8.11.2018
Kinder

Ein Hund unterstützt Schüler in Mitterteich beim Lesen

Er ist kein Vorleser, sondern der beste Zuhörer: Wenn Lesehund Buddy im Klassenraum ist, macht den Kindern der Grundschule Mitterteich das laute Vorlesen wieder Spaß.
Lesehund
Die Grundschule Mitterteich hat seit diesem Schuljahr einen Vierbeiner engagiert, der den Kindern die Angst vorm Vorlesen nehmen soll.

Es ist Montagvormittag, kurz nach halb zwölf. Die Schulglocke läutet, die Pause ist aus. Zahlreiche Kinder kommen angestürmt. Ihr Ziel: Buddy! Ein sieben Jahre alter, kohlrabenschwarzer Labrador und der erste Lesehund an einer Grundschule im Landkreis Tirschenreuth.

Seit diesem Schuljahr gibt es jeden Montag an der Grundschule in Mitterteich einen Leseclub. Eine kleine Gruppe von Kindern liest gemeinsam mit einem Lehrer Bücher; immer mit von der Partie: Lesehund Buddy und seine Besitzerin Bettina Bergauer. Die Kinder sitzen in einem Stuhlkreis, in der Mitte ist ein Kissen, auf dem es sich Buddy schon längst bequem gemacht hat.

Der Lehrer liest den Text, den er für heute ausgewählt hat, laut vor. Im Anschluss sind die Kinder dran. Wer sich traut, den Text laut vorzulesen, darf sich in die Mitte zu Buddy setzen, ihn kraulen, sich an ihn lehnen und eben den Text laut vorlesen. Dabei halten sich Bettina Bergauer und die zweite Lehrkraft dezent im Hintergrund. Nach ein paar Zeilen ist das nächste Kind dran.

Lesehund muss ruhig und friedfertig sein

Für den Labrador ist es offenbar sehr entspannend, nach nur fünf Minuten liegt der Vierbeiner schnarchend auf dem Kissen. "Das ist auch die wichtigste Voraussetzung für einen Lesehund: Er muss besonders ruhig und sehr friedfertig sein", erklärt Bettina Bergauer, die seit drei Jahren als Drittkraft an der Grundschule Mitterteich arbeitet. Nicht jeder Hund ist als Lesehund geeignet, er müsse besondere Charaktereigenschaften mitbringen, wie Gehorsam, Wesensfestigkeit, Belastbarkeit und soziales Verhalten gegenüber Menschen. "Kinder können manchmal sehr stürmisch sein. In solchen Situationen muss ein Lesehund entspannt bleiben, darf nicht bellen, knurren, schnappen oder beißen." Alles Dinge, die für Buddy kein Problem sind. Seine Besitzerin sagt lachend über ihren Liebling: "Wenn er kein Hund wäre, wäre er gewiss ein Schaf geworden."

Doch wie kam es dazu, dass es an der Grundschule Mitterteich einen Lesehund gibt? Die Schulleitung sowie Bettina Bergauer wollten den Kindern das Lesen näherbringen. "Die Kinder sollten aber auch Spaß daran haben, also recherchierten wir im Internet. Schließlich sind wir auf den Lesehund-Verein München gestoßen", beschreibt Bergauer den Hintergrund zum Leseclub. Das Thema ließ die Besitzerin mehrerer Hunde nicht mehr los. "Buddy erschien mir da einfach als super geeignet, er ist sehr friedfertig und liebt Kinder."

Bettina Bergauer meldete sich und Buddy bei einem zweitägigen Lesehund-Workshop an, der vom Lesehund-Verein München angeboten wird. Am ersten Tag gab es für die Hundebesitzerin wichtige Infos: "Wir wurden theoretisch geschult. Es ging unter anderem darum, welche Texte wir mit den Kindern lesen können. Aber auch rechtliche Fragen wurden thematisiert. Falls Buddy doch einmal zuschnappen sollte." Am zweiten Tag hat eine Hundetrainerin, die auch Tierärztin ist und sich auf Verhaltenstherapie bei Hunden spezialisiert hat, Buddy auf Herz und Nieren getestet. Dabei wurde überprüft, wie sich der sieben Jahre alte Labrador gegenüber anderen Tieren, aber eben auch gegenüber Menschen verhält.

"Die Kinder lieben Buddy"

Auch sein Verhalten in Stresssituationen wurde getestet. "Hört Buddy auf mich? Sind meine Kommandos klar? Auch das hat die Tierärztin überprüft", berichtet Bergauer. Wie der Zufall es wollte, war zu dieser Zeit in München eine Demonstration. "Bierkrüge flogen, Leute haben Buddy angerempelt. Aber er ist ruhig geblieben und hat alles perfekt gemeistert."

Der siebenjährige Louis kommt gerne in den Leseclub: "Ich mag Hunde, und es gefällt mir, zu lesen. "Die Kinder lieben Buddy. Sie können mit ihm kuscheln, ihn streicheln; aber das Gute oder Besondere an einem Lesehund: Ein Vierbeiner kritisiert die Kids beim Vorlesen nicht", beschreibt Bettina Bergauer die Vorteile.

Lesehunde könnten Kindern helfen, die Angst vorm Vorlesen zu verlieren, ihre Lesefähigkeit zu verbessern, die Freude am Bücherlesen zu entdecken, bessere Noten in der Schule zu erhalten und selbstsicherer im Umgang mit Mitmenschen zu werden. Viele Kinder hätten daheim gar keine Haustiere mehr. "Mit Buddy lernen die Kinder Verantwortung und den richtigen Umgang mit Hunden", ergänzt Bergauer.

Inzwischen ist Buddy der Star an der Grundschule Mitterteich. "Wir hatten so viele Anmeldungen für den Leseclub, dass wir die vielen Kinder in Gruppen aufteilen mussten. Die einen dürfen jetzt im ersten Halbjahr, die anderen im zweiten Halbjahr kommen."

Weitere Artikel zum Thema:

Blindenhunde

Autor
"Such ascensore" - wenn Daniel Puff mit Blindenführhündin Lotta unterwegs ist und einen Fahrstuhl sucht, spricht der Nürnberger Italienisch. Rund 40 Befehle hat das Tier in dieser Sprache gelernt. Hilfreich, damit der Hund nicht in der Öffentlichkeit von zufälligen Kommandos auf fränkisch verwirrt wird. Das ist nur einer der Tricks, die Blindenführhunde während ihrer Ausbildung lernen.