10.03.2020
Coronavirus

Tiefpunkt noch nicht erreicht: Experten warnen vor wirtschaftlichen Folgen von Corona

Wirtschaftsexperten warnen vor den Folgen der Coronavirus-Ausbreitung für deutsche Unternehmen. Sie fordern von der Bundesregierung weitere Hilfen, damit eigentlich gesunde Unternehmen nicht in Turbulenzen geraten.
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Mehrere Wirtschaftsexperten warnen vor den ökonomischen Folgen des sich ausbreitenden Coronavirus. Der Chef des ifo-Instituts, Clemens Fuest, beispielsweise warnt einem Zeitungsbericht zufolge vor einer Rezession in Deutschland.

Der Direktor des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW), Michael Hüther, sieht laut einem Medienbericht den Tiefpunkt der ökonomischen Folgen der Epidemie als "bei weitem nicht erreicht" an. Er forderte die Bundesregierung zu weiteren Hilfspaketen für die deutsche Wirtschaft auf, um den Betrieben zu helfen.

"Die Koalition ist mit Blick auf die Risiko-Lage zu kurz gesprungen", sagte Hüther der "Passauer Neuen Presse".

Es gebe lediglich Kurzarbeit-Beschlüsse. Diese erhielten die Beschäftigung und würden die Firmen zwar entlasten. Dies sei aber zu wenig. Laut Hüther muss die Große Koalition aus Union und SPD die Schwarze Null auf Dauer aufgeben.

Diese sei ökonomisch ohnehin nicht begründbar, erläuterte IW-Chef Hüther und warnte: "Gegenwärtig ist der Höhepunkt der ökonomischen Corona-Effekte bei weitem noch nicht erreicht."

ifo-Chef Fuest wiederum sagte der "Augsburger Allgemeinen", dass einiges dafürspreche, dass nun "eine Rezession bevorsteht". Auch er forderte Hilfsmaßnahmen der Bundesregierung für die Wirtschaft. Wie sich die Lage für die Unternehmen im Land entwickle, hänge zwar sehr davon ab, wie die Corona-Epidemie sich weiter ausbreite:

"Leider sagen viele Virologen, dass sie vielleicht im Sommer abflaut, im Herbst aber zurückkommt", fügte Fuest hinzu: "Dann wäre eine Rezession nicht zu vermeiden."

Der Ökonom forderte die Bundesregierung auf, ihre Hilfen zu verstärken: "Die Maßnahmen weisen in die richtige Richtung, aber es muss mehr getan werden." Die betroffenen Branchen bräuchten erhebliche Liquiditätshilfen, damit die Krise nicht Unternehmen in die Insolvenz treibt, deren Geschäftsmodell eigentlich gesund sei.

Die Krise sei zwar nicht mit der Finanzkrise von 2008 vergleichbar, aber die Rolle von Angst und sich eintrübenden Erwartungen sei ähnlich, sagte Fuest: "Das war ein schwarzer Montag für die Börse."

IW-Direktor Hüther sieht dies sehr viel gelassener. Das Einbrechen der Aktienmärkte sei kein Indiz für eine heraufziehende Wirtschaftskrise:

"Die Nervosität an den Finanzmärkten spiegelt eher wider, dass es keine einfache Antwort auf die gegenwärtige Krise mit den Corona-Folgen gibt."

Die Kurseinbrüche seien eher die Reaktion auf ein bislang unbekanntes Umfeld: "Dieses Maß an Unsicherheit werden wir aber wohl noch geraume Zeit ertragen müssen."

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