Acht deutsche Städte sind im Rennen um den Titel "Kulturhauptstadt Europas 2025". Darunter ist auch Nürnberg. Der Leiter des Nürnberger Kulturhauptstadt-Bewerberbüros, Hans-Joachim Wagner, sprach bei einer kurzen Präsentation eine Einladung zu einer "außergewöhnlichen Zeitreise" aus. Man wolle gemeinsam das Nürnberg und Europa von Morgen erarbeiten, erlernen und erspielen, sagte Wagner.

Man habe in Nürnberg das Bewerbungsmotto "Past Forward" gewählt, weil eine ambivalente Vergangenheit das Selbst- und Fremdbild der Stadt bestimmten, erklärte Wagner. Nürnberg werde immer wieder zugeschrieben, die deutscheste aller deutschen Städte zu sein. Zugleich hätten aber 46 Prozent der Bewohner der Stadt eine internationale Geschichte und damit einen anderen Blick auf die Vergangenheit.

Fünf ostdeutsche und drei westdeutsche Städte gehören zu den Kandidaten:

Im Osten sind es Chemnitz, Dresden, Gera, Magdeburg und Zittau, im Westen Hannover, Hildesheim und Nürnberg.

Getreu dem Motto "In Vielfalt geeint" werben sie für Offenheit, Neuanfänge, gesellschaftlichen Zusammenhalt. Im Herbst 2020 soll feststehen, welche Stadt zur Kulturhauptstadt ernannt wird.

Der Titel "Kulturhauptstadt Europas" wird seit 1985 jeweils für ein Jahr von der Europäischen Union verliehen. Zwei Städte aus ausgewählten Ländern tragen pro Jahr diesen Titel. 2025 stellen Deutschland und Slowenien die Kulturhauptstadt. In diesem Jahr sind es das italienische Matera und das bulgarische Plovdiv. 1999 trug mit Weimar bereits eine deutsche Stadt den Titel.

Die Chemnitzer Oberbürgermeisterin Barbara Ludwig (SPD) warb bei einer öffentlichen Präsentation in Berlin mit der Geschichte ihrer Heimat unter dem Motto "Chemnitzer Aufbrüche", "Sächsisches Manchester" oder Karl-Marx-Stadt, Chemnitz sei in der Geschichte nach all den Aufbrüchen und Zusammenbrüchen immer wieder aufgestanden. Derzeit müsse die Stadt mit gesellschaftlichen Konflikten bis hin zu offener Gewalt umgehen. Nun gehe es darum, Bindungskräfte zu stärken und nicht die, "die uns durch Populismus auseinanderbringen wollen".

Dresden wurde von Elisabeth Kreutzkamm-Aumüller präsentiert, die sich als "Bäckerliesl" bezeichnete.

Unter dem Titel "Neue Heimat" wirbt Dresden für eine "neue Kultur des Miteinanders", wie Kreutzkamm-Aumüller sagt, während sie unrühmliche Episoden wie den Verlust des Unesco-Welterbe-Titels wegen eines Brückenbaus, Pegida-Demonstrationen und die aktuellen Wahlergebnisse aufzählte.

Der Titel der Kulturhauptstadt sei da "Mittel zum Zweck", da Heimat nicht von wenigen besetzt werden dürfe, sondern von allen gestaltet werden müsse.

Das ostthüringische Gera präsentiert sich wiederum als Stadt mit kulturhistorischem Erbe und neuen Ideen und wehrt sich gegen Klischees vom Niedergang einer vermeintlich abgehängten Provinz. Hannover schickte die britische Schauspielerin Hannah Gibson, die europäische Städte in englischer Sprache dazu aufrief, Europa angesichts des bevorstehenden Brexits zu stärken.

Mit einer Zuckerrübe, symbolisch für Wurzeln, stellte der Leiter des Bewerbungsbüros, Thomas Harling, die Stadt Hildesheim vor - als Provinz, die Lösungen für die Probleme finde, die die Metropolen Deutschland eingebracht hätten.

Magdeburg warb unter dem Motto "Stadt des Vakuums" mit dem Halbkugelversuch Otto von Guerickes im 17. Jahrhundert. Das Vakuum stehe für eine Kraft, die den Zusammenhalt der Menschen stärke, sagte Bewerbungsleiter Tamás Szalay. Zittau wiederum will stellvertretend für die Dreiländerregion Oberlausitz im Grenzgebiet zu Tschechien und Polen Kulturhauptstadt werden.

Der Titel der europäischen Kulturhauptstadt wird nach einem mehrstufigen Bewerbungsverfahren vom Rat der EU vergeben. Welche Städte es in die zweite Runde schaffen, wird am 12. Dezember bekanntgegeben. Im Herbst 2020 empfiehlt eine Jury schließlich eine der Kandidatenstädte für die Ernennung zur deutschen Kulturhauptstadt Europas.