12.03.2019
Judentum

Klezmer: Festival für jüdische Musik in "fränkisch Jerusalem"

Mit Klarinetten, Geigen, Bass, Akkordeon oder Gesang erzählt Klezmer-Musik lachend und weinend von jüdischem Leben: Ab Freitag sind wieder Stars der Szene in Fürth.
Klarinette

In diesem Jahr eröffnet der Ausnahmeklarinettist Maxim Solniker mit seiner israelischen Band "The Sound of Klezmer" mit einer Deutschlandpremiere das "Internationale Klezmer Festival Fürth" (15. März - 17. März). Vor 30 Jahren, 1989, entstand das Festival zunächst mit dem Fokus auf das jüdische Lied. Es wurde im Rahmen der Woche der Brüderlichkeit aus der Taufe gehoben und sollte die musikalische Annäherung und Verständigung zwischen christlichem und jüdischem Liedgut unterstützen, erklärt Organisatorin Claudia Floritz, Leiterin des Kulturamts Fürth.

Seitdem hat sich das Klezmer Festival im mittelfränkischen Fürth zu einer der weltweit wichtigsten Veranstaltung seiner Art entwickelt. In den ungeraden Jahren, wie eben 2019, findet ein auf drei Tage verkürztes Intermezzo des Festivals statt. In den geraden Jahren wird Fürth für eine Woche zum Jiddischen Shtetl, wenn im Zeitraum der Woche der Brüderlichkeit das Klezmer Festival Fürth stattfindet.

"Musik ist das Verbindende"

"Musik ist das Verbindende", sagt Floritz. Es gehe um "gemeinsam gelebte Freude" an traditionellen und modernen Interpretationen der Klezmermusik, die eine Jahrhunderte alte Tradition vorweisen könne. Die Stadt Fürth gilt aus ihrer Geschichte heraus als gut geeignet für diese musikalische Begegnung: Im 18. Jahrhundert war fast ein Viertel der Bevölkerung jüdischen Glaubens. Die Rede war einst vom "fränkischen Jerusalem", in dessen jüdischen Schulen Rabbiner für ganz Europa ausgebildet wurden.

Das Festival mache aber "keine politische Bildung", erklärt Floritz. Das wäre eine Überfrachtung. Sie konzentriert sich lieber auf die musikalische "Weitergabe der Flamme" durch Stars und Newcomer der Klezmer-Szene. Mittlerweile habe das Festival in Fürth international einen so guten Ruf, dass Musiker auch mal von sich aus wegen eines Auftritts anfragen.

Die musikalische Wiederentdeckung von Klezmer und dem traditionellen jiddischen Lied trat in den 1970er Jahren ihren Siegeszug von den USA aus an. Insbesondere durch den Fall der Mauer und den "ganz anderen Einflüssen aus Osteuropa" hätten sich jüdische Musiker unterschiedlich weiterentwickelt. In diesem Jahr bilden neben "The Sound of Klezmer" aus Israel unter anderem das Moritz Weiß Trio aus Österreich, die Band Mames Babegenush aus Dänemark oder auch Felix Shinder & Dengi Vpered aus der Ukraine ein breites Spektrum ab.

Rahmenprogramm mit Workshops

Über die musikalische Entdeckung hinaus wird das Intermezzo durch ein Rahmenprogramm ergänzt. Drei Führungen widmen sich der jüdischen Spurensuche in der Stadt. Dabei geht es um jüdische Stifter, den jüdischen Friedhof sowie Fürth in der NS-Zeit. Außerdem lädt der Workshop Jiddische Tänze mit Musik von den Klezmaniaxx zum Mitmachen ein. In geraden Jahren werden zu den längeren Festivals auch musikalische Workshops angeboten, um Klezmermusik zu bewahren und weiterzugeben.

Um das musikalische Spektrum weiter auszureizen, hat Floritz dem Festival vor Jahren den Zusatz "Jewish Music Today" verpasst. Damit hat sie die Bühne im Fürther Kulturforum auch für jüdische Musiker geöffnet, die sich abseits von Klezmer weiterentwickeln. Zugleich halte sie das Festival für alle offen, die sich für die Musik interessieren oder sich mit jüdischer Kultur und Geschichte auseinandersetzen wollen. Deshalb sei es auch "kein jüdisches Festival", das etwa von einer jüdischen Gemeinde getragen werde.

Für die religionsüberschreitende Offenheit musste Floritz in der Vergangenheit schon mal Absagen von jüdischen Musikern einstecken, die nicht vor nichtjüdischem Publikum spielen wollten. Das habe sich aber in den letzten Jahren deutlich "liberalisiert". Andere Herausforderungen hatte sie mal mit chassidischen Musikern, die sich zur ultraorthodoxen Auslegung des Judentums bekennen. Koscheres Essen und Geschirr konnte das Kulturamt nicht bereitstellen. Das brachten die Chassiden dann selbst mit.

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