2.09.2019
"Loslassen und nicht durchregieren"

Wirtschaftsprofessor plädiert für christliche Spiritualität im Management

Der Nürnberger Wirtschaftsprofessor Harald Bolsinger vertritt die These, dass sich Christliche Spiritualität nicht in berufliches und privates Leben aufteilen lasse, es geht ihm darum, "Christliche Spiritualität so zu übersetzen, dass sie in der monetären Welt vorstellbar ist".
Harald Bolsinger
Der Nürnberger Wirtschaftsethiker Prof. Dr. Harald Bolsinger ist Mitherausgeber des Buches "Spiritualität in der Managementpraxis". Man könne nicht "am Sonntag Christ sein und am Montag Kunden belügen und betrügen".

Christliche Spiritualität lässt sich nicht aufteilen: "Man kann nicht am Sonntag Christ sein und am Montag Kunden belügen und betrügen", sagt der Nürnberger Wirtschaftsprofessor Harald Bolsinger in einem Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). Bolsinger ist Mitherausgeber des Buches "Spiritualität in der Managementpraxis" und will "die alltägliche Schizophrenie eindämmen, die Menschen kaputtmacht". Christliche Spiritualität lasse sich nicht in berufliches und privates Leben aufteilen. Bolsinger folgt vielmehr der These, dass sich mit christlich begründeten Werten Management bereichern lässt. "Christliche Spiritualität so übersetzen, dass sie in der monetären Welt vorstellbar ist", darum geht es ihm.

Werte wie Verlässlichkeit, Respekt und Ehrlichkeit ließen sich auch ethisch-areligiös oder aus anderen Glaubensgemeinschaften heraus begründen. Das entspreche auch der Wirklichkeit in Unternehmen und Einrichtungen, in denen immer mehr Menschen beschäftigt seien, die ohne religiöses Bekenntnis seien oder mit muslimischem Glauben sind. "Alle Religionen sind gut, wenn sie die Ziele im Unternehmen fördern", erklärt Bolsinger.

Es dürfe keine Frage sein, welche Spiritualität besser ist: "Das widerspricht der Würde des Menschen."

Die emotionale Gewissheit des Buchautors aber kommt "aus der Begegnung mit dem christlichen Gott", sagt er. Entsprechend leitet er seinen Wertekanon aus der Heiligen Schrift ab. Die Bergpredigt sei in ihrer Kernbotschaft "weltweit und konfessionsübergreifend anerkannt". Das dreifache Liebesgebot verlange, Gott zu lieben, den Nächsten wie sich selbst - und auch Feinde mit einzuschließen. Weitere Werte sind unter anderem Barmherzigkeit, soziale Verantwortung oder auch Veränderungsbereitschaft.

Bolsinger ist sich sicher, dass die Offenbarungen Gottes zu einer Ressource werden könnten, "die in Unternehmen eine hohe Relevanz bei der Beurteilung von Situationen und Sachverhalten besitzt". Ein ganzheitliches Wertemanagement umfasse dabei drei Ebenen: Als Basis nennt er die "Mindestmoral", die auch durch Gesetze und Normen eingefordert werde.

Darauf baut das professionelle Wertemanagement auf. Dort geht es um Respekt, Verlässlichkeit und Ehrlichkeit, das einerseits weltanschaulich breit anschlussfähig und andererseits für den Unternehmenszweck strategisch zielführend ist. Mitarbeiter müssten hier zu wertekonformem Handeln motiviert werden. Bolsinger geht davon aus, "dass diese Werte grundsätzlich im Menschen verankert" sind und daher nur aktiviert werden müssten. Die dritte Ebene ist die geistliche Gemeinschaft, in der Christliche Spiritualität durch Vorleben und Einüben vermittelt wird.

Christliche Spiritualität wirke sich auch auf die internen Prozesse aus.

Dazu zähle beispielsweise eine Führung mit Vertrauen, also "loslassen, nicht durchregieren". Spirituelle Führungskräfte ließen auch "starke Mitarbeiter zu, statt einfacher Wasserträger". Angesichts des inflationären Gebrauchs des Begriffes Spiritualität sieht sich Bolsinger auch zu einer deutlichen Klarstellung genötigt. "Es geht nicht um Glückssteigerung, sondern um persönliche und geistliche Sinnerfüllung."

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