Die im oberbayerischen Raum heimische Formation bewies erneut, warum sie zu den profiliertesten Ensembles der europäischen Weltmusikszene gehört: technisch brillant, emotional dicht und mit einer Spielfreude, die von der ersten bis zur letzten Minute ansteckte.
Im Saal stand an diesem Abend neben den vier Kernmitgliedern – Mulo Francel (Saxophon, Klarinette, Mandoline), Andreas Hinterseher (Akkordeon, Bandoneon, Trompete), D. D. Lowka (Kontrabass, Percussion) und dem perkussiv wie melodisch agierenden Ensemble – ein besonderer Gast aus der Jazzszene: Philipp Schiepek an der Gitarre. Der aus Dinkelsbühl stammende Musiker (Jahrgang 1994) gehört zu den profiliertesten Gitarristen seiner Generation. Mit einem Studium in Würzburg und München sowohl in klassischer Gitarre als auch Jazz, über 100 Konzerten jährlich und Auftritten – unter anderem – beim Jazzfest Berlin oder in der Berliner Philharmonie ist er eine beeindruckende Größe im aktuellen Jazzbetrieb. Laut von D. D. Lowka ist Schiepek der "jüngste Professor für Jazz-Gitarre in Deutschland".
Von Bonhoeffer bis Bach
Das Konzert begann mit einer überraschenden und tief bewegenden Bearbeitung des bekannten Kirchenliedes "Von guten Mächten wunderbar geborgen". Diese Version war nicht nur technisch anspruchsvoll, sondern verströmte eine solche emotionale Tiefe, dass sie selbst gestandene Konzertgänger in ehrfürchtiges Schweigen versetzte. Bandchef Mulo Francel erinnerte in seiner Einführung an den Dichter Dietrich Bonhoeffer, der diese optimistischen Worte im Angesicht des nahenden Todes im Konzentrationslager Flossenbürg schrieb und, die bis heute kraftvolle Resonanz finden – und die Musik dieses Abends gab diesem Impuls mehr als nur einen akustischen Rahmen.
Als zweites Stück erklang "Maria durch ein Dornwald ging" in der Version, die Quadro Nuevo bereits auf ihrem Weihnachtsalbum präsentiert hat. Francel nutzte die Gelegenheit zu einer ebenso informativen wie charmanten Anmerkung: Anfang der 1990er Jahre kam dieses Lied nicht ins evangelische Gesangbuch. Angeblich, weil es der zuständigen Kommission "zu katholisch" erschien – ein Umstand, der vielen Anwesenden neue Perspektiven auf ein vertrautes Lied schenkte. Er fügte hinzu, dass es nun in das neue Gesangbuch aufgenommen werden solle – eine frohe Botschaft zur Adventszeit.
Stilistisch schwebte das Programm zwischen dem Barockeleganten und folkloristisch geprägten Klangkosmos. Besonders beeindruckend war die Interpretation von Johann Sebastian Bachs "Jesu, bleibet meine Freude", in der klassische Strukturen mit der offenen Klangsprache von Quadro Nuevo verschmolzen. Die Band betonte, wie sehr Bach ein prägender Einfluss auf ihr musikalisches Denken sei – und in dieser fulminanten, doch sensibel austarierten Version wurde dieser Einfluss für jeden deutlich hörbar.
Musette-Walzer und Ausflug nach Antiochia
D. D. Lowka nutzte seinen Bass an diesem Abend nicht nur in seiner traditionellen Funktion, sondern auch als rhythmisches Fundament, das zwischen perkussiver Energie und melodischer Tiefe oszillierte und dem Ensemble zusätzliche Impulse verlieh. Faszinierende Ausflüge führten die Zuhörer weiter zu Tango-Rhythmen und einem mitreißenden "Musette-Walzer", bei dem besonders Andreas Hinterseher glänzte: sei es am Akkordeon, Bandoneon oder sogar an der Trompete – immer eingebettet in ein Klanggewebe, das Spuren südlicher Musikkulturen ebenso bewahrte wie die Offenheit für neue Begegnungen.
Das letzte Stück des Abends war ein emotionaler Ausflug in die alte Stadt Antiochia, von Francel als erste Stadt genannt, in der Christen bereits um 72 n. Chr. eine christlich-orthodoxe Kirche bauten – heute zerstört durch ein Erdbeben vor wenigen Jahren. Diese musikalische Hommage verband Geschichte, Gegenwart und Musik in einem Moment, der lange nachklang.
Der Kulturboden Hallstadt bot zu diesem Konzert nicht nur eine akustisch einwandfreie Bühne, sondern auch einen Rahmen, in dem Zuhören und Erleben zu einer Einheit wurden – ein Raum, in dem Musik nicht nur gehört, sondern gefühlt werden konnte. Und während Quadro Nuevo sich langsam auf ihr 30-jähriges Bestehen im kommenden Jahr vorbereitet, bleibt der Eindruck eines Abends, der Tradition und Innovation in unverwechselbarer Weise verband.
Mehr über den Kulturboden Hallstadt und das Programm findet man auf der offiziellen Seite hier.