RAF Camora eröffnet sein neues Album "Forever" mit einem biblischen Bild: dem Garten Eden. Schon der erste Song trägt diesen Titel.
Doch wie so oft bei dem österreichischen Rapper, der für eher düstere und melancholische Stimmungen steht, bleibt es nicht bei glänzend hellen Bildern. Sein "Eden” ist ein Paradies mit Rissen – durchzogen von Versuchungen, Zweifeln und dunklen Symbolen.
Verführungen im Paradies
Doch Eden bleibt nicht rein. Schon im Refrain tauchen die Symbole des biblischen Sündenfalls auf: Schlange, Apfel, Eva.
In der Genesis führen sie zum Bruch mit Gott, zur Vertreibung. Bei RAF verwandeln sie sich in moderne Versuchungen: Fitna – das arabische Wort für Zwietracht und Intrige – und Diamanten.
Das Paradies ist bei ihm nicht verloren, aber korrumpiert. Die biblischen Motive stehen für die Verlockungen von Luxus und für die Gefahr, dass Beziehungen von Misstrauen und Habgier durchzogen werden.
Der Rabe im Garten
Besonders aufschlussreich ist folgende Zeile:
"Raben im Garten, vor mein’ Apartment im Paradies".
Der Rabe ist RAF Camoras Lieblingstier und ein wiederkehrendes Symbol in seinem Werk, das auch das Albumcover ziert. Er steht für Dunkelheit, Unglück und Tod, aber auch für Intelligenz und Widerstandskraft.
Indem RAF den Raben mitten ins Paradies setzt, deutet er an: Seine Welt bleibt ambivalent. Auch im Eden gibt es Schatten, das Dunkle verlässt ihn nicht.
Erfolg ist kein Glück
Der Song ist durchzogen von rhetorischen Fragen: "Denkst du denn, Geld wächst auf Palmen?” – "Denkst du, ich hab’ Millionen geerbt?” Immer wieder wehrt RAF Camora die Vorstellung ab, sein Erfolg sei leicht erlangt worden.
Eden ist kein triviales Urlaubsparadies, das man über eine Buchungsplattform erreicht ("Ticket ins Paradies gibt’s auf Trivago?"). Es ist der mühsam erarbeitete Lohn einer langen Reise.
Während die Bibel Eden als Ort der Gnade beschreibt, setzt RAF auf Leistung und Disziplin.
Ein irdisches Paradies
In "Eden” spielt RAF Camora mit mythischen Bildern, erdet sie aber zugleich. Sein Paradies ist nicht himmlisch, sondern irdisch. Es ist eine Mischung aus Palmen, Luxus und Brüdertreue, durchzogen von Schlangen, Raben und der ständigen Gefahr des Verlusts.
So zeigt sich in "Eden” ein Künstler, der im Erfolg angekommen ist, ohne seine dunklen Begleiter ganz loszuwerden. RAF Camoras Paradies bleibt ambivalent – ein Ort der Ruhe, an dem jedoch immer noch dunkle Schatten lauern.