. In Nürnberg stellten Aktivist*innen unter dem Motto "Platzpark statt Parkplatz" bepflanzte Hochbeete auf Parkflächen. Damit wollen sie auf die verfehlte Verkehrspolitik hinweisen. In Deutschland gibt es rund 130 Ortsgruppen.

extinctionrebellion.de

 

Christian Climate Action

In Großbritannien organisierten sich christlich orientierte Mitglieder von Extinction Rebellion in der Untergruppe "Christian Climate Action" (CCA). Am 28. Februar 2020 (Aschermittwoch) besprühten die beiden Aktivist*innen Gail Thomas und Alice Lynch die Fassade des Big Ben mit künstlichem Erdöl (bestehend aus Wasser und pflanzlichem Verdickungsmittel). Damit wollten sie auf die Abkehr von fossilen Energien aufmerksam zu machen. Beide wurden von der Polizei festgenommen. Zeitgleich fand an der Westminster Cathedral und der Westminster Abbey eine Mahnwache statt, um alle Kirchen zum Ausstieg aus Erdöl- und Kohleenergie aufzurufen. Die Priester zeichneten den Gläubigen statt des traditionellen Aschekreuzes ein Kreuz aus künstlichem Erdöl auf die Stirn. Das Erdöl stehe für die menschliche Schwäche und Sterblichkeit infolge der Klimakrise, sollte der Verbrauch der fossilen Energien nicht radikal reduziert werden. In einer Generalsynode hatte die Church of England wenige Wochen zuvor beschlossen, bis 2030 CO²-neutral zu werden.

christianclimateaction.org

 

Ende Gelände

Das Bündnis "Ende Gelände" entstand aus verschiedenen Gruppen der Anti-Atom- und Anti-Kohlekraftbewegung. Neben einem sofortigen Kohleausstieg wird unter dem Slogan "System Change not Climate Change" eine Abkehr vom durch Raubbau und Ausbeutung getriebenen Kapitalismus gefordert. 2015 besetzten Aktivist*innen die Kohle-Tagebau-Mine Garzweiler (Nordrhein-Westfalen). Daraufhin räumte die Polizei unter Einsatz von Tränengas und Schlagstöcken das Areal. 2019 blockierten rund 6.000 Menschen erneut das Abbaugebiet. Mitglieder des Bündnisses waren ebenfalls bei Protestcamps zum Erhalt des Hambacher Forstes 2018 bis 2020 beteiligt. Die Organisation besteht eigenen Angaben zufolge aus etwa 60 lokalen Ortsgruppen.

www.ende-gelaende.org

 

Klimaschutzkonzept

Das Integrierte Klimaschutzkonzept der bayerischen Landeskirche zeigt auf, wie die 1.538 Kirchengemeinden Emissionen im Bereich Gebäude und Mobilität reduzieren können. Aktuell entsprechen die 75.400 Tonnen Treibhausgase der Produktion von 8.000 Mittelklassefahrzeugen. Maßnahmen sind etwa ein kombiniertes Raumbelegungs- und Heizsystem oder die Unterstützung kommunaler Bürgerbusse. Vorreiter ist die Immanuelkirche in Ampfing (Mühldorf a. Inn). Die erste Passivhauskirche Deutschlands (2007) spart im Vergleich zu herkömmlichen Kirchen 90 Prozent der Heizkosten ein.

schoepfung-bewahren-konkret.de

 

Grüner Gockel

Der "Grüne Gockel" ist das Umweltsiegel für Kirchengemeinden. Er hilft, Strom, Energie, Wasser nachhaltig zu nutzen. Gemeinden mit dem "Grünen Gockel" sparen pro Jahr rund 5.000 Euro an Energie-Kosten ein. In Bayern sind etwa 130 der 1.538 Kirchengemeinden schon zertifiziert. Die jüngsten sind die Gemeinden Mainleus-Schwarzach und Willmersreuth (Dekanat Kulmbach). Beide erhielten die Bestätigung ihres Umweltmanagementsystems am 18. Juni 2020. 45 weitere Gemeinden befinden sich im noch laufenden Aufnahmeprozess.

www.schoepfung-bewahren-konkret.de

 

Kirchliche Umwelt- und Klimaarbeit

Wolfgang Schürger ist Beauftragter der kirchlichen Umwelt- und Klimaarbeit. Er berät die rund 1.300 ehrenamtlichen Umweltbeauftragten der bayerischen Gemeinden. Themen sind Artenschutz, Umweltmanagement oder Energieberatung. Schwerpunkte sind vor allem die lokale Umsetzung des Klimaschutzkonzepts sowie die Zertifizierung der "Grüne-Gockel"-Gemeinden. Dabei wird Gemeinden geholfen, Einsparungen bei Strom, Energie und Wasser umzusetzen. So können Energiekosten vor Ort deutlich reduziert werden. Eine Vorstellung von drei Projekten (Stand 2014) ist hier zu finden: https://www.youtube.com/watch?v=Pc5v5m09244&feature=youtu.be

http://www.schoepfung-bewahren-konkret.de/

 

Nachhaltig predigen

Was hat christliches Leben mit Nachhaltigkeit zu tun? Das Internetportal www.nachhaltig-predigen.de bietet ökumenische Predigtanregungen und Impulse, um Bibeltexte in den globalen Zusammenhang nachhaltigen Lebens und Handelns einzuordnen. Haupt- und Ehrenamtliche erhalten hier durch das ganze Kirchenjahr hinweg Vorschläge, wo Verantwortung für die Schöpfung im Alten und Neuen Testament präsent ist.

nachhaltig-predigen.de

 

Baumschutz

Die bedrohten Baumarten Fränkische Mehlbeere (Sorbus franconica) und Gößweinsteiner Mehlbeere (Sorbus pulchra) werden vom Verein "Schöpfung bewahren konkret" vor dem Aussterben geschützt. Der Verein erwarb seit 2003 drei Grundstücke im Nürnberger Land. Dort werden seither Mehlbeerbaum-Setzlinge angepflanzt und ein Refugium für Orchideen, Waldhyazinthen und andere geschützte Pflanzen geschaffen. Konfi-Gruppen beteiligen sich aktiv bei Pflanzaktionen oder dem Anbringen von Verbisschutz an jungen Bäumen. Dadurch wird die Jugendarbeit gefördert und Bewusstsein für die einzigartige heimische Landschaft geschaffen. Der Tourismusverband "Naturerlebnis Fränkische Schweiz" integrierte die Bäume mit dem MEHLBEERENSTEIG (Nr. 38) in sein Wandersortiment.

https://www.naturerlebnis-fs.de/fraenkische_schweiz_ausflug/38_mehlbeerensteig.html

 

Solidarische Landwirtschaft

Ökologisch produzierte Lebensmittel vom Bio-Bauernhof Dollinger bekommt man für 83 Euro pro Monat im Lorenzer Laden (St. Egidien, Nürnberg). Das saisonale Obst und Gemüse direkt aus der Region ermöglicht dem Bauern eine feste Einnahmequelle und den 27 Haushalten qualitativ hochwertiges und ökologisches Essen. Neben der Kirchengemeinde St. Egidien beteiligen sich auch St. Johannis-, St. Peter- und die Dreieinigkeitsgemeinde an dem nachhaltigen Landwirtschaftsprojekt. Jedes einzelne Kirchenmitglied kann somit etwas zur Stärkung der regionalen Wirtschaft tun und sich gleichzeitig gesund und umweltbewusst ernähren.

http://lorenzerladen.mws3.de/solawi

https://solawi-dollinger.de/

 

Der Beitrag entstand im Rahmen eines Seminars mit dem Titel: "Online-Journalismus in der Praxis: Wie Religionen in Zeiten von Corona den digitalen Raum nutzen & innovative Ideen entwickeln" im Rahmen des Masterstudiengangs "Medien - Ethik - Religion" an der Theologischen Fakultät der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen.

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