Am 21. Mai können sich Schülerinnen und Schüler, Studierende und Brancheneinsteiger auf der Messe "Media For You" über eine Karriere in der Medienwelt informieren. Zu Workshops und Gesprächen im Gemeinschaftshaus Langwasser in Nürnberg lädt "Start Into Media" ein, eine Initiative der Medien.Bayern GmbH in München. Teamlead Miriam Schüssler erklärt im epd-Gespräch, was junge Menschen heute von einem Medienjob erwarten und was man mitbringen muss, um erfolgreich in der Branche durchzustarten.

Frau Schüssler, wie sind Sie zu den Medien gekommen?

Miriam Schüssler: Über Umwege, wie viele, die ich in der Medienbranche kennengelernt habe. Ich habe Germanistik und Kunstgeschichte studiert, weil ich nach der Schule nicht so richtig wusste, was ich machen soll. Nach dem Bachelor habe ich bei der Mittelbayerischen Zeitung in Regensburg ein Praktikum gemacht. Dann habe ich über Bekannte das Institut für Rundfunktechnik in München kennengelernt, wo ich 2014 ein Volontariat in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit gemacht habe.

Danach wurde ich von der Bayerischen Landeszentrale für Neue Medien angesprochen, wo ich inzwischen seit 2022 das Team von Start Into Media leite. Wir kümmern uns um das ganze Thema Aus- und Weiterbildung in den Medien. Das hätte ich mir damals als junger Mensch sehr gewünscht, deshalb wollte ich das unbedingt machen.

Da scheinen persönliche Kontakte eine wichtige Rolle gespielt zu haben?

Ich glaube, das ist etwas, was total wichtig ist und was ich immer wieder feststelle: Je mehr man mit Leuten spricht und draußen ist, desto mehr Chancen haben auch andere Leute, dich anzusprechen.

"Den Face-to-Face-Kontakt kann kein LinkedIn und keine WhatsApp-Community ersetzen."

Heute gilt das meiner Meinung nach noch mehr als vor 15 Jahren.

Das ist auch eins der Ziele der Karrieremesse "Media For You". Was wollen Sie mit der Messe noch erreichen?

Wir wollen etwas zum Anfassen geben. Natürlich kann man alles online finden und sich von der KI alles erklären lassen oder Videos gucken, aber was da fehlt, ist das persönliche Gespräch. Oft sind junge Menschen dabei aber unsicher. Deshalb wollen wir einen Raum schaffen, wo man zum Thema Karriere in den Medien mit Menschen von uns kuratiert in Kontakt kommen kann.

In der Ausstellung können Berufe auch ganz praktisch ausprobiert werden. Interessierte können zum Beispiel Fernsehkameras bedienen oder in Workshops lernen, wie man Moderationen schreibt.

Wie sieht es generell mit der Nachwuchsgewinnung in der Medienbranche aus?

Für viele Unternehmen ist es ein neues Feld, weil sich viel geändert hat und viele gar nicht mehr genau wissen, welche Profile sie eigentlich von Menschen brauchen, die bei ihnen arbeiten wollen. Auf der anderen Seite ist es für junge Menschen sehr gut, weil sie gerade im technischen Bereich viele Skills mitbringen, die alteingesessene Kolleginnen und Kollegen erst noch lernen müssen. Inzwischen hat fast jedes Unternehmen eine eigene Medienabteilung, weil alle medial präsent sind. So kann man relativ schnell neue Wege aufmachen.

Trotzdem gehen laut dem Bayerischen Journalistenverband seit Jahren die Bewerbungszahlen für Volontariate zurück. Welche Probleme schafft das beispielsweise im Journalismus?

Das ist nicht nur ein Problem für einzelne Medienhäuser, sondern für die gesamte Branche. Die Medien sind die sogenannte vierte Gewalt in der Demokratie, die eine kontrollierende Funktion ausübt. Wenn das erodiert, ist das ein großes Problem.

"Wir brauchen unbedingt Nachwuchs in den Medien und junge Menschen, die nicht nur einen Job wollen, sondern auch sehen, was eine freie Presse und eine freie und starke Medienlandschaft für einen Wert haben."

Wo gab es im Bereich Berufseinstieg die größten Veränderungen in den letzten Jahren?

KI ist ein großes Thema. Sehr viele Unternehmen haben verstanden, was KI kann. Manche überschätzen es auch. Aus Erfahrung würde ich sagen, wird das Pendel wieder zurückschwingen. Der Vorteil ist, dass KI dauerhaft Routinen ersetzen kann - was eine große Chance für Einstiegsjobs ist, denn die langweiligen und zeitaufwändigen Arbeiten werden oft an das untere Ende der Nahrungskette delegiert.

Zugleich braucht es Menschen, die ein Verständnis für die Technologie haben und die KI richtig bedienen können. Für die Identifikation mit den Usern sind außerdem Persönlichkeiten wichtig, das stellen derzeit viele Marken fest.

Auch die Berufsbilder haben sich sehr gewandelt, hin zu Jobs, bei denen man als Influencer mit der eigenen Persönlichkeit im Fokus steht, vor allem im Marketing. Was bedeutet das für Jobs, die eher im Hintergrund stattfinden?

Ganz viele von den jungen Menschen haben überhaupt kein Interesse daran, vor einer Kamera oder im Mittelpunkt zu stehen. Es gibt immer diejenigen, die das möchten, und das wird auch gebraucht. Für alle anderen müssen wir genau die Berufe sichtbarer machen, die mehr im Hintergrund stattfinden.

Welche Erwartungen haben junge Menschen heute an einen Medienjob?

Es werden viele neue Bedürfnisse geäußert, die ich absolut gerechtfertigt finde.

"Einerseits gibt es das Bedürfnis nach Verantwortung und danach, mehr gesehen zu werden. Andererseits wollen sie mehr Work-Life-Balance."

Das sind Dinge, die uns auch gesellschaftlich sehr guttun würden. Man muss den jungen Menschen aber auch fair erklären, dass es in bestimmten Berufen oder Projektzyklen Phasen gibt, in denen diese Ansprüche nicht umgesetzt werden können.

Ich stelle aber fest: Je mehr man sich mit seinem Beruf identifiziert, desto mehr ist man auch gewillt, die eigenen Interessen zeitweise hinter die gemeinsame Sache zu stellen. Es ist auch ein ganz großes Thema, Berufseinsteigern Soft Skills wie Belastbarkeit beizubringen.

Die Bedingungen in der Medienbranche sind schwierig. Es gibt wenige Stellenausschreibungen, viele Medienhäuser bauen in großen Zahlen Stellen ab, für das Volontariat gibt es keine einheitlichen Standards. Kann man jungen Menschen überhaupt guten Gewissens empfehlen, in die Medien zu gehen?

Ich finde, jeder sollte den Beruf wählen, mit dem er sich identifiziert und wo er sich entfalten kann. Denjenigen, die aus Überzeugung in den Medien arbeiten wollen, sollte man es auf jeden Fall empfehlen. Es gibt viele verschiedene Möglichkeiten und wer sich hier ausbilden lässt, bekommt Skills, die an vielen Stellen hilfreich sind. Wir haben heute ja sehr vielfältige Berufsbiografien.

In fünf Stichworten: Was sollte man mitbringen, um erfolgreich in die Medienwelt zu starten?

Man sollte bereit sein, sich dauerhaft weiterzuentwickeln und Neues zu lernen. Haltung ist ein ganz wichtiger Punkt, dazu technologisches Verständnis, Urteilsfähigkeit, gerade mit Blick auf KI und Fake News, und Nutzerverständnis.