Wenn Christine Leibbrand-Kügerl über ihre Harfe spricht, dann tut sie das nicht nur als Musikerin. Sie tut es als jemand, der ein Instrument gefunden hat, das ihr Leben geprägt, geformt und auch vielleicht sogar gerettet hat.
Heute lebt sie mit ihrer Familie in Bayreuth, unterrichtet an der Musikschule und an der Evangelischen Hochschule für Kirchenmusik – und hat hier nicht nur beruflich, sondern auch persönlich einen Lieblingsplatz gefunden. Einen Platz, der nicht an einem Gebäude hängt, sondern an einem Klang.
"Ich liebe den Innenhof der Kirchenmusikhochschule. Diese Ruhe, diese Stille – und dann hört man aus den Überräumen die Klänge aus den Konzertsälen. Musik, die atmet."
Dass sie einmal Harfenistin werden würde, war dabei alles andere als selbstverständlich. Denn Christine war zwar von Musik umgeben – ihr Großvater war Komponist und Konzertmeister, der Vater leidenschaftlicher Kinderchorleiter –, doch sie selbst hatte zunächst keinen Plan.
Entscheidender Moment über Nacht
Der entscheidende Moment kam über Nacht. Im wahrsten Sinne des Wortes. "Meine Mama konnte eines Nachts nicht schlafen und sah im Fernsehen eine Reportage über einen Harfenkongress in Wien. Am Frühstückstisch sagte sie: ‚Guten Morgen, Kind – übrigens, du lernst Harfe.‘ Und das war eine ihrer besten Ideen."
Und so begann eine Reise, die über das Jungstudium an der Wiener Musikhochschule in große Konzertsäle führte – bis sie schließlich, der Liebe wegen, in Franken landete. Ihr Mann ist Posaunist bei den Hofer Symphonikern, sie selbst unterrichtet und konzertiert in Bayreuth. Mitgebracht hat sie nicht nur ihre Harfe, sondern auch einen musikalischen Anspruch: Musik soll nicht abgrenzen – sie soll verbinden.
"Mein Herz hat immer fürs Unterrichten geschlagen. Junge Menschen begleiten, fördern – das ist meine Berufung. Und auch miteinander zu musizieren: Ich habe in Bayreuth ein Harfenorchester gegründet, da spielt jeder mit."
Das Ensemble umfasst Einsteiger*innen ebenso wie Fortgeschrittene, Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Es ist ein musikalisches Statement: Musik gehört allen. Und die Harfe? Die ist dabei mehr als nur Mittel zum Zweck.
"Die Harfe ist für mich ein unglaublich vielseitiges Instrument. Viele Seiten – im wörtlichen und übertragenen Sinn. Es wird nie langweilig, man entdeckt ständig Neues."
Innerlich die Sonne wieder scheinen lassen
Genau das will sie weitergeben – an ihre Schülerinnen und Schüler, aber auch an das Publikum in ihren Konzerten. Dabei hat sie auch persönlich erlebt, welche Kraft Musik entfalten kann – gerade in schwierigen Zeiten.
"Als es bei mir gesundheitlich einmal ganz düster ausgesehen hat, habe ich ein Stück gespielt – ‚Feel Good‘ von Monika Stadler. Das hat mir geholfen, innerlich die Sonne wieder scheinen zu lassen."
Vielleicht ist das der Kern ihrer Arbeit: Musik als Lichtquelle. In ihrer Familie ist sie ohnehin ständig präsent. "Ich brenne für Musik – sie lässt mich nicht los. Auch zu Hause: Mein Mann ist Posaunist, meine Kinder machen Musik. Es begleitet uns den ganzen Tag."
In Bayreuth hat sie viel bewegt: Aus einem musikalischen Nischeninstrument wurde innerhalb weniger Jahre ein fester Bestandteil der Kulturszene.
"Ich habe ja in Bayreuth angefangen, vor acht Jahren, da gab es ja noch fast keine Harfenszene, würde ich jetzt mal behaupten. Das hat sich schon sehr geändert. Die Nachfrage ist irrsinnig groß. Es gibt ganz, ganz viele Kinder, die die Harfe kennen und die sie lernen wollen. Das finde ich eine super schöne Entwicklung."
Und wenn sie dann auf der Bühne steht – ob im Innenhof oder in einem großen Konzertsaal – dann spürt sie, dass alles zusammenkommt: Ausbildung, Klang, Geschichte, Begegnung. "Wenn man mit der Harfe über die Saiten streicht, sagen viele Kinder: ‚Das klingt wie Engelsmusik.‘ Und ich finde, manchmal ist es das auch."