20.01.2020
Uganda

Inhaftierte ugandische Feministin Nyanzi erhält PEN-Preis

Warum der Schriftstellerverband PEN die ugandische Regierungskritikerin Nyanzi mit einer Auszeichnung ehrt.
Stella Nyanzi
Stella Nyanzi.

Die ugandische Feministin und Regierungskritikerin Stella Nyanzi wird für ihre Verdienste um die freie Meinungsäußerung geehrt. Nyanzi, die seit September 2018 wegen Beleidigung von Ugandas Präsident Yoweri Museveni in Haft sitzt, erhält den diesjährigen Internationalen Preis für die Meinungsfreiheit, teilten der internationale Schriftstellerverband PEN und die niederländische Entwicklungshilfeorganisation Oxfam Novib in London mit. Beide vergeben die Auszeichnung gemeinsam.

Die Vorsitzende des Internationalen PEN, Jennifer Clement, lobte Nyanzi für ihren Einsatz für Frauenrechte sowie die Rechte von Schwulen, Lesben und anderen sexuellen Minderheiten. Clement kritisierte, dass die ugandische Regierung Nyanzi wegen ihrer Kritik an den Mächtigen im Land als Kriminelle bezeichne. Auch wenn Nyanzis Wortwahl manchen schockierend oder schillernd erscheine, sei dies kein Grund, sie für ihre freie Meinungsäußerung zu bestrafen. Die PEN-Vorsitzende forderte ihre Freilassung.

Ein Gericht hatte Nyanzi zu 18 Monaten Haft verurteilt, nachdem sie ein verunglimpfendes Gedicht gegen Museveni auf Facebook veröffentlicht hatte. Bei ihrer in Form und Inhalt oftmals harschen Kritik beruft sich Nyanzi auf die Tradition "radikaler Unverschämtheit", mit der in Uganda die Herrschenden durch öffentliche Beleidigungen erschüttert werden sollten. Clement erklärte, auch weitreichende Kritik, Parodie und Spott seien durch die Meinungsfreiheit gedeckt. Gerade Mächtige müssten sich in dieser Hinsicht mehr gefallen lassen als durchschnittliche Bürger.

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Lilian Ikulumet aus Uganda und Mohamad Alkhalaf aus Syrien waren bereits in ihren Heimatländern journalistisch tätig und mussten wegen ihrer kritischen Berichterstattung flüchten. In der Süddeutschen Zeitung haben sie seit einem guten Jahr eine eigene Kolumne. Jeden Freitag veröffentlichen sie abwechselnd mit zwei weiteren Geflüchteten Geschichten aus ihrem Alltag in der "Neuen Heimat" Bayern auf der "Leute"-Seite. SZ-Redakteur Korbinian Eisenberger leitet das Projekt.