2.11.2020
Nürnberg

Mehr als leere Flaschen - Nürnberger Berufsschüler stellen Pfand-Tonne zugunsten des "Straßenkreuzer" auf

In einer großen roten Tonne landen in einer Nürnberger Berufsschule seit diesem Schuljahr die leeren Wasser- und Limonadenflaschen. Eine Aktion für einen guten Zweck.

Die Idee ist aus einem Workshop der SMV heraus entstanden. An der Nürnberger Berufsschule B6 für Druck- und Medientechnik waren im vergangenen Schuljahr Schülerinnen und Schüler, Lehrerinnen und Lehrer, Schulleiter und Hausmeister schnell überzeugt: Statt im Müll landet Leergut jetzt in einer großen roten Tonne. Ihr Inhalt wird abgeholt, und der Erlös an die Sozialzeitung "Straßenkreuzer" gespendet.

Zwei Arbeitsplätze könnten damit mitfinanziert werden, erklärt Sami Salih von der "Schülermitverantwortung" (SMV).

Projektarbeit an der Berufsschule B6

Schulleiter Reinhold Burger blickt dankbar auf seine Schulgemeinschaft, die jedes Jahr mehrere Projekte auf die Beine stellt.

Bei "Spende dein Pfand" gehe es auch darum, einen Blick in die Region werfen, sagt er. "Es steckt mehr hinter diesem Projekt, als ein paar leere Flaschen, die in Tonnen geworfen werden". Es werde etwas umgesetzt, das auch Wirkung habe.

Ein solches Projekt sei gerade in einer Berufsschule herausfordernd, stellt der Schulleiter fest. Die Schülerinnen und Schüler sind nicht immer da, meist nur einen Tag in der Woche.

Die Bedeutung der Projekte

Für die junge Generation der Lehrerinnen und Lehrer habe Schule einen ganz anderen Anspruch, der über reine Wissensvermittlung hinausgeht, hat der Schulleiter festgestellt.

Sie wollen auch soziale und Umweltaspekte im und außerhalb des Unterrichts umsetzen. "Sie wollen nachhaltig helfen und Herz zeigen für Menschen, die in der Gesellschaft nicht jeder akzeptiert", so Burger.

Die Aktion ermögliche Begegnung und Austausch, erklärt Verbindungslehrerin Lena Angermann. "Wie kommt es eigentlich, dass jemand auf der Straße lebt?" Dazu soll ein Erfahrungsaustausch ein nächster Schritt sein.

Stärkung des Zusammenhalts

Ganz im Sinne des Schulleiters, der zwar weiß, Schulen stecken aktuell einen Großteil ihrer Energie in die Bewältigung der Corona-Krise.

Ihm sei es aber ein Anliegen, normales Schulleben dabei nicht untergehen zu lassen. Burger hat die Sorge, "Menschen könnten sich mit dem physisch gehaltenen Abstand auch allgemein auseinanderleben".

"Motivation, Gemeinschaft und einfach loslegen"

Dem Pfandprojekt würde er wünschen, dass sich ihm andere Schulen anschließen. Dazu brauche es aber eine Schulgemeinschaft, "die dahintersteht", sagt Verbindungslehrerin Angermann.

Für Schülersprecher Salih ist das Wichtigste die Motivation. "Das Ganze muss schmackhaft gemacht werden." "Nehmt die mit, die Bock haben", rät Salih Nachahmern.

Die drei sind sich einig: Veränderung lebe von "Motivation, Gemeinschaft und einfach loslegen".

Resonanz auf das Projekt

In der Berufsschule B6 hat es erst etwas gedauert, bis die Tonne angenommen wurde.

Das Schülercafé war wegen Corona geschlossen und im Pausenbereich, wo auch die Tonne steht, war der Aufenthalt stark eingeschränkt. Das neue Schuljahr läuft zwar erst seit wenigen Wochen, doch bisher füllen die Schülerinnen und Schüler gut die Tonne mit ihren Pfandspenden.

Mit Unterstützung des Fördervereins werde man voraussichtlich die Zahl der Tonnen um drei weitere aufstocken. Eine Schülerin werde Plakate erstellen, um die Aktion in der Schule zu bewerben, erzählt Salih. 

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