7.05.2020

Knobloch verurteilt Gauland-Aussage zu 8. Mai

Kurz vor dem 75. Jahrestag des Endes des Zweiten Weltkriegs haben Vertreter von Religionsgemeinschaften dazu aufgerufen, der Kriegsopfer zu gedenken.
Charlotte Knobloch
Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern

Zugleich kritisierten die Vertreter der Religionsgemeinschaften die Äußerungen des AfD-Fraktionsvorsitzenden im Bundestag, Alexander Gauland, zur Bedeutung des 8. Mai als Gedenktag

"Es ist keine Überraschung, dass Alexander Gauland im 8. Mai vor allem eine 'absolute Niederlage' erkennt", sagte Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern. Wo er als Vertreter seiner extremistischen Partei vom "Verlust von Gestaltungsmöglichkeit" rede, stehe für die meisten Menschen in Deutschland fest: Der 8. Mai ist als Tag der Niederlage des NS-Regimes ein Grund für Freude und Dankbarkeit, betonte Knobloch.

"Auch die unerträglichen Vergleiche von Gauland passen ins Bild der vielen historischen Verdrehungen seitens der AfD", kritisierte Knobloch.

Kritik an Gauland-Aussage

Für die jüdische Gemeinschaft sei das Ende des Zweiten Weltkriegs mit Dankbarkeit für die alliierten Soldaten verbunden, die als Befreier nach Deutschland kamen. "Der 8. Mai 1945 war nicht nur ein Tag der Befreiung, sondern auch ein Tag der Befreier", sagte der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster, am Mittwoch in Berlin.

Auch Schuster verurteilte Gaulands Äußerungen, der den 8. Mai als Tag der deutschen Kapitulation im Zweiten Weltkrieg als ungeeignet für einen Feiertag bezeichnet hatte. Diese Betrachtung des 8. Mai 1945 finde man häufig unter Neonazis. "Damit sollen die Deutschen vor allem als Opfer dargestellt werden. Ich empfinde das als geschichtsverzerrende Relativierung der NS-Verbrechen und verantwortungslos", sagte Schuster der "Neuen Osnabrücker Zeitung" (Mittwoch).

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