Wenn Werte unter Druck geraten

Es sind schwierige Tage für den interreligiösen Dialog. In der Nacht zum 29. September wurden an der Penzberger Moschee antimuslimische Schmierereien angebracht. Gleichzeitig eskaliert im Nahen Osten die Gewalt seit dem Angriff der Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023.

In diese Zeit fällt auch der 3. Oktober, der Tag der Deutschen Einheit, an dem bundesweit Moscheen ihre Türen öffnen – dieses Jahr unter dem Motto „Glaube als Kompass der Menschlichkeit“.

In Penzberg spricht an diesem Tag Regionalbischof Thomas Prieto Peral. Seine zentrale Botschaft: Nächstenliebe verbindet die drei abrahamitischen Religionen. Sie müsse "der Kompass sein für konkrete Menschlichkeit und Mitgefühl im täglichen Handeln", betonte der Theologe laut Pressemitteilung im Vorfeld seines Besuchs in der Islamischen Gemeinde Penzberg. Wo Kranke besucht, Bedürftigen geholfen, anderen zugehört und miteinander geteilt werde, "dort ist Gott", fügte Prieto Peral am Mittwoch hinzu.

"Wer Moscheen beschmiert, verachtet das Grundgesetz"

Die Worte des Theologen sind nicht abstrakt. Sie beziehen sich konkret auf die Schmierereien in Penzberg: "Wer Moscheen beschmiert, wer Menschen mit Kippa beschimpft, wer Menschen aufgrund ihrer Religion nicht zu diesem Land zählt, verachtet die Werte des deutschen Grundgesetzes." 

Zudem würdigte Peral in seiner Erklärung die Arbeit der Penzberger Moschee als "Ort der interreligiösen Verständigung, des Lernens, der Begegnung und des Gebetes". 

Sein Appell: Weder für Muslimfeindlichkeit noch für Antisemitismus dürfe es Raum geben. Der Tag der Deutschen Einheit erinnere daran, dass Freiheit und Demokratie aktiv verteidigt werden müssten – gegen spalterischen Nationalismus ebenso wie gegen religiösen Fanatismus. 

Das Leiden der Anderen sehen

Mit Blick auf den Nahostkonflikt hob Prieto Peral hervor, wie schwer es sei, inmitten eigener Schmerzen das Leid der Anderen wahrzunehmen. "Mitmenschlichkeit bedeutet, das Leiden der Anderen trotz eigener Leiderfahrungen wahrzunehmen", sagte er. Der Terror der Hamas müsse bekämpft, das humanitäre Völkerrecht jedoch gewahrt bleiben. Frieden könne es nur geben, wenn beide Völker eine Zukunftsperspektive hätten.

Aus seiner Arbeit mit traumatisierten Menschen weiß der Regionalbischof, wie schwierig das Zuhören in Konfliktsituationen ist. Umso mehr dankte er jenen, die das Gespräch suchen, Friedensgebete organisieren und Spannungen aushalten.

20 Jahre Islamisches Forum Penzberg

Der "Tag der offenen Moschee" wird seit 1997 vom Koordinationsrat der Muslime ausgerichtet. Jedes Jahr öffnen am 3. Oktober hunderte Moscheen bundesweit ihre Türen für Besucherinnen und Besucher.

In Penzberg fiel das Datum in diesem Jahr zudem mit einem Jubiläum zusammen: dem 20-jährigen Bestehen des Islamischen Forums.

Tag der offenen Moschee 2025 in Penzberg

Datum & Uhrzeit: 3. Oktober 2025, ab 11:00 Uhr
Ort: Islamisches Forum Penzberg
Programm: Rede von Regionalbischof Thomas Prieto Peral um 13:00 Uhr
Eintritt: frei

Weitere Informationen zu Veranstaltungen am Tag der offenen Moschee hier