Die Weihnachtskrippe gehört zu den wohl bekanntesten Symbolen der Advents- und Weihnachtszeit. Ob in Kirchen, öffentlichen Räumen oder privaten Wohnzimmern – die kunstvollen Szenerien mit Menschen, Engeln und Tieren bringen die Weihnachtsgeschichte anschaulich zu den Menschen.

Doch woher stammt dieser Brauch eigentlich?

Die Anfänge: Franz von Assisi und die lebendige Krippe

Die heutige Form der Weihnachtskrippe geht maßgeblich auf den Heiligen Franz von Assisi zurück. Im Jahr 1223 stellte er in einer Höhle nahe des Klosters Greccio eine Futterkrippe auf, in der ein lebendiger Ochse und ein Esel standen, und legte Heu hinein. Vor dieser Szenerie hielt er eine Predigt über die Geburt Jesu. Franz von Assisi wollte damit vor allem den Gläubigen, die nicht lesen konnten, das Evangelium von Lukas bildhaft nahebringen. Auf diese Weise entstand ein geistliches Schauspiel, das später als "Krippenspiel" bekannt wurde – die Geburtsgeschichte Christi wurde szenisch dargestellt, ergänzt durch Hirtenspiele und Dreikönigsspiele.

Bereits früh hatten Vorläufer der Krippe existiert: Kaiserin Helena ließ im Jahr 335 eine Kirche am vermuteten Geburtsort Jesu in Bethlehem errichten, deren Wände die Geburtsgeschichte darstellten. Im Mittelalter gab es außerdem bildliche Darstellungen und liturgische Wechselgesänge, die die Heilige Nacht thematisierten. Dennoch gilt Franz von Assisi als Vater des Krippenbaus.

Die ersten Krippen in der Kirche

Eine der ältesten erhaltenen Krippen der Welt findet sich in Rom: Im Jahr 1291 stiftete der Kanoniker Pandolfo eine Kapelle im Seitenschiff von Santa Maria Maggiore, ausgestattet mit einem Altar und beweglichen Alabasterfiguren des Bildhauers Arnolfo di Cambio, die die Anbetung der Heiligen Drei Könige zeigen. Auch im 14. und 15. Jahrhundert entstanden kunstvolle Krippendarstellungen, darunter freistehende, vollplastische Figuren, die als Vorformen der modernen Krippe gelten.

Ab der Mitte des 16. Jahrhunderts verbreitete sich die Krippenkunst in ganz Europa. Besonders die Jesuiten trugen zur Popularisierung bei: 1560 wurde in Coimbra (Portugal) die erste Krippe des Ordens aufgestellt, 1562 folgte eine Ausstellung nördlich der Alpen in Prag. Im Rahmen der Gegenreformation förderten Jesuiten, Serviten und Franziskaner die Krippen, die fortan in katholischen Kirchen weit verbreitet waren. In Deutschland gelangten Krippen bald auch in Privathäuser führender Familien.

Vom Kirchenraum ins Wohnzimmer

Im 17. Jahrhundert begannen Handwerker, besonders im Südtiroler Grödental, Weihnachtskrippen aus Holz zu schnitzen. Sie fertigten Figuren der Heiligen Familie, Hirten, Tiere und Stallungen, die nach und nach in private Haushalte Einzug hielten. Im 18. Jahrhundert wurden Papierkrippen eingeführt, zunächst handbemalt, später maschinell gedruckt. Erst im 19. Jahrhundert setzte sich das Aufstellen von Krippen in den Familien durch; zuvor waren sie überwiegend kirchlich verankert.

Mit der Zeit wuchs die Vielfalt der Krippen: Neben der Heiligen Familie kamen Engel, Hirten und die Heiligen Drei Könige hinzu. Stallungen wurden mit Sternen, Verkündigungsengeln und regionalen Landschaften versehen. So entstanden die "Heimatkrippen" – beispielsweise die Alpen-Krippe oder die Südtirol-Krippe –, die die Geburtsgeschichte in die eigene Umgebung übersetzten.

Weihnachtskrippen heute

Heute sind Krippen aus der weihnachtlichen Dekoration nicht mehr wegzudenken. Sie werden aus Holz, Wachs, Ton oder modernen Materialien gefertigt, bemalt, lasiert oder vergoldet. Ob naturbelassen oder aufwendig dekoriert, jede Krippe erzählt ihre eigene Geschichte. Während traditionelle Krippen weiterhin die biblische Szenerie in den Mittelpunkt stellen, zeigen moderne Varianten auch kreative Interpretationen, oft mit regionalen Bezügen.

Neben den klassischen Weihnachtskrippen gibt es auch Jahreskrippen, Oster- oder Passionskrippen, die andere Ereignisse aus dem Leben Jesu darstellen. Ein jüngerer Brauch ist die "Krippenlegung" zu Beginn der Christmette: Kinder tragen eine Jesuskind-Puppe in einer feierlichen Prozession in die Krippe, begleitet von Liedern und Gebeten.