Silke Aichhorn gehört zu den aktivsten Harfenistinnen in ganz Europa. Sie spielt bei Beerdigungen oder Preisverleihungen, gibt Konzerte in Kirchen, Konzertsälen, Schlössern und Privathäusern. Klar, dass es da häufig zu schier unglaublichen Geschichten bei den Absprachen und ihren Auftritten kommt.
Schon allein zur geistigen Hygiene hat sie damit angefangen, diese Geschichten aufzuschreiben. Mittlerweile füllen sie zwei Bücher und sorgen für eine ganz besondere Art ihrer Auftritte: dem kabarettistischen Harfenkonzert.
"Lebenslänglich Frohlocken"
Wie Silke Aichhorn zu ihrem Instrument gekommen ist, kann sie gar nicht genau festmachen. Sie glaubt mittlerweile, die Harfe hat sie gesucht und gefunden. Und sie kämpft dafür, dass die Harfe ihren schlechten Ruf als Fraueninstrument, "das deshalb ja ganz einfach zu spielen sein muss", verliert.
Deshalb moderiert Aichhorn viele ihrer Konzerte mit Anekdoten aus einem ihrer Bücher - "Lebenslänglich Frohlocken" oder "Frohlocken leichtgemacht!?", um anschließend zu zeigen, was mit dem Instrument der Engel alles möglich ist. Dass sie dabei teilweise das 45 Kilo schwere Instrument auf der Schulter balanciert, währen Hände und Füße in der Luft sind, hört dann aber niemand. Und die Geschichten von zum Beispiel zickigen Schwiegermüttern in kalten Kirchen mit Extrawünschen und Unverschämtheiten garniert, bringen das Publikum garantiert zum Lachen.
Die Harfe geht direkt in den Bauch
Ein Merkmal der Harfenmusik ist, dass die Klänge nicht über den Verstand, sondern direkt in den Bauch gehen. Die Klänge beruhigen die Menschen - vom Baby bis zum Sterbenden. Und so sind einige ihrer CDs auch häufig in Hospizen im Einsatz. Silke Aichhorn ist Hospiz-Botschafterin. Darauf ist sie besonders stolz. Sie hat schon öfter erfahren dürfen, wie gut es den Menschen tut, im Sterbebett mit Harfenklängen zu entspannen und loszulassen. Eine häufige Kirchgängerin ist die Musikerin zwar nicht, aber sie sagt, wenn sie spielt, "dann ist das mein eigener, kleiner Gottesdienst."
Kommentare
Der schlechte Ruf der Harfe…
Der schlechte Ruf der Harfe wäre mir nicht bekannt und wie bei allen Instrumenten ist die Schwierigkeit wohl fast beliebig steigerbar. Dass man hinter dem typischen Harfenspieler eher keinen 2 Zentner Maurer vermutet, stimmt, kann aber weder Eddie the Eagle aufhalten noch ist es sonst ein Manko. Als Soloinstrument kann die Harfe jedenfalls klanglich viele Varianten bieten und tatsächlich hat sie einen Recht meditativen Charakter, der nie nur über den Kopf wirkt.