14.03.2019
Berufswahl

Das Patenmodell - Hilfe für Schülerinnen und Schüler bei Berufswahl

Wer heutzutage Probleme hat, sucht sich einen Coach. Wer kein Geld hat, muss aber nicht verzweifeln. Besonders nicht, wer über seine berufliche Zukunft nachdenkt. Schülerinnen und Schüler ab der 8. Klasse, aber auch Langzeitarbeitslose können bei Paten Hilfe holen. Das Patenmodell gibt es bundesweit und ist eine Initiative der Diakonie - wie in Landshut.
Peter Dierl (1.v.links) koordiniert das Patenmodell in Landshut. Er fragt u.a bei Schulen nach dem Bedarf, was Kontaktlehrerin Ramona Schneider (Wirtschaftsschule Seligenthal) gerne weiterleitet. Diesen Jahrgang haben sich eine Schülerin und zwei Schüler gemeldet. Seither wird Lalzada (2.v.r.) von Unternehmer Norbert Berthold bei seiner Berufswahl unterstützt. Ein Audio-Beitrag von Elke Zimmermann.

Seit über zehn Jahren engagiert sich Peter Dierl schon für das Patenmodell. Er vermittelt im niederbayerischen Landshut und Umgebung ehrenamtliche Paten und junge Menschen auf Berufssuche. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich um Jugendliche mit typischen Pubertätsproblemen, Sprachschwierigkeiten oder sozialen Problemen handelt. Ab der 8. Klasse können sie sich beim Patenmodell melden, Peter Dierl vermittelt einen Paten oder eine Patin.

Dabei handelt es sich um ein Erfolgsmodell. "In 50 bis 60 Prozent der Fälle gibt es einen nachweislichen Erfolg", so Dierl. Dafür stehen die Paten. Unternehmer Norbert Berthold hat in seiner Laufbahn schon viele Bewerbungsgespräche geführt und eines Tages wollte er die Seiten wechseln und den jungen Menschen Tipps geben, wie sie es besser machen könnten. Seit über fünf Jahren nimmt er Schulabgänger unter seine Fittiche und berät sie. "Manche wissen schon sehr genau, was sie wollen. Da geht es nur um eine Feinabstimmung. Andere aber haben gar keinen Plan", stellt er fest. Aber genau das ist auch das Reizvolle, einen Plan für seine Paten"kinder" hinzubekommen, damit sie eine bessere Zukunft haben können.

"Wir können es uns nicht leisten, auch nur ein Talent zu verlieren"

Derzeit betreut Norbert Berthold den Schüler Lalzada. Der kam als unbegleiteter, minderjähriger Flüchtling nach Landshut. Seit drei Jahren besucht er die Wirtschaftsschule Seligenthal. Obwohl er sehr gut in der Schule ist, liegt sein Traumberuf in ganz weiter ferne, das hat er schon gemerkt. Er wollte immer Arzt werden. Aber im Gespräch mit seinem Paten hat er mittlerweile bemerkt, dass er noch ein anderes Talent hat: Er kann gut mit Menschen umgehen, Kontakt ist für ihn sehr wichtig. Also möchte der junge Afghane erstmal in den Einzelhandel. "Hier kann ich mich auch immer weiterbilden. Das ist mir sehr wichtig."

Den Tipp, dass es die Paten gibt, bekam der Schüler von der Kontaktlehrerin Ramona Schneider. Sie betont, dass die Schülerinnen und Schüler zwar auch im Unterricht viel über Bewerbungen, Berufswahl und - möglichkeiten erfahren. "Aber wir nützen natürlich jede Möglichkeit, damit unsere Schülerinnen und Schüler einen möglichst guten Ausbildungsplatz finden."

Für Lalzada wünschen alle Beteiligten, dass die Behörden ein Einsehen haben und ihm mehr Rechtssicherheit zugestehen, damit er seine Ausbildung fertig machen kann, ohne ständig von Abschiebung bedroht zu sein. Das ist die größte Sorge des jungen Mannes. Denn durch seinen Paten hat er jetzt ein Ziel gefunden, auf das er sich gerne konzentrieren würde. Norbert Berthold macht sein Patenamt große Freude. "Aber es ist auch wichtig für die Gesellschaft. Wir können es uns nicht leisten, auch nur ein Talent zu verlieren."

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