28.06.2018
Von Landshut ins Hasenbergl

Felix Reuter ist neuer Dekan im Münchner Norden

Von Landshut nach München: Am 1. Juli fängt Felix Reuter als Dekan im Münchner Norden an. Im flächenmäßig größten Prodekanat der Landeshauptstadt ist der 41-Jährige für 14 Gemeinden mit 48.000 Mitgliedern zuständig.
Dekan Felix Reuter
Dekan Felix Reuter vor dem Portal der Evangeliumskirche im Hasenbergl.

Es sind gerade turbulente Zeiten im Leben von Felix Reuter. Nur einen Monat nach dem Umzug von Landshut ins Hasenbergl wird sich sein 16-jähriger Sohn Noah ins Highschool-Jahr nach Pennsylvania, USA, verabschieden. "Ich finde es cool, dass er das macht, denn ich bin eher der verwurzelte Typ", sagt Reuter bewundernd. Zugleich bekommt die geschrumpfte Familie um Felix, Ehefrau Kerstin und dem 13-jährigen Ben Zuwachs – Mischlingshündin Luna ist trächtig und wird der Pfarrwohnung eine Welpen-Kinderstube bescheren.

"Kirche muss für Kinder ein Ort zum Wachsen sein"

Vieles dreht sich also gerade um Kinder jeden Alters, und das passt wiederum genau zu Felix Reuters Herzensanliegen als Pfarrer. Schon in der Christuskirche Landshut war die Kinder- und Jugendarbeit sein Schwerpunkt. Ob Konfi-Konzept oder Kirchen-WG: "Als Kirche müssen wir einen Rahmen schaffen, damit wir für junge Menschen ein Ort sind, an dem sie andocken und sich entwickeln können", findet Reuter.

Es sei das große Pfund von Kirche, dass sie jenseits vom schulischen Leistungsdruck "einfach da sein" könne. Und weil das Dekansamt nur gut die Hälfte seiner neuen Stelle ausmacht, will er sich auch künftig als Gemeindepfarrer der Evangeliumskirche besonders um Kinder und Jugendliche kümmern. Dass der Lenny-Kravitz-Fan mit einer großen CD-Sammlung ins Pfarrhaus zieht und gern laute Musik hört, ist dabei bestimmt kein Nachteil.

Von der Jugendarbeit in Dachau zum Dekan in München-Nord

Reuters beruflicher Werdegang hat vor über 20 Jahren ebenfalls in der Jugendarbeit begonnen – als Aktiver der Friedenskirche Dachau, die er nun als Dekan zu seinem Pfarrkapitel im Prodekanat Nord zählt. Seinen ursprünglichen Wunsch, Anglistik zu studieren, habe er spätestens bei der Einschreibung an der Uni verworfen: "Die Schlange bei den Anglisten war endlos", erinnert er sich. Also folgte er seiner anderen Leidenschaft und schrieb sich für evangelische Theologie ein.

Das Studium in München war unterbrochen von einem Auslandsjahr im schottischen Edinburgh. Nach der Uni verschlug es den Taizé-Freund als Vikar nach Germering. Von dort schickte ihn die Landeskirche 2007 als Pfarrer an die Christuskirche in Landshut, wo er 2012 die zweite Pfarrstelle samt Pfarramtsleitung übernahm.

Zwischen KZ-Gedenkstätte und Hochschulseelsorge

Nach elf Jahren in Niederbayern zieht Felix Reuter nun also wieder isaraufwärts in seine Geburtsstadt. Das Prodekanat Nord erwartet ihn mit einer großen Vielfalt: Von den gut bürgerlichen Gemeinden wie Dachau oder Garching bis zu den ehemaligen sozialen Brennpunktvierteln Hasenbergl oder Harthof; von den Stadtgemeinden bis hinaus zur Landgemeinde Petershausen; von der KZ-Gedenkstättenarbeit in Dachau bis zur Hochschulgemeinde der TU. "Ich finde diese Mischung aus unterschiedlichen Strukturen und Milieus unheimlich spannend", sagt der neue Dekan. Gerade mit seiner Stadt-Land-Mischung sei das Prodekanat Nord quasi eine Miniaturausgabe der Landeskirche.

Eine Baustelle übernimmt er im Hasenbergl besonders gern: den Umbau der Evangeliumskirche, deren Architektur es dem Hobbyfotografen besonders angetan hat. "Durch die große Fensterfront hinter dem Altar hat man den Eindruck, dass sich der rechteckige Raum zur Stirnseite hin öffnet", schwärmt Reuter.

Enge Kooperation mit der Diakonie Hasenbergl

Eine Kirche, die sich öffnet – das ist auch im übertragenen Sinne ganz nach seinem Geschmack. Deshalb freut er sich darüber, dass mit dem Denkmalschutz nun doch noch Lösungen gefunden wurden, um den geplanten Einbau von Gemeinderäumen im hinteren Drittel des Kirchenschiffs zu verwirklichen. So soll Platz geschaffen werden für eine auch räumlich engere Kooperation mit der Diakonie Hasenbergl. "Diakonie und Kirche sind rechte und linke Hand unseres Glaubens", sagt Reuter, "es wäre eine vertane Chance, wenn sie auseinanderdriften."

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