Der Muttertag 2026 fällt in Deutschland auf Sonntag, den 10. Mai 2026. Dass sich das Datum jedes Jahr verschiebt, hat dabei weder mit kirchlicher Liturgie noch mit Pfingsten oder dem Mondzyklus zu tun.

Die Erklärung ist deutlich profaner: Der Muttertag liegt schlicht immer auf dem zweiten Sonntag im Mai.

Ein beweglicher Sonntag – ohne religiöse Notwendigkeit

Im Unterschied zu vielen kirchlichen Feiertagen ist der Muttertag in Deutschland nicht an Ostern, Pfingsten oder einen anderen liturgischen Kalender gebunden. Auch wenn der Eindruck eines wandernden Feiertags leicht in diese Richtung führt, folgt er tatsächlich einer rein weltlichen Regel.

Die religiöse Aufladung, die gelegentlich mitschwingt, ist eher historisch indirekt. Sonntage haben in christlich geprägten Gesellschaften zwar traditionell eine besondere Bedeutung, der Muttertag selbst ist jedoch kein kirchliches Fest. Er ist – nüchtern betrachtet – ein importiertes und später kulturell angepasstes Ritual.

Herkunft mit Brüchen

Der moderne Muttertag hat seine Wurzeln im frühen 20. Jahrhundert. In Deutschland wurde er in den 1920er-Jahren durch Blumenhändler und Verbände nach US-Vorbild etabliert. Dort hatte die Sozialreformerin Anna Jarvis bereits zu Beginn des Jahrhunderts die Idee eines Ehrentags für Mütter angestoßen. Später übrigens kämpfte sie leidenschaftlich gegen dessen Kommerzialisierung.

Schon im Kaiserreich spielte Mütterverehrung als Teil national geprägter Familienideale eine Rolle – allerdings noch ohne festen Feiertagscharakter. Institutionell verankert wurde der Muttertag in Deutschland dann in der Weimarer Republik, bevor er im Nationalsozialismus propagandistisch aufgeladen und als Teil des Ideals der "deutschen Mutter" instrumentalisiert wurde.

Nach 1945 blieb der Muttertag in Westdeutschland bestehen. In der DDR wurde er hingegen durch den Internationalen Frauentag am 8. März ersetzt – verbunden mit einem deutlich politischeren Selbstverständnis.

Warum eigentlich kein festes Datum?

Hier wird es interessant: Warum besitzt ein gesellschaftlich so breit verankerter Ehrentag kein festes Datum – wie etwa der 1. Mai (Tag der Arbeit) oder der 3. Oktober (Tag der Deutschen Einheit)?

Ein Blick ins Ausland zeigt unterschiedliche Modelle. In einigen Ländern ist der Muttertag fest datiert, etwa am 8. März in Russland oder der Ukraine oder am 21. März als arabischer Muttertag. Gleichzeitig folgt ein großer Teil der Welt dem deutschen beziehungsweise US-amerikanischen Modell eines beweglichen Termins: In den USA fällt der Muttertag ebenfalls auf den zweiten Sonntag im Mai. Andere Staaten wiederum setzen auf eigene feste oder bewegliche Sonntagsregelungen.

Der zweite Sonntag im Mai hat dabei einen pragmatischen Nebeneffekt: Er liegt bewusst außerhalb eines gesetzlichen Feiertagsrahmens und bleibt Teil eines normalen Wochenendes. Und genau das erzeugt jedes Jahr aufs Neue denselben Effekt: Der Muttertag kommt gefühlt überraschend – obwohl er im Kalender längst feststeht.