Krieg im Iran, die Epstein-Akten, erstarkende rechte und rechtsextreme Parteien, Gewalttaten, Katastrophen, steigende Lebenshaltungskosten, Hass und Hetze. Wer durch soziale Medien scrollt oder Nachrichten liest, wird täglich mit negativen Schlagzeilen konfrontiert.
Kein Wunder, dass man sich in dieser Spirale aus Krisen und Katastrophen schnell verliert – besonders, wenn man viel Zeit online verbringt. Natürlich existieren all diese Probleme real. Doch die dauerhafte Konfrontation damit, das ständige Sorgenmachen und Grübeln kann unsere psychische Gesundheit erheblich belasten.
Wie können wir also kleine Inseln der Erholung schaffen, obwohl vieles auf der Welt gerade aus dem Gleichgewicht geraten scheint?
1. Bewusste Handypause: Warum Nachrichtenpausen der Psyche guttun
Legt das Smartphone bewusst zur Seite. Schaut euch eine Serie oder einen Film ohne Nebenbei-Scrollen an, taucht in eine andere Geschichte ein und gönnt euch eine echte Auszeit.
Ihr müsst nicht permanent informiert sein. Es ist völlig in Ordnung, einen Tag – oder auch mehrere – ohne aktuelle Nachrichten zu verbringen. nformiert zu bleiben ist wichtig. Dauerbeschallung dagegen nicht.
2. Den Algorithmus neu "füttern": So durchbrichst du die Negativspirale im Feed
Instagram, TikTok und Co. registrieren sehr genau, womit wir uns beschäftigen. Wer viele Inhalte zu Krieg, True Crime oder politischen Krisen konsumiert, bekommt davon immer mehr angezeigt. Irgendwann besteht der gesamte Feed nur noch aus diesen schweren, belastenden Themen.
Versucht daher, euren Algorithmus aktiv umzuprogrammieren: Mehr Inhalte zu euren Hobbys, mehr Humor, mehr Leichtigkeit und vielleicht eure Lieblings-Creator:innen. Ernsthafte Nachrichten zwischendurch reichen meist aus, um informiert zu bleiben.
Ihr könntet beispielsweise auch TikTok hauptsächlich für Unterhaltungsinhalte nutzen und bei Instagram mehr in die Tiefe gehen oder umgekehrt.
3. Digital-Detox-Apps: Wie kleine Pausen Doomscrolling stoppen
Seien wir ehrlich: Unsere Bildschirmzeit ist oft höher, als uns guttut. Ein großer Teil davon entsteht durch unbewusstes Doomscrolling.
Hier können Apps hilfreich sein, die diesen Automatismus unterbrechen. Hier haben wir schon einmal fünf Möglichkeiten für eine bewusste Handynutzung gesammelt.
Eine bekannte Anwendung ist OneSecond. Sie baut vor dem Öffnen bestimmter Apps eine kurze Pause von beispielsweise sechs Sekunden bewusstem Atmen ein. Danach könnt ihr neu entscheiden, ob ihr die Anwendung wirklich öffnen möchtet. Diese kleine Unterbrechung kann verhindern, dass man sich gedankenlos im Scrollen verliert.
4. Rausgehen und reden: Bewegung und echte Begegnungen gegen Gedankenspiralen
Das klingt simpel, wirkt aber: Bewegung und soziale Kontakte holen uns oft aus Gedankenspiralen heraus. Ein Spaziergang in der Mittagspause, ein Kaffee mit Freund:innen oder ein Treffen im Park können die Perspektive oft verändern.
Ja, weltweit geschehen erschütternde Dinge. Und trotzdem darf unser eigener Alltag weitergehen. Frische Luft, Gespräche und kleine Momente der Normalität helfen dabei, Sorgen und Zukunftsängste zu relativieren.
5. Stoische Gelassenheit: Was du beeinflussen kannst – und was nicht
Warum beschäftigen wir uns stundenlang gedanklich mit Situationen, die wir nicht beeinflussen können? Die Philosophie der Stoa lehrt, zwischen Kontrollierbarem und Unveränderbarem zu unterscheiden. Wer im Stau steht, kann wütend sein oder gelassen bleiben – an der Wartezeit ändert das nichts. An der eigenen Stimmung jedoch schon.
Das bedeutet natürlich nicht, sich von weltweiten Krisen abzuwenden oder gleichgültig zu werden. Informieren, engagieren, wählen gehen und helfen, wo es möglich ist, bleibt wichtig. Aber nächtelanges Grübeln über Ereignisse, auf die wir keinen Einfluss haben, schadet mehr, als es nützt. Ein gewisses Maß an Gelassenheit schützt unsere Psyche und ermöglicht es uns möglicherweise, mit klarem Kopf und vernünftiger Distanz zu handeln.
Keiner dieser fünf Ansätze ist eine Wunderlösung. Als empathische Menschen berühren uns die Schicksale anderer, und eine Welt in Unruhe lässt niemanden kalt. Umso wichtiger ist es deshalb, sich bewusst Pausen zu erlauben. Freude zu empfinden, zu lachen oder einfach abzuschalten, ist kein Zeichen von Gleichgültigkeit. Es ist Selbstfürsorge.