25.01.2019
Geschichte der Hummelfiguren

Hummelfiguren: Heitere Kinderwelten der Berta Hummel

Pausbackige Engel, niedliche Kinder mit Tieren oder Musikinstrumenten, eine Gänseliesel oder aber ein Bub mit Wanderstab und Tasche: Auf der ganzen Welt werden die Hummelfiguren als Sinnbilder für unbeschwerte Kindertage gesammelt.
Eines der bekanntesten Motive der Hummelkinderfiguren ist der Wanderbub
Eines der bekanntesten Motive aus der Serie von Hummel- Kinderfiguren ist der Wanderbub, der am Portal der Manufaktur im oberfränkischen Rödental steht.

Günstig sind die Hummelfiguren wahrlich nicht, ihr Kaufpreis liegt oft bei mehreren Hundert Euro. "Das, was die Menschen bis heute fasziniert, ist aber nicht nur der Wert dieser Figuren, sondern die Tatsache, dass sie Ruhe und Frieden ausstrahlen", sagt der Markenbotschafter bei der Manufaktur Goebel, Joffrey Streit. Dadurch vermittelten sie ihren Liebhabern Heimeligkeit und ein Stück heile Welt. Diese Anmutung der Figuren, die zumeist niedliche Kinder darstellen, verweist auf ihre Schöpferin, die Nonne Berta Hummel.

Aus Berta wird Maria Innocentia

Nach ihrem Staatsexamen an der Akademie für Angewandte Künste in München trat die aus dem bayerischen Massing stammende Berta Hummel am 22. April 1931 in den Konvent der Franziskanerinnen in Bad Saulgau-Sießen (Kreis Sigmaringen) ein. Zu diesem Schritt wurde sie wohl durch ihre Freundschaft mit zwei Franziskanerinnen angeregt.

Als Schwester Maria Innocentia fand sie Erfüllung in den vielfältigen klösterlichen
Aufgaben – so auch im Zeichenunterricht, den sie in einer vom Kloster geführten Schule geben musste. Aus ihrer großen Liebe zu Kindern und der Freude am Zeichnen erwuchsen schließlich jene Zeichnungen von spielenden Kindern, die in den Klostergarten kamen.

Zeichnungen zum Verlieben

Bald fand die Nonne zu ihrem eigenen Stil und erlangte Aufsehen bei Verlegern und schließlich auch beim Unternehmer Franz Goebel, der sich um einen Lizenzvertrag für die figürliche Darstellung der Zeichnungen bemühte. Anfang Dezember 1934 hielt ein Vertreter seiner fränkischen Porzellanmanufaktur ein Hummel-Büchlein mit Kinderzeichnungen von Schwester Maria Innocentia in den Händen. Er befand sich gerade auf der Durchreise in München und entdeckte es dort in einem Schaufenster.

Sowohl er als auch der Firmeninhaber Franz Goebel hatten sich sofort in die Zeichnungen der Nonne verliebt und den damaligen Meistermodelleur Arthur Möller beauftragt, einige Zeichnungen in dreidimensionale Figuren umzusetzen. Das war die Geburtsstunde der Hummelfiguren, die bald darauf ihren Siegeszug durch die ganze Welt antraten.

Wie das Original bewahrt wird

Bereits ein Jahr später stellte die Firma Goebel die ersten Figuren auf der Messe in Leipzig vor. Da dem Kloster nach dem Lizenzvertrag das entscheidende Wort bezüglich der Werks-treue vorbehalten war, besuchte Schwester Maria Innocentia in regelmäßigen Abständen die Goebel-Manufaktur. "Noch heute kommen Ordensschwestern des Franziskaner-Konvents nach Rödental, die über neue Figuren abstimmen", sagt Streit, "sie achten vor allem darauf, dass die Gesichter tatsächlich Anlehnungen haben an die ursprünglichen Zeichnungen von Maria Innocentia."

Sie sollen weiter Freude machen

Auch wenn es innerhalb der Firmengeschichte von Goebel insgesamt vier Insolvenzen gegeben hat, wurden und werden bis heute über 1000 verschiedene Figurenmodelle entwickelt, die ausschließlich in Deutschland vertrieben werden. Neben den original M.I. Hummelfiguren umfasst das Sortiment auch Hummel-Christbaumornamente, Hummel-Sammelteller sowie Dosen, Lampen oder Kerzenhalter.

Nach der jüngsten Insolvenz kaufte der Kulmbacher Unternehmer Bernd Förtsch die Firma auf, da er mit den Figuren nicht nur eigene Kindheitserinnerungen verbunden hatte, sondern auch das Wertige erhalten wollte.

Etwas ganz Besonderes ist laut Streit heute die sogenannte "Hope-Serie", denn die entsprechenden Figuren sind dazu gedacht, sie jemandem zu schenken, der krank ist. "Mit jeder verkauften Figur gehen zehn Euro an den Verein ›Brustkrebs Deutschland‹", sagt Streit, "außerdem verschenkt man ja immer ein Stück Emotion mit." Besser könnte es zum Anliegen von Schwester Maria Innocentia gar nicht passen, die einmal gesagt hat: "Ich will nur Freude machen."

 

Berta Hummel alias Maria Innocentia im Ordensornat
Nach ihrem Eintritt in den Franziskanerinnen-Orden nahm Berta Hummel (1909-1946) den Namen Maria Innocentia an.
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