28.08.2020
Flüchtlinge

Kinder aus griechischen Camps in Deutschland gelandet: Innenminister Seehofer befürchtet "Pull-Effekt"

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hatte angekündigt, 243 kranke Kinder einschließlich ihrer Kernfamilien aus Griechenland zu übernehmen. Doch zusätzliche Flüchtlinge will er nicht nach Deutschland holen.
Flüchtlingslager Griechenland

In Deutschland sind weitere besonders schutzbedürftige Flüchtlinge aus griechischen Lagern angekommen. Wie das Bundesinnenministerium in Berlin mitteilte, trafen am Morgen 28 kranke Kinder mit ihren Kernfamilien am Flughafen Hannover ein.

Mit den 121 Neuankömmlingen wurden damit in diesem Jahr laut Ministerium bislang 347 Personen, darunter 53 unbegleitete Minderjährige und 68 kranke Kinder, per Flugzeug von Griechenland nach Deutschland gebracht.

Schutzbedürftige Flüchtlinge aus Griechenland

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) hatte angekündigt, 243 kranke Kinder einschließlich ihrer Kernfamilien aus Griechenland zu übernehmen. Die Übernahmen folgen einem Koalitionsbeschluss vom März und sind Teil einer europäischen Aktion.

Sie solle in den nächsten Wochen abgeschlossen werden, erklärte das Ministerium. Einen ersten Flug mit 47 Kindern und Jugendlichen nach Deutschland hatte es im April gegeben. Die am Mittwoch eingetroffenen Personen sollen zunächst in neun Bundesländern untergebracht werden.

Seehofer befürchtet "Pull-Effekt"

Zusätzliche Flüchtlinge aus den überfüllten Lagern in Griechenland will Seehofer offenbar nicht nach Deutschland holen. Er befürchtet einen nicht zu unterschätzenden "Pull-Effekt", wie er der "Augsburger Allgemeinen" (Mittwoch) sagte. Darunter versteht man, dass sich durch die Aufnahme von Geflüchteten weitere Asylsuchende gezielt auf den Weg nach Deutschland machen könnten.

Seehofer zeigte zwar Bereitschaft, sich mit seinen Innenministerkollegen aus Berlin und Thüringen zu treffen, die eine weitere Aufnahme von Flüchtlingen aus Griechenland fordern. Zugleich stellte er aber klar, dass der Bund über die Aufnahme von Flüchtlingen entscheide: "An dieser Grundregel werde ich nichts ändern."

Seehofer sieht Integration und Akzeptanz in der Bevölkerung gefährdet

Seehofer sagte der Zeitung weiter, alleine im August seien trotz der geltenden coronabedingten Reisebeschränkungen wohl ungefähr 8.000 Migranten nach Deutschland gekommen. Sollten diese Zahlen weiter steigen, sieht Seehofer die Integration und auch die Akzeptanz in der Bevölkerung gefährdet.

Sonderkontingente bei der Aufnahme Geflüchteter dürften nicht zu Größenordnungen führen, die von den Menschen nicht mehr akzeptiert würden. Zudem sei er "entschieden dafür, dass wir europäisch abgestimmt handeln".

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